Am heutigen Montag feiert Josef Heynckes seinen 60. Geburtstag. Der Meistertrainer, zurzeit ohne Job, kann in seiner langen Karriere auf zahlreiche Titel verweisen. Vor allem in Gladbach wurde

"Don Jupp" feiert heute seinen 60. Geburtstag

09. Mai 2005, 08:19 Uhr

Am heutigen Montag feiert Josef Heynckes seinen 60. Geburtstag. Der Meistertrainer, zurzeit ohne Job, kann in seiner langen Karriere auf zahlreiche Titel verweisen. Vor allem in Gladbach wurde "Don Jupp" zur Legende.

"Wir brauchen keinen Müller, wir brauchen keinen Held, wir haben Josef Heynckes, den besten Mann der Welt". Wenn eben jener Jupp Heynckes heute auf seinen 60. Geburtstag anstößt, denkt so mancher Gladbacher gern an die aktive Zeit des ehemaligen Torjägers zurück. Mit 220 Toren in 369 Spielen für Borussia Mönchengladbach und Hannover 96 wird Heynckes in der ewigen Torjägerliste lediglich von Gerd Müller und Klaus Fischer überboten.

Doch vor allem bei den "Fohlen" machte sich "Don Jupp" unsterblich: Zwischen 1971 und 1977 holte der ehemalige Nationalspieler gleich vier Meisterschaften, den DFB-Pokal sowie den UEFA-Cup an den legendären Bökelberg. Als die Gladbacher 1979 schließlich zum zweiten Mal den UEFA-Cup gewannen, war Heynckes schon Co-Trainer unter Udo Latteck, den er dann im selben Jahr noch ablöste.

Heynckes Entdecker von Lothar Matthäus

Acht Jahre lang war Heynckes dann Trainer in Mönchengladbach, setzte dort in gewisser Weise die Tradition von Hennes Weisweiler fort. Besonders der kometenhafte Aufstieg von Lothar Matthäus ist ein großer Mitverdienst des Welt- und Europameisters. Dann lockte den Mann, der heute wieder zu seinen Wurzeln zurückgekehrt ist und in der Nähe von Mönchengladbach wohnt, die große weite Welt. Es gab Triumphe und Tragödien - zwei Extreme, die das Trainerleben des Jupp Heynckes geprägt haben.

Mit den Bayern wurde er 1989 und 1990 Deutscher Meister - und musste im Oktober 1991 dann doch gehen. Die Entscheidung tut Uli Hoeneß heute noch weh.

Zeit in Frankfurt negativer Höhepunkt

Mit seiner Art, die Weisweilersche Schule der Autorität und des Gehorsams auch 20 Jahre nach dem Lehrmeister noch durchsetzen zu wollen, ohne den veränderten Rahmenbedingungen Rechnung zu tragen, erlitt Heynckes Schiffbruch. In Frankfurt vernichtete er Millionen, als er die Machtprobe mit Anthony Yeboah, Maurizio Gaudino und Augustine "Jay-Jay" Okocha suchte. Zunächst gewann er, dann musste er doch gehen - ein Pyrrhussieg (1994 bis April 1995).

Immer wieder zog es Heynckes in die spanische Provinz (Bilbao,Teneriffa). Dort reden die Spieler ihren Trainer noch mit "Mister" an. Dort hatte Heynckes solche Erfolge, dass Real Madrid ihn unbedingt haben wollte. Mit den "Königlichen" gewann er die Champions League (1998), wurde in der Meisterschaft aber nur Vierter - und wurde deshalb gefeuert. Jupp Heynckes: Eine Karriere, an der sich die Unwägbarkeiten und Verrücktheiten des Trainerjobs exemplarisch ablesen lassen. Was will man mehr, als die Champions League gewinnen? Und was sagen, wenn das nicht reicht?

Noch einmal wollte "Don Jupp" - zwischenzeitlich auch beim Chaos-Verein Benfica Lissabon - in Deutschland beweisen, dass er auch als Trainer immer noch zu Großem fähig ist. Aber Heynckes und Schalke (2003 bis Herbst 2004), das war wohl doch ein großes Missverständnis. Die Kluft zwischen 25 Jahre alten Millionarios und einem fast 60 Jahre alten Fußball-Lehrer war und ist zu groß.

"Don Jupp" dreifacher Europacup-Sieger als Trainer und Spieler

"Netzer, Vogts und Heynckes Jupp holen den Europacup." Dreimal hat er ihn gewonnen (1975 als Spieler, 1979 als Co-Trainer, 1998 als Trainer). Wer kann das schon von sich behaupten? Was den Fans bleibt, sind Erinnerungen, beispielsweise an fünf Tore beim 12:0 über Dortmund am letzten Spieltag, was 1978 trotzdem nicht zum Gladbacher Meisterschaftstriumph reichte, weil der Erzrivale 1. FC Köln gleichzeitig 5:0 beim FC St. Pauli gewann.

Was ihm bleibt, sind Knie- und Knöchelbeschwerden aus seiner aktiven Zeit. Und trotzdem: Er hat uns träumen lassen.

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