Die Sympathien auf der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach waren klar verteilt. Während Coach Horst Köppel den Applaus einsammelte, musste sich Präsident Rolf Königs der Kritik stellen.

Königs steht klar in Köppels Schatten

31. Mai 2005, 11:34 Uhr

Die Sympathien auf der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach waren klar verteilt. Während Coach Horst Köppel den Applaus einsammelte, musste sich Präsident Rolf Königs der Kritik stellen.

Die Rollenverteilung bei der Mitgliederversammlung von Borussia Mönchengladbach war eindeutig. Coach Horst Köppel heimste als "Retter" die stehenden Ovationen ein, während Präsident Rolf Königs sich zum Teil heftiger Kritik ausgesetzt sah. Nach einer der turbulentesten Spielzeiten in der Klubgeschichte mit dem kompletten Austausch der sportlichen Führung und dem glücklichen Klassenerhalt im Bundesliga-Endspurt gab es also bei den "Fohlen" noch reichlich Diskussionsbedarf.

Während der inzwischen zum Cheftrainer beförderte Köppel im Wickrather "Kunstwerk" für die geglückte Rettungsaktion nach dem "Missverständnis Dick Advocaat" minutenlang gefeiert wurde, musste sich vor allem Königs von einigen der 1198 Mitgliedern kritische Worte für seine Personalpolitik gefallen lassen. Der Vorschlag, dem Präsidium gar die Entlastung zu verweigern, fand allerdings auf breiter Ebene keine Zustimmung, sodass sich die Miene des Klubchefs gegen Ende der knapp 225 Minuten dauernden Sitzung wieder deutlich aufhellte.

"Müssen Konsequenzen ziehen"

"Wir sind alle nicht zufrieden und haben uns das anders vorgestellt. Unser Ziel, den Abstiegskampf zu vermeiden, haben wir nicht geschafft. Daraus müssen wir lernen und die Konsequenzen ziehen", bat Königs, der so gerne von Europa und der "Marke Borussia" spricht, bei den Mitgliedern um Verständnis.

Große Töne sollen in Zukunft der Vergangenheit angehören, stattdessen peilt der Klub laut Sportdirektor Peter Pander im sportlichen Bereich "ein Jahr der Konsolidierung" an. "Wir brauchen ein ruhiges Bundesliga-Jahr. Wir müssen uns in der Liga etablieren mit deutlich Luft nach unten. Natürlich ist es legitim, über höhere Ziele zu reden, aber alles zu seiner Zeit. Wir brauchen Geduld", sagte Pander, der im April die Nachfolge des glücklosen Christian Hochstätters angetreten hatte.

Einen Kaufrausch a la Advocaat - im Winter wechselten gleich sieben Spieler nach Gladbach - soll es nicht mehr geben. Für das defensive Mittelfeld wurde Niels Oude Kamphuis ablösefrei vom DFB-Pokalfinalisten und Vizemeister Schalke 04 verpflichtet, gesucht werden nun noch zwei spielstarke Innenverteidiger und ein Spieler für die rechte Abwehrseite. Im offensiven Bereich soll indes die Entwicklung von Marek Heinz erst einmal abgewartet werden.

Finanziell im Plus

Sportlich im Minus, finanziell dagegen deutlich im Plus: Wirtschaftlich präsentierte der Klub für das Geschäftsjahr 2004 eine "astreine Bilanz" (Königs). Einem Ertrag in Höhe von 48,3 Millionen Euro stand ein Aufwand von 44,7 Millionen Euro gegenüber. Der Gewinn nach Steuern belief sich demnach auf 1,89 Millionen Euro.

Durch den Umzug vom Bökelberg in den Borussia-Park verzeichnete der Klub in allen Bereichen starke Zuwachsraten. 27.000 Dauerkarten (im Vorjahr: 19.500) wurden verkauft und mit dem Zuschauerschnitt von 49.183 Fans pro Spiel (32.178) der viertbeste Besuch der Liga erzielt. Die Anzahl der Sponsoren stieg von 175 auf 210, die daraus resultierenden Einnhahmen von 9,3 auf 17,6 Millionen Euro. Zudem zählt der Klub derzeit 26.606 Mitglieder (20.167).

Für die kommende Saison plant die Borussia mit einem Rekordetat in Höhe von 50,5 Millionen Euro. "Das ist eine sehr konservative Planung für die kommende Spielzeit", sagte Borussia-Geschäftsführer Stephan Schippers. Auch in Zukunft soll gemäß Pander nur das Geld ausgegeben werden, das auch eingenommen wurde.

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