Schwabenland statt Toskana heißt es nun doch für den italienischen Erfolgstrainer Giovanni Trapattoni. Der ehemalige Coach von Bayern München hat beim Bundesligisten VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2007 unterzeichnet.

Trapattoni unterschreibt beim VfB Stuttgart

us
17. Juni 2005, 17:35 Uhr

Schwabenland statt Toskana heißt es nun doch für den italienischen Erfolgstrainer Giovanni Trapattoni. Der ehemalige Coach von Bayern München hat beim Bundesligisten VfB Stuttgart einen Vertrag bis 2007 unterzeichnet.

Die Würfel sind gefallen: Der italienische Star-Trainer Giovanni Trapattoni wird Nachfolger von Matthias Sammer beim VfB Stuttgart. Der 66-jährige Trapattoni unterschreibt beim UEFA-Cup-Teilnehmer einen Vertrag bis Ende Juni 2007 und wurde auf einer Pressekonferenz der Schwaben am Freitag im Gottlieb-Daimler-Stadion offiziell vorgestellt. Beim VfB soll "Trap" 1,8 Millionen Euro jährlich verdienen.

Der "Maestro" zeigte sich gut gelaunt und genoss die Rückkehr nach Deutschland sichtlich: "Guten Tag, ich bin wieder da. Ich habe beim ersten Mal gesagt: "Ich habe nicht fertig". Ich bin sehr stolz, Trainer beim VfB zu sein", sagte Trapattoni, der von acht Kamerateams und rund 30 Journalisten empfangen wurde.

Kandidat Sollied wechselt nach Piräus

Ausschlaggebend für die Zusage des ehemaligen italienischen Nationaltrainers und Ex-Bayern-Coaches Trapattoni war offenbar das Okay seiner Frau Paola, die ursprünglich ihr Heimatland Italien nicht noch einmal verlassen wollte. "Meine Frau hat gesagt, 'du liebst den Fußball mehr als mich'. Das war kein Spaß, das hat sie ernst gemeint", erklärte Trapattoni, stellte seine Frau als Entschädigung allerdings einen Kurzurlaub in Aussicht. Dagegen gab der zweite Kandidat, der Norweger Trond Sollied, per Videobotschaft seinen Wechsel zum griechischen Meister Olympiakos Piräus bekannt.

"Trapattoni hat seine ganz eigene Philosophie"

Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der einst Spieler unter Trapattoni bei Bayern München war und in dieser Zeit nach einer Auswechslung mit seinem berühmten "Tonnentritt" für Schlagzeilen gesorgt hatte, sieht die Neu-Verpflichtung seines Ex-Klubs derweil mit gemischten Gefühlen: "Giovanni Trapattoni hat seine ganz eigene Philosophie vom Fußball, das weiß auch der VfB. Jetzt sind wir alle gespannt, wie das bei den Stuttgartern aussehen wird."

Trapattoni, der zuletzt mit Benfica Lissabon portugiesischer Meister wurde, zählt mit 19 Titeln zu den renommiertesten Trainern der Welt. Mit dem deutschen Rekordchampion Bayern München wurde er 1997 Meister und ein Jahr später Pokalsieger.

VfB-Präsident Erwin Staudt hatte "Trap" bereits unter der Woche als "positiv Fußball-Besessenen" bezeichnet. Dass Trapattoni wie der geschasste Sammer eher als Disziplinfanatiker und Defensivspezialist gilt, stört den Klub-Boss nicht: "Wenn dabei - wie bei Benfica Lissabon - der Titel herausspringt, ist dagegen nichts einzuwenden." Zudem mache selbst ein Trainer wie der strenge Italiener "zurzeit einen Lernprozess durch".

Beim VfB soll Trapattoni nach dem Abgang der Nationalspieler Kevin Kuranyi zu Schalke 04 und Philipp Lahm nach München sowie dem bevorstehenden Abschied von Spielmacher Alexander Hleb zum FC Arsenal den Umbruch der Mannschaft und eine neue Erfolgs-Ära einleiten. Angeblich soll Arsenal mittlerweile bereits sein, 18 Millionen Euro Ablöse für den Weißrussen zu bezahlen. "Wenn jemand in dieser Sache mit viel Geld um sich schmeißt, müssen wir uns damit befassen", meinte Staudt.

Heimweh offizielle Ursache für Abschied aus Lissabon

In Lissabon war "Trap" offiziell wegen Heimweh aus seinem bis 30. Juni 2006 laufenden Vertrag ausgestiegen. In Deutschland genießt "Trap" seit seiner Brandrede vom 10. März 1998 in München Kultstatus. Es war die spektakulärste Ansprache eines Trainers in 42 Jahren Bundesliga. Bruchstückhafte Aussagen des Italieners wie "Flasche leer", "was erlauben Strunz" oder "ich habe fertig" sind inzwischen zum Allgemeingut der deutschen Sprache geworden.

Autor: us

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