Sollte der VfL Bochum den drohenden Abstieg aus der Bundesliga nicht mehr abwenden können, dann werden sich die Wege von Trainer Peter Neururer und dem Klub zum Saisonende trennen. Das gab der VfL am Dienstag bekannt.

Neururers Tage in Bochum gezählt

beb
03. Mai 2005, 14:06 Uhr

Sollte der VfL Bochum den drohenden Abstieg aus der Bundesliga nicht mehr abwenden können, dann werden sich die Wege von Trainer Peter Neururer und dem Klub zum Saisonende trennen. Das gab der VfL am Dienstag bekannt.

Der VfL Bochum trennt sich im Falle eines Abstiegs aus der Bundesliga von Trainer Peter Neururer. Das gaben die Westfalen am Dienstag drei Tage nach der 2:6-Niederlage gegen den FSV Mainz 05 auf einer Pressekonferenz bekannt. "Ich habe mir am Samstag nach dem 2:6 gegen Mainz 05 Gedanken gemacht, wie es mit mir und dem VfL Bochum weitergehen soll. Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich den Platz frei mache für einen Neuanfang, dem ich im Abstiegsfall nur im Wege stehen würde", meinte ein erleichtert wirkender Neururer. Die Entscheidung wurde laut offiziellen Angaben in beiderseitigem Einvernehmen nach einem Vier-Augen-Gespräch des VfL-Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Altegoer mit Neururer getroffen. Der Vertrag des Fußball-Lehrers bei den Westfalen hatte noch eine Laufzeit bis 30. Juni 2007.

Neururer kann damit nur noch ein kleines Fußball-"Wunder" den Job retten: Vor den Spielen beim 1. FC Nürnberg, gegen den VfB Stuttgart und beim Hamburger SV hat der VfL bereits fünf Punkte Rückstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Ein potenzieller Nachfolger wurde nicht genannt.

Altegoer hob hervor, dass "Herr Neururer und ich die Sache sauber über die Bühne bringen werden". Zu der ungewöhnlichen Ergebnis seien laut Altegoer beide "gemeinsam im Verlaufe des Gesprächs gekommen". Über einen potenziellen Nachfolger für Neururer habe Altegoer noch "keinen Gedanken verschwendet, kein Gespräch geführt und keine SMS verschickt".

Trainer-Entscheidung als "Endspiel-Motivation"

Dass diese Entscheidung ausgerechnet vor dem "Endspiel" in Nürnberg bekannt gegeben wurde, begründete Altegoer mit einer möglichen Motivationssteigerung bei den Profis. "Die Spieler, die für Herrn Neururer sind, werden sich bis zum Letzten zerreißen. Die, die gegen ihn sind, können eh schon nicht mehr schlechter spielen", meinte der VfL-Boss: "Im Prinzip ist der Zug doch abgefahren. Wenn trotzdem eine Resthoffnung noch umgesetzt werden soll, dann geht es nur über eine explosionsartige Steigerung der Leistung." Über den finanziellen Rahmen einer möglichen Trennung hätten beide noch kein Wort verloren.

Altegoer hatte zuvor ebenso wie die VfL-Vorstände Dieter Meinhold und Ansgar Schwenken stets betont, mit Neururer in die 2. Liga gehen zu wollen. Der Aufsichtsratsboss gab nun zu, dass er "immer einen Plan B im Hinterkopf" gehabt habe. Man sei aber nicht aufgrund der öffentlichen Meinung "eingeknickt'.

"Entwicklungen nach dem Spiel" lassen Neururer umdenken

Auch der Trainer, dessen Vertrag bis 2007 läuft und im Falle eines Klassenerhaltes weiter Gültigkeit besitzt, hatte kurz nach dem Debakel gegen Mainz einen Rücktritt kategorisch ausgeschlossen. Noch in einem sid-Interview anlässlich seines 50. Geburtstages am vergangenen Dienstag hatte es der Diplom-Sportlehrer, der gegen Nürnberg zum 500. Mal in einem Pflichtspiel als Profitrainer an der Seitenlinie steht, als "Verpflichtung" bezeichnet, dem VfL auch im Falle eines Abstiegs treu zu bleiben. "Entwicklungen direkt nach dem Spiel und am Sonntag und Montag" hätten laut Neururer zu einem Umdenken geführt. Konkret wurde er nicht.

Neururer hatte den Bochumer Trainerposten, seinen elften in 17 Profijahren, am 4. Dezember 2001 übernommen und den Traditionsklub von der 2. Liga bis in den UEFA-Cup geführt. Seit dem Erstrunden-Aus gegen Standard Lüttich stecken die Bochumer aber in der Krise und stehen seit dem 13. Spieltag ununterbrochen auf einem Abstiegsplatz. Nach 10 Punkten aus 5 Spielen vor der Partie gegen Mainz hatten Fans und Verantwortliche rund ums Ruhrstadion wieder vom Klassenerhalt geträumt.

Autor: beb

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