Der Panther ist in Dortmund, gibt sich aber ganz handzahm. Im RS-Interview spricht er über Schalke, seine Torquote und warum er perfekt ins Revier passt.

Barrios, die Raubkatze

„Trabajo, trabajo, trabajo“

Matthias Dersch
29. Juli 2009, 21:28 Uhr

Der Panther ist in Dortmund, gibt sich aber ganz handzahm. Im RS-Interview spricht er über Schalke, seine Torquote und warum er perfekt ins Revier passt.

Spitznamen von Profifußballern können in der Regel zwei Reaktionen hervorrufen. Während sich „Schweini“ und „Poldi“ hervorragend dazu eignen, aus Teenie-Kehlen geschrien zu werden, beim Gegner allerdings nur wenig Angst hervorrufen, ist der Fall bei Lucas Barrios anders verortet. Der 24-jährige Neuzugang des BVB wird „la pantera“ - zu deutsch: der Panther - genannt. Das klingt nach Respekt, Gefahr und Biss.

Warum Barrios mit der Raubkatze verglichen wird, zeigte der Argentinier bereits bei seinem ersten Einsatz im BVB-Dress: Antrittsschnell und trickreich ließ er seine Gegner in Koblenz stehen, eiskalt zeigte er sich vor dem Tor. Das sind Qualitäten, die bei den gegnerischen Fans definitiv für zitternde Knie sorgen.

Im Gespräch mit RevierSport präsentierte sich der Angreifer dagegen ganz anders: Zahm und umgänglich beantwortete Barrios die Fragen über seine Pläne mit dem BVB - und zeigte sich trotz großer Müdigkeit bestens gelaunt.
Herr Barrios, Sie werden „der Panther“ genannt. Verraten Sie uns, wo dieser Spitzname seinen Ursprung hat.

Den Namen trage ich schon seit meiner Jugend. Ich gehörte damals zu den schnellsten Spielern in der Mannschaft. Und dann war der Name auf einmal geboren. Seitdem habe ich ihn nicht mehr abgelegt.

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Sie treten beim BVB in große Fußstapfen. Ihr Vorgänger Alex Frei kam in Dortmund auf einen Schnitt von 0,5 Treffern pro Spiel. In Chile haben Sie diesen Schnitt locker überboten. Womit kann man in Deutschland rechnen?

Das kann ich nicht vorhersagen, das wird die Zeit zeigen. Ich werde mit Sicherheit keine konkrete Trefferanzahl versprechen. Aber mir geht es in erster Linie auch nicht um meine eigenen Tore. Ich möchte der Mannschaft helfen und für sie arbeiten. Das steht an erster Stelle. Meine Devise lautet: trabajo, trabajo, trabajo - Arbeit, Arbeit, Arbeit. Der Rest kommt von alleine.

Wenn Sie den Fans des BVB schon keine Tore versprechen wollen, worauf können sich die schwarz-gelben Anhänger denn stattdessen freuen?

Ich kann Ihnen versprechen, dass ich täglich mein Bestes geben werde, um den Verein und die Mannschaft weiterzubringen. Die Tore kommen dann fast automatisch.

Sie wirken sehr unbekümmert und spielten bei Ihrem Debüt am Dienstag so, als würde kein Druck auf Ihren Schultern lasten. Wie stecken Sie den ganzen Trubel um Ihre Person so locker weg?

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/012/685-13136_preview.jpeg Luca Barrios konnte gleich bei seinem ersten Einsatz im BVB-Trikot jubeln (Foto: firo).[/imgbox]Ich habe grundsätzlich keine Integrationsprobleme, wenn ich den Verein wechsele. Aber was ich in Dortmund im Moment erlebe, macht es mir noch einfacher. Wirklich jeder, von der Vereinsführung bis zu den zahlreichen Fans, die mich nach dem Training ansprechen, macht es mir enorm leicht, mich hier wohlzufühlen. Und deshalb konnte ich am Dienstag auch so befreit aufspielen.

Unter „befreit aufspielen“ verstehen Sie offenbar auch das Spiel mit der Hacke. Nelson Valdez möchte Ihnen das bis zum Saisonstart austreiben.

Das muss er gar nicht. Denn ich bin eigentlich nicht der Typ, der viel mit der Hacke spielt. Das entspricht nicht meiner Spielweise. Der Trainer ist deshalb auch noch nicht auf mich zugekommen, um mir diese Tricks zu verbieten.

Sie tragen die Rückennummer „18“. Nicht wenige in Dortmund sind der Überzeugung, dass diese Nummer nicht mehr vergeben werden sollte.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/012/684-13135_preview.jpeg Barrios will die Nummer "18" entsprechend würdigen (Foto: firo).[/imgbox]Ich weiß, welchen Stellenwert die Nummer beim BVB besitzt und möchte alles dafür tun, dass ich das Erbe erfolgreich fortführe. Der Beginn am Dienstag in Koblenz war ja schon recht vielversprechend.
Auf der Tribüne gab es nach Ihrem Debüt gegen Koblenz Debatten über Ihre Körpergröße. Auf der offiziellen Internetseite von Colo Colo werden Sie mit 1,89 m gelistet, andere sprechen von 1,86 m. Wie groß sind Sie denn wirklich?

(grinst, steht auf und streckt den Rücken) 1,89 m natürlich.

Sie werden am Donnerstag die 50.000. verkaufte BVB-Dauerkarte überreichen. Ins gesamte Stadion Ihres Ex-Klubs CSD Colo Colo passten gerade einmal 45.000 Zuschauer. Haben Sie solche Dimensionen wie hier in Dortmund in Ihrer Karriere schon einmal kennengelernt?

Nein, ich bin sehr beeindruckt von den Zahlen. Aber ich bin überhaupt beeindruckt, von der Art und Weise, wie die Fans hier mit uns Spielern umgehen. Das kannte ich aus Chile und Argentinien nicht. Ich weiß, dass die Erwartungen in mich sehr hoch sind. Ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen.

Die Erwartungshaltung der Fans ist traditionsgemäß vor dem Revierderby am größten. Was sagt Ihnen der Name FC Schalke 04?

Ich muss gestehen, dass er mir bis eben noch nichts gesagt hat. Aber ein paar Minuten zuvor hat mir jemand verraten, dass Schalke unser größter Gegner ist. Ich kenne Derbys aus Chile, dort gab es „el classico“ zwischen CSD Colo Colo und Universidad. Davor habe ich keine Angst, Schalke kann kommen.

Autor: Matthias Dersch

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