Serie: Brüderpaare im Amateurfußball (Mesut und Hüseyin Harputlu - Dostlukspor Bottrop)

"In Top-Form könnten sie in der Verbandsliga spielen"

Thomas Ziehn
25. Dezember 2006, 13:11 Uhr

Auf dem Platz verstehen sie sich blind. Kein Wunder, gehen Mesut und Hüseyin Harputlu doch seit sechs Jahren gemeinsam ihren sportlichen Weg. Zurzeit sorgen sie beim Bezirksligisten Dostlukspor Bottrop für Furore. Der Aufsteiger steht – auch dank der Leistung der Harputlus – auf einem hervorragenden fünften Tabellenplatz. „Wir steigen noch auf“, steht für das Brüderpaar fest. Uneins sind sich die Geschwister lediglich, wenn das türkische Stadt-Derby Galatasaray Istanbul gegen Fenerbahce ansteht.Teil 1 der Serie über Brüderpaare im Amateurfußball des Reviers.

Mesut, auf den Tag genau vier Jahre älter als sein „kleiner Bruder“, drückt „Aslanlar“, Hüseyin „Fener“ die Daumen. Und auch in der Bundesliga hat das Brüderpaar unterschiedliche Favoriten. „Hüseyin muss im Moment ganz tapfer sein“, frotzelt Mesut, „er ist HSV-Fan. Meinen Schalkern geht es da schon wesentlich besser.“

So unterschiedlich wie die Hinrunde der beiden Bundesligisten, so wechselvoll war auch das Jahr 2006 für Mesut und Hüseyin. Mit Dostlukspor schafften sie Mitte des Jahres den Aufstieg in die Bezirksliga. Dort angekommen lief es zu Saisonbeginn nicht rund. „Wir mussten uns erst an die neue Liga gewöhnen“, erinnert sich Mittelstürmer Hüseyin, „wir haben in einigen Spielen zu wenig mit den Füßen und zu viel mit dem Mund gespielt. Erst als wir das abgestellt haben, lief es besser. Leider haben mich Achillessehnenprobleme immer wieder zurück geworfen, so dass ich nur in zehn Spielen dabei sein konnte.“ [infobox-right]Zu den Personen

Mesut, geboren am 07.10.1976 in Bottrop, ist gelernter Chemiekant, sein Lebensmotto: „Leben und leben lassen“, bisherige Vereine: SV Bottrop 19 11, VfB Bottrop, Galatasaray Mülheim, Dostlukspor Bottrop.
Hüseyin, geboren am 07.10.1980 in Bottrop, ist Gebrauchtwagenhändler, sein Lebensmotto: „Genieße jeden Tag, als wäre es dein letzter“, bisherige Vereine: Vorwärts Bottrop, SV Bottrop 19 11, Galatasaray Mülheim, Dostlukspor Bottrop
[/infobox]Auch Spielmacher Mesut dufte in einigen Begegnungen nur zuschauen. „Gleich am dritten Spieltag stellte sich der Bottroper Nachbar SV Vonderort bei uns vor“, berichtet der „Zehner“, „das Spiel lief sehr unglücklich für uns. Der Unparteiische erkannte zwei glasklare Treffer von uns nicht an. Nach dem Spiel soll ich den Linienrichter beleidigt haben. Ganz ehrlich: Da war gar nichts.“ Auch Nuch Aslan, erster Vorsitzender bei Dostlukspor, war dabei. „Die Sperre von sechs Spielen war ein Witz. Mesut hat nichts gemacht, aber ein Einspruch hätte nichts genutzt. Doch die Sache ist Vergangenheit. Wir konzentrieren uns jetzt auf die Rückrunde.“

Dass Dostlukspor im neuen Jahr sogar noch Chancen auf den Titel hat, liegt auch an der Leistung der Harputlus. In seinen zehn Einsätzen schoss Hüseyin 23 Tore. Und Mesut war maßgeblich an der Serie von zuletzt elf Spielen in Folge ohne Niederlage beteiligt. „Wenn die beiden öfter zusammen gespielt hätten, würden wir noch besser da stehen. Sind die Beiden in Top-Form, könnten sie locker in der Verbandsliga spielen“, ist Nuch Aslan stolz auf das Offensiv-Paar. „Wir haben in der Hinrunde in keinem einzigen Spiel mit der Stammelf gespielt. Bleiben wir im neuen Jahr von Verletzungen verschont, werden wir den Aufstieg in die Landesliga schaffen“, sind sich Mesut und Hüseyin einig, den Rückstand von derzeit zehn Punkten auf die Spitze wett machen zu können. „Allerdings“, so Aslan, „müsste man in diesem Fall über die finanzielle Machbarkeit einer Landesliga-Saison nachdenken. Schließlich beträgt unser Etat nur wenige tausend Euros.“[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_201.jpg In Top-Form reif für die Verbandsliga? Die Harputlu-Brüder.[/imgbox]

Wo immer Mesut und Hüseyin Harputlu ihre Zelte aufschlugen, stellte sich auch der sportliche Erfolg ein. Die beiden gebürtigen Bottroper spielten erstmalig vor knapp sechs Jahren beim SV Bottrop 19 11 zusammen und schafften dort den Sprung von der Landes- in die Verbandsliga. Über den Landesligisten Galatasary Mülheim kamen die Harputlus 2005 zu Dostlukspor. Die Rollen auf dem grünen Rasen sind klar verteilt. Mesut verkörpert den klassischen Spielmacher. „Er ist technisch unheimlich stark. Außerdem hat er den unbändigen Willen, jedes Spiel gewinnen zu wollen“, beurteilt Hüseyin Mesuts Qualitäten, „allerdings ist er manchmal ein wenig zu ballverliebt.“ Bei 1,83 Meter Körpergröße und 85 Kilogramm Körpergewicht ist Hüseyin der „Prototyp eines Mittelstürmers“, mit ähnlichen körperlichen Voraussetzungen ausgestattet, wie sein Vorbild der holländische Stürmerstar Ruud van Nistelrooy. „Hüseyin ist wie van Nistelrooy ein „Tor-Phantom“. Oft sieht man ihn gar nicht, doch dann schlägt er blitzschnell zu. Nur an seiner Chancenverwertung muss Hüseyin noch arbeiten. Die Unmöglichen macht er rein, die leichten Bälle nicht“, so Mesut augenzwinkernd in Richtung seines Bruders.

Privat gehen die Geschwister ihre eigenen Wege. Mesut, gelernter Chemiekant, verbringt seine Freizeit am liebsten mit seinem dreieinhalbjährigen Sohn. „Ich hoffe, dass er mal ein richtig guter und erfolgreicher Fußballer wird. Er geht jeden Sonntag mit mir auf den Fußballplatz und kickt dort mit den anderen Kindern“, sagt der stolze Vater. Hüseyin, im Beruf Gebrauchtwagenhändler, tauscht schon einmal die Fußballschuhe gegen die Badehose oder entspannt bei einem guten Buch.

Für das Jahr 2007 haben die Harputlu-Brüder neben dem Aufstieg in die Landesliga unterschiedliche Vorsätze gefasst. „Ich habe zuletzt nur wenig trainieren können. Unserem Trainer Mevlüt Ata habe ich versprochen, dass ich das im neuen Jahr ändern werde“, so Mesut. Sein jüngerer Bruder hofft, „von Verletzungen verschont zu bleiben“. Weitergehende Gedanken über die sportliche Zukunft macht sich zumindest Mesut nicht: „Ich werde meine Karriere mit ziemlicher Sicherheit bei Dostlukspor beenden. Ich bin jetzt 30 Jahre alt und fühle mich hier sehr wohl.“ Bei seinem 26-jährigen Bruder ist die Sache nicht ganz so klar. „Wenn ein ambitionierter Oberligist anklopft, müsste man über so ein Angebot nachdenken. Aber auch ich spiele sehr gerne hier. Das Umfeld ist angenehm, die Platzanlage am Batenbrock toll. Meine volle Konzentration gilt jetzt der Rückrunde, die für uns schon am 4. Februar mit dem Nachholspiel beim VfB Lohberg beginnt.“

Autor: Thomas Ziehn

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