Nach einem halben Jahr als Trainer von Borussia Mönchengladbach ist Dick Advocaat zurückgetreten. Nachfolger ist Horst Köppel, der die

Advocaat nimmt den Hut

us
18. April 2005, 19:02 Uhr

Nach einem halben Jahr als Trainer von Borussia Mönchengladbach ist Dick Advocaat zurückgetreten. Nachfolger ist Horst Köppel, der die "Fohlen" in dieser Saison bereits beim 2:0-Erfolg gegen Bayern München betreut hatte.

Jetzt also doch: Trainer Dick Advocaat hat die Konsequenzen aus der Talfahrt des Bundesligisten Borussia Mönchengladbach gezogen und gab am Montag mit sofortiger Wirkung seinen Posten auf. "In der aktuellen Situation steht das Wohl des Vereins über allem. Ich glaube, dass ich mit meinem Rücktritt Druck vom Klub und von der Mannschaft nehme und hoffe, damit den Anstoß zu geben, dass Borussia den Klassenerhalt schafft", erklärte der 57 Jahre alte ehemalige niederländische Bondscoach, der nur 167 Tage im Amt war. Als Interimstrainer soll nun der bisherige Gladbacher Amateur-Coach Horst Köppel die nervlich angeschlagene Truppe zum Klassenerhalt führen.

Nur noch ein Zähler Vorsprung

Nachdem sich die Situation des fünfmaligen deutschen Meisters im Abstiegskampf durch den 2:1-Erfolg des VfL Bochum am Sonntag beim 1. FC Kaiserslautern weiter zugespitzt hatte und der Vorsprung auf den VfL auf einen Zähler zusammengeschrumpft war, entschied sich der Borussia-Coach doch zum Rücktritt. Der bis 30. Juni 2007 datierte Vertrag mit dem Niederländer wird zum 30. Juni aufgelöst, der Trainer verzichtet auf eine Abfindung.

"Es war ehrenhaft, wie er sich verabschiedet hat, nicht nur wegen des Geldes", sagte Borussia-Präsident Rolf Königs: "Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass er ein guter Trainer ist. Dick Advocaat hat nicht versagt. Wir haben zwar im sportlichen Bereich Abweichungen, es hat halt nicht ganz zusammengepasst."

Bereits am vergangenen Samstag nach dem 1:1 gegen Aufsteiger FSV Mainz 05 hatte der am 2. November vergangenen Jahres verpflichtete international renommierte Fußball-Lehrer an eine Demission gedacht. In einer Krisensitzung mit der Klub-Spitze konnte Advocaat allerdings zunächst von einem Rücktritt abgebracht werden. "Präsidium, Geschäftsführung und Dick Advocaat haben entschieden, dass wir den Weg normal weitergehen. Wir sind davon überzeugt, dass wir die Situation in dieser Konstellation packen", hatte Sportdirektor Christian Hochstätter da noch erklärt.

Auch Hochstätter in der Kritik

Unter Druck steht auch Sportdirektor Christian Hochstätter, der die Personalie Advocaat und die zahlreichen Neuverpflichtungen (acht zu Saisonbeginn, sieben in der Winterpause) verantworten muss. "Die Personalie des Sportdirektors wurde nicht diskutiert. Das Vertrauen in Christian Hochstätter ist da", meinte Königs zwar, fügte aber hinzu: "Das Schöne am Fußball ist, dass man nach einer Saison immer Bilanz ziehen kann." Einige Gladbach-Fans hatten vor der Pressekonferenz am Nachmittag im Borussia-Park ein großes Transparent ausgerollt: "Herr Hochstätter, auch ihre Zeit ist abgelaufen."

Das erste Training wird Köppel am Dienstag um 10.30 Uhr leiten. Der langjährige Borussia-Profi hatte die Mannschaft in dieser Saison bereits einmal beim Heimspiel gegen Rekordmeister Bayern München betreut und einen überraschenden 2:0-Erfolg erzielt. "Nach 20 Minuten überlegen habe ich ja gesagt. Ich habe im letzten Jahr geholfen, und ich werde das auch jetzt machen. Ich hoffe, dass wir ähnlich erfolgreich sein werden und bin überzeugt, dass wir es schaffen", sagte der neue Trainer, über den Königs sagte: "Er hat alle Chancen und passt in unser Team. Er ist fast ein Multitalent." Vor allem bei den Fans steht der Köppel hoch im Kurs - im Gegensatz zu Advocaat. Für 3,5 Millionen Euro wurden in der Winterpause sieben neue Spieler geholt. Trotzdem gelang es dem Coach nicht, das Leistungspotenzial der Mannschaft abzurufen.

18 Punkte in 18 Spielen - Katastrophale Auswärtsbilanz

In 18 Spielen holte Advocaat nur 18 Punkte, zuletzt blieb die "Fohlen"-Elf fünfmal sieglos. Der Abstand zu den Abstiegsrängen betrug zwischenzeitlich acht Zähler und schrumpfte auf ein mickriges Pünktchen zusammen. Dabei beklagt die Borussia eine katastrophale Auswärtsbilanz und wirkte mental zuletzt stark angeknockt. Als einzige Bundesliga-Mannschaft ist Gladbach in dieser Spielzeit in fremden Stadien noch ohne Sieg. Der letzte Auswärtserfolg datiert vom 10. April 2004 (2:1 in Rostock). Am Sonntag (17.30 Uhr/live bei Premiere) steht die Aufgabe beim 1. FC Nürnberg auf dem Programm - ein richtungweisendes Duell.

Gegen Advocaat hatte es in der vergangenen Woche sogar eine Anschlagsdrohung gegeben. Gegen Mainz riefen die Fans immer wieder laufstark nach Köppel. "Ich bin frustriert. Ich will dem Verein nur helfen - das Präsidium ist so positiv und hat gesagt, dass ich der Richtige bin", erklärte Advocaat kurz nach dem Spiel. Auf Grund seiner Rücktrittsgedanken am Wochenende dürfte die Autorität des ehemaligen Bondscoaches weiter gelitten haben. Wohl auch ein Grund für die Demission im zweiten Anlauf am Montag.

Autor: us

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