Bitterlich weinend steht das komplett in schwarz gekleidete Mädchen auf dem BVB-Trainingsplatz in Brackel und starrt ungläubig hinter dem schwarzen Jaguar hinterher, der dem Gelände soeben die Rücklichter zeigt.

BVB: Späte Revanche beim FC Basel?

Ein Angebot, das man nicht ablehnen kann

Matthias Dersch
19. Juli 2009, 10:00 Uhr

Bitterlich weinend steht das komplett in schwarz gekleidete Mädchen auf dem BVB-Trainingsplatz in Brackel und starrt ungläubig hinter dem schwarzen Jaguar hinterher, der dem Gelände soeben die Rücklichter zeigt.

Der trübe Himmel und die langsam fallenden Regentropfen tragen ihr übriges zur düsteren Grundstimmung bei. Doch Rettung naht: BVB-Pressesprecher Josef Schneck erkennt den Ernst der Lage und flüstert tröstend: „Kopf hoch. Lebbe geht weiter! Das hat schon Dragoslav Stepanovic immer gesagt.“

Und in der Tat: Das Leben wird weitergehen, nicht nur für das traurige Mädchen, sondern auch für den Verein Borussia Dortmund. Und doch ist viel Wehmut zu verspüren an dem Tag, an dem Alex Frei seine letzten Autogramme in Diensten der Borussia schreibt.

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Knapp 60 Fans haben sich am frühen Samstagmorgen nach Brackel aufgemacht, um ihr Idol - oder, wie eine große Boulevard-Zeitung provakant titelte, den letzten BVB-Star - zu verabschieden. Mit Frei, der noch am gleichen Tag nach Basel zum Medizincheck fliegt, verliert die Borussia an diesem Morgen nicht nur einen Publikumsliebling und Torjäger, sondern auch einen der letzten echten Typen der Bundesliga.

„Ich finde es sehr schade, dass Alex uns verlässt. Er wird uns als Mensch und sportlich mit Sicherheit sehr fehlen. Aber er wollte zurück in seine Heimat gehen, das muss man akzeptieren“, bemerkt BVB-Kapitän Sebastian Kehl wenig später mit bedröppelter Miene: „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es am Ende so schnell geht.“

Am Mittwoch war erstmals das Interesse des FC Basel am Schweizer Rekordtorschützen bekannt geworden, am späten Freitagabend folgte die Einigung. Knapp 4,25 Millionen Euro lassen sich die Schweizer die Dienste ihres Landsmannes, der in der Heimat neben Roger Federer der vielleicht größte Sportstar ist, kosten. Eine für Schweizer Verhältnisse exorbitante Summe, die durch Freis Gehalt zusätzliche Dimensionen erhält.

„Wir haben vor langer Zeit gesagt, dass kein Spieler unverkäuflich ist, wenn ein entsprechendes Angebot kommt. Das war hier der Fall“, versucht BVB-Coach Jürgen Klopp dann auch die wirtschaftlichen Beweggründe der Dortmunder in den Vordergrund zu rücken.

Vor drei Jahren hatte der BVB in etwa die gleiche Summe für Frei ausgegeben, dazu wäre der 30-Jährige im kommenden Sommer ablösefrei gewesen. Wägt man die verschiedenen Varianten gegeneinander ab, ist der Verkauf nur logisch. Doch nicht nur der wirtschaftliche Komponente, sondern auch Freis Persönlichkeit mussten in diesem Fall Rechnung getragen werden. Denn es war kein alltägliches Angebot, dass da bei Frei auf den Schreibtisch flatterte.

Klopp bestätigt: „Es war Alex‘ dringender Wunsch, zu wechseln. Wir haben versucht, ihn umzustimmen. Aber es war relativ schnell klar, dass das bei Basel nicht möglich war. Er wollte einfach nach Hause.“

In der Jugend war der Stürmer in Basel durchgefallen. Er würde es nicht packen, lautete damals das ebenso harsche wie falsche Urteil. Jetzt wurde Frei die Möglichkeit angeboten, diese persönliche Niederlage in einen triumphalen Sieg zu verwandeln. Und diese Chance konnte der vom Ehrgeiz Getriebene einfach nicht ablehnen...

Autor: Matthias Dersch

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