2. Spieltag: VfB Speldorf - ETB SW Essen 2:1 (1:1)

Fußball paradox

aer
10. August 2006, 11:25 Uhr

85. Spielminute, das Telefon des Journalisten klingelt. „Ja bitte?“ „Wo bist du gerade?“ „Fußball! VfB Speldorf gegen ETB Schwarz-Weiß Essen, steht 1:1! Unverdient für Speldorf. Doch warte mal...“ Auf dem Rasen: Ein Konter für den VfB, ein Traumpass von Marco Ferreira und Sergii Tytarchuk schnickt den Ball zum 2:1 ins lange Eck. „Das gibt’s nicht.“

Kurz vor dem Anpfiff: Die Schlange vor dem Kassenhäuschen am Blötter Weg ist lang. Heiß begehrt beim Revierderby: Sitzplatzkarten. Es nieselt. Speldorfs Betreuer Christian Bovermann spaziert über die Stehstufen und ärgert sich: „Wer hat das Wetter mitgebracht? Sonst wären noch 300 Leute mehr hier!“ 900 Zuschauer kommen. Für einen Mittwochabend eine beachtliche Zahl.

Kurz nach dem Abpfiff: Einige Speldorfer Fans stehen noch am Tresen, bei der Pressekonferenz ist der Saal pickepackevoll – weniger mit Pressevertretern, sondern mehr mit so genannten "VIPs" und ganz normalen Fans, die sich die Statements der Trainer anhören. Draußen ist es dunkel. Zwei Halbzeiten und 15 Minuten Pause eines kuriosen Fußballspiels liegen zwischen diesen beiden Szenen.

Kurios war der Spielverlauf allerdings nicht, sondern lediglich das Ergebnis. Die Essener bestimmten die komplette Zeit das Tempo. Die Abwehr um Christian Petereit stand sicher, Thomas Puschmann führte vor der Abwehr gut Regie und im Mittelfeld wirbelten Manuel Schulitz, Björn Grallert und Bilal Lekesiz. In der Ecken-Statistik lag ETB am Ende mit 14:2 (!) vorn. Auch in der Chancenbilanz hatten die Essener auch einen meilenweiten Vorsprung. Ein klarer und deutlicher Erfolg wäre die logische Konsequenz gewesen.

Doch das erste Tor erzielte nicht ETB, sondern Speldorf. Einen Freistoß-Hammer von Rafael Synowiec konnte ETB-Torwart Marcel Johns nicht festhalten. Er klatschte den nassen Ball zur Seite ab. Die folgende Flanke von Said Daftari lenkte ausgerechnet der Ex-Essener Sergii Tytarchuk per Kopf zum 1:0 ins Netz (19.) – eine Chance, ein Tor. Zu diesem Zeitpunkt hätte ETB schon mit 3:0 führen müssen. Yusuf Kaba (3.), Thomas Puschmann (10.) und Sascha Wolf (15.) vergaben jedoch.

Erst in der 33. Minute traf ETB. Als die Bogenlampe von Bilal Lekesiz im langen Eck einschlug, wunderte das niemanden. Es war hochverdient.

Die Speldorfer wehrten sich, so gut sie konnten. Technisch waren sie aber eine ganze Klasse schlechter. Viele Fehlpässe und Missverständnisse – offensiv fand der VfB nicht statt. Dabei hatte Trainer Piero Lussu im Gegensatz zum Bonn-Spiel mit Torsten Jablonski sogar einen zweiten Stürmer eingesetzt. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr lag das zweite Essener Tor in der Luft. Zweimal klärte Rafael Synowiec in höchster Not im Fünf-Meter-Raum (60./63.), nach einem Kopfball von Christian Petereit kratzte Andreas Mansfeld den Ball von der Linie (65.).

Und wenn der Ball aufs Tor flog, stand der formidable VfB-Torwart Gregor Nijhuis im Weg. Seine größte Glanztat schaffte er gegen Bilal Lekesiz (78.). Die grün-weißen Fans zitterten dem Abpfiff entgegen. Vier Punkte aus zwei Spielen, eine optimale Bilanz – doch es kam noch besser. Der eingewechselte Ferreira schickte Tytarchuk auf die Reise. Und der verpasste seinem Ex-Klub den K.o.

Während die Essener erhobenen Hauptes den Blötter Weg verließen, träumt der VfB nun von der Tabellenführung. Am Sonntag fahren die Grün-Weißen zum miserabel gestarteten Schlusslicht Union Solingen (15 Uhr, Hermann-Löns-Weg), am Freitag, 18. August, kommt Aufsteiger SSG Bergisch-Gladbach um 19 Uhr nach Mülheim. Vier Spiele, vier Siege: Ein solcher Traumstart ist nicht mehr unwahrscheinlich.

Auf Seite 2: Aufstellung und Stimmen zum Spiel

Autor: aer

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