Der frustrierte Stürmerstar Ailton bekommt beim Bundesligisten FC Schalke 04 keine Extrawürste gebraten. Chefcoach Ralf Rangnick stellte klar, dass Lorbeerkränze aus früheren Jahren für ihn nicht zählen.

Schalke: Keine Sonderbehandlung für "Freibad-Toni"

tok
02. Mai 2005, 13:20 Uhr

Der frustrierte Stürmerstar Ailton bekommt beim Bundesligisten FC Schalke 04 keine Extrawürste gebraten. Chefcoach Ralf Rangnick stellte klar, dass Lorbeerkränze aus früheren Jahren für ihn nicht zählen.

Sommerliches Wetter weckt gemeinhin Frühlingsgefühle. Der brasilianische Stürmerstar Ailton fühlte sich offenbar angesichts der gestiegenen Temperaturen fast schon wie im Urlaub in seiner Heimat. Beim FC Schalke 04 ist man indes sauer auf "Freibad-Toni", der am vergangenen Samstag beim 3:3 gegen Bayer Leverkusen seine Nichtberücksichtigung für die Stammelf mit aufreizendem Desinteresse und einer wenig professionellen Freizeithaltung beantwortet hatte.

"Nichts Neues"

"Das ist nichts Neues auf Schalke, sondern war auch schon in Bremen so, dass er auf beleidigt macht, wenn er nicht rechtzeitig rein kommt", kritisierte Trainer Ralf Rangnick den Torjäger und setzte in seiner Verärgerung noch einen drauf: "Vom Spielverlauf hätte ich ihn bringen können, aber es macht keinen Sinn, einen Spieler zu bringen, der wie im Freibad auf dem Boden hockt." Der Bundesliga-Torschützenkönig der vergangenen Saison, immerhin einer der Großverdiener auf Schalke, wird bei den Königsblauen allmählich zum Ärgernis.

Keine Ailton-Freude nach Schalke-Treffern

Beim ersten Treffer von Lincoln freute er sich noch telegen mit seinem Landsmann, das zweite Zauber-Tor interessierte ihn schon nicht mehr. Und während die Arena in der Schlussphase brodelte und Ailton mit den anderen Ersatzspielern zum Warmlaufen abkommandiert wurde, lümmelte der exzentrische Südamerikaner an einer Werbebande herum.

Wegen einer bereits Anfang der Woche aufgetreten Erkältung saß Ailton zunächst nur auf der Bank. "Ich hatte nicht den Eindruck, dass er uns körperlich hätte weiterhelfen können", begründete Rangnick seine Maßnahme zwar erst nach der Partie gegen Bayer, musste diesen Eindruck aber bereits beim Kurztrainingslager in de Lutte in den Niederlanden gewonnen haben. Dort hatte Ailton noch stolz hoch zu Ross posiert. Es folgte die Degradierung auf die Ersatzbank - für Rangnick aus sportlichen Gründen erklärbar, der Spieler akzeptierte die Entscheidung offenbar aber nicht.

"Der Trainer hat mir am Freitag gesagt, dass ich nicht spiele, weil ich keine Kraft für 90 Minuten habe. Ich war ein bisschen krank, hatte eine Grippe", schilderte der Torjäger die Lage aus seiner Sicht: "Aber ich dachte, dass ich 20 Minuten spielen kann. Ich habe nicht verstanden, warum ich nicht eingewechselt wurde."

Anstatt Ailton wechselte der Schalker Trainer in der Schlussphase Mike Hanke und Michael Delura ein. Ailton war frustriert und gab unumwunden zu: "Ein bisschen sauer war ich schon. Abends bin ich mit meiner Familie schön essen gegangen, um das zu vergessen. Am Dienstag ist Training, und da geht es für mich wieder von vorne los. Wir können jetzt auf Schalke kein Theater gebrauchen, nicht zwischen Ailton und dem Trainer und auch nicht zwischen mir und der Mannschaft."

Diplomatische Töne, die im Endspurt der Bundesligasaion und dem dem DFB-Pokalendspiel am 28. Mai (20.45 Uhr) in Berlin gegen den deutschen Meister Bayern München als Highlight der Spielzeit dringend vonnöten sind. Ailton hat trotz seiner bisher 13 Bundesliga-Tore sportlich enttäuscht. Und ob der Brasilianer am Samstag (15.30 Uhr/live bei Premiere) bei Arminia Bielefeld wieder in der Anfangsformation steht, ist ungewiss.

Denn eine Sonderbehandlung wird es für Ailton nicht mehr geben. "Bei uns geht es nach Leistung, alles andere wäre fatal. Wenn "Toni" ein richtiger Profi ist, dann weiß er, dass er ab Dienstag wieder angreifen muss. Wir brauchen "Toni", gar keine Frage, aber einen, der heiß ist und jedes Spiel gewinnen will", sagte Vize-Kapitän Ebbe Sand und nahm seinen Sturmkollegen in die Pflicht.

Autor: tok

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