Hätte David Plachcinski seinen Fleiß, seine Gradlinigkeit und seine Ausdauer so intensiv in seine fußballerische Laufbahn investieren können wie in seine Berufliche, ihm wäre sicherlich eine glanzvolle Fußballerkarriere beschieden gewesen. Doch manchmal hält das Schicksal eben andere Pläne bereit und die müssen ja nicht unbedingt die Schlechtesten sein. [i]Das Porträt[/i]

Serie: Die Top-Stürmer der Bezirksliga 15 (Folge 4: David Plachcinski, VfB Habinghorst)

Ein torgefährlicher Mathelehrer

23. Dezember 2006, 17:47 Uhr

Hätte David Plachcinski seinen Fleiß, seine Gradlinigkeit und seine Ausdauer so intensiv in seine fußballerische Laufbahn investieren können wie in seine Berufliche, ihm wäre sicherlich eine glanzvolle Fußballerkarriere beschieden gewesen. Doch manchmal hält das Schicksal eben andere Pläne bereit und die müssen ja nicht unbedingt die Schlechtesten sein. [i]Das Porträt[/i]

Bereits in jungen Jahren bot sich „Plaschi“ in seiner Geburtsstadt Lozlau (Oberschlesien) die Möglichkeit, in einer innovativen Sportklasse – eine Einrichtung ähnlich den heute bei großen Vereinen üblichen Sportinternaten – seine Fußballkunst zu verfeinern. Das harte Programm mit normalem Schulalltag und anschließenden, zweistündigen Trainingseinheiten legte bei ihm den Grundstein für seine eisenharte Selbstdisziplin, die ihm im weiteren Leben noch mehrfach von Nutzen sein sollte.

Nachdem zwei fußballerisch und schulisch erfolgreichen Jahre in der Sportklasse absolviert waren, beschlossen seine Eltern in den Westen überzusiedeln und dem Sechstklässler blieb, im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, nur die Alternative seine Eltern zu begleiten. Damit war für ihn die Chance auf Profi-Fußball verstrichen: „Aus meiner damaligen Klasse spielen nämlich einige heute in der ersten polnischen Liga“, gibt der Frühaufsteher in der für ihn typischen, abgeklärten Art ohne Wehmut an – gejammert wird bei ihm nicht.

Durch den Umzug nach Deutschland musste er sich nicht nur von vielen Freunden und seiner Heimat, sondern auch für die nächsten zwei Jahre vom Vereinsfußball verabschieden. Als sei es nämlich für einen Zwölfjährigen nicht schon hart genug Heimat und Freunde hinter sich zu lassen, schickten ihn seine Eltern auch noch auf ein Internat nach Münster, während sie selbst nach Castrop-Rauxel zogen, wo David sie nur alle 14 Tage besuchen konnte.

„Die Entscheidung meiner Eltern war aber absolut richtig“, meint Plachcinski, denn als Neuankömmling sprach er schließlich kein einziges Wort Deutsch. Daher wurde nachmittags, anstatt mit den anderen Jungen draußen zu bolzen, eben fleißig Deutsch gebüffelt. Und auch das wieder mit viel Ehrgeiz und ebenso viel Erfolg, heute hört man bei ihm nicht mehr den kleinsten Akzent heraus.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_200.JPG Stürmt für den VfB Habinghorst: David Plachcinski. Foto: revierkick.de[/imgbox]

Aber nicht nur der gute Umgang mit der deutschen Sprache, sondern auch viele enge Freundschaften sind ihm aus dieser Zeit bis heute erhalten geblieben. Durch die gut zweijährige, fußballlose Zeit in Münster war die Leidenschaft für den Sport mit dem runden Leder für ihn aber keinesfalls erloschen. Im Gegenteil, es brannte noch lichterloh. Als er vom Münsteraner Internat an eine Castroper Realschule gewechselt war und wieder ein Zimmer in der elterlichen Wohnung bezogen hatte, war sofort klar, dass er wieder im Verein Fußball spielen wollte.

Wie bei vielen anderen war es auch bei „Plaschi“ der Verein um die Ecke auf den die Wahl fiel – in seinem Fall der VfB Habinghorst. Dort durchlief er die Jugendmannschaften und bereits als Altjahrgang A-Jugend trug sein hart erarbeitetes Durchsetzungsvermögen Früchte. Selbstbewusst forderte er erste Einsätze in der Seniorenmannschaft, die ihm auch nicht verwehrt blieben: „Die A-Jugendmannschaft war einfach so schlecht, dass ich zum Vorstand gegangen bin und verlangt habe, dass sie mich hochschreiben, weil ich mich sonst abmelden würde“.

Diesen Erfolg wollte er sich auch nicht durch den Wehrdienst kaputt machen und entschloss sich daher zum Zivildienst: „Ich wäre gerne zum Bund gegangen, aber noch einmal wollte ich nicht mit dem Fußball aufhören müssen und habe daher in einem Altenheim meinen Zivildienst gemacht, eine sehr schöne Zeit.

Damit ist aber auch schon die einzige Situation genannt, bei der er die Priorität auf den Fußball gelegt hat.

Heute bewohnt der gelernte Stahlbetonbauer und Diplom-Bauingenieur, der sein Studium in weniger als der Regelstudienzeit durchzog, mit Freundin Anna eine 60 Quadratmeter große Wohnung in Recklinghausen und absolviert gerade sein zweites Referendariatsjahr an einem Berufskolleg in Hagen. Und da ist die Zeit oft so knapp, dass das Training eben manchmal ausfällt.

Auch auf dem Weg vom „Malocher“ zum mathematikbegeisterten Dozenten war für den heute 30-jährigen der Sport immer nur eine Begleiterscheinung, die dazu diente den Stress abzubauen: „Ich brauche es einfach mich körperlich zu verausgaben und auch mal ein bisschen dummes Zeug zu reden“, hört man deutlich heraus, dass der Fußball nicht mehr als ein Hobby für ihn ist.

Das hindert den Reisebegeisterten und passionierten Barkeeper aber nicht daran seine sportlichen Ziele ähnlich klar zu fassen wie die beruflichen. Während er von einer Lehrerstelle an einem im Bau befindlichen Berufskolleg in Recklinghausen träumt, will er mit dem VfB Habinghorst, dem er bis auf zwei kurze Abstecher zu BG Schwerin und SV Röllinghausen bis heute treu geblieben ist, dieses Jahr unbedingt den Sprung in die Landesliga schaffen: „Ich bin noch nie aufgestiegen“, ist ihm nämlich bisher eines der schönsten Erlebnisse eines jeden Fußballerlebens verwehrt geblieben.

Um das zu ändern will sich „Plaschi“, der sich selbst als Team-Player bezeichnet, auch noch einmal zu 100 Prozent reinhängen und nach Möglichkeit mit etwa 20 Treffern seinen Teil zum Aufstieg des VfB beitragen. Zur Winterpause steht seine Trefferbilanz bei aktuell neun erzielten Toren und damit ist er voll im Soll. Vor allem sein eiserner Willen wird ihn wahrscheinlich an das selbst gesetzte Ziel bringen.

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