Die Handballabteilung von Borussia Dortmund hat kräftezehrende Monate hinter sich. Ende Februar verkündete BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball das Ende des Profisports. Genau vier Wochen später folgte die Rettung und schließlich sogar der Klassenerhalt. Der Sportliche Leiter Jochen Busch tritt dennoch auf die Euphoriebremse und sieht schwierige Zeiten für den Damen-Handball. Vor allem die Spielerinnen müssen umdenken.

Handball: Das Auf und Ab der BVB-Damen mit einem Happy End

„Die Öffentlichkeit ist Sturm gelaufen“

Desirée Kraczyk
03. Juli 2009, 09:17 Uhr

Die Handballabteilung von Borussia Dortmund hat kräftezehrende Monate hinter sich. Ende Februar verkündete BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball das Ende des Profisports. Genau vier Wochen später folgte die Rettung und schließlich sogar der Klassenerhalt. Der Sportliche Leiter Jochen Busch tritt dennoch auf die Euphoriebremse und sieht schwierige Zeiten für den Damen-Handball. Vor allem die Spielerinnen müssen umdenken.

RevierSport sprach mit Busch über das „Happy End“, über die enorme Unterstützung der Öffentlichkeit, die Reaktion der Spielerinnen und die weitere Vorgehensweise.
Die letzten Wochen und Monate waren bei Ihnen sicherlich ein Wechselbad der Gefühle.

Ja, das ist ganz schön an die Nerven gegangen. Nun geht es aber doch weiter, im Endeffekt bleiben wir sogar in der ersten Liga. Es war schon eine schlimme Zeit. Allerdings können wir uns jetzt auch nicht darauf ausruhen, dass wir die Klasse gehalten haben. Es ist schon schwierig, von Null wieder rauf auf Tausend zu kommen.

Wie ist der derzeitige Gemütszustand?

[infobox-right]Rückblick

28. Februar: Dr. Reinhard Rauball verkündet das Ende des Profi-Sports für die BVB-Handballerinnen und Tischtennisspieler
26. März: Die Wende - "Wir werden fristgerecht die Lizenzierungsanträge für den Spielbetrieb stellen", lautet die freudige Botschaft von Dr. Rauball. Nach zahlreichen Gesprächen konnten lokale und regionale Sponsoren gewonnen werden.
26. April: Die BVB-Damen trennen sich im letzten Spiel der Saison 26:26 vom Thüringer HC. Der Abstieg in die 2. Bundesliga kann nicht mehr verhindert werden.
8. Juni: Nachdem bereits dem 1. FC Nürnberg die Lizenz entzogen wurde, folgen nun die Rhein-Main Bienen. Der BVB bleibt damit im Handball-Oberhaus.[/infobox]Ganz klar Erleichterung. Erleichterung, dass es jetzt überhaupt mit dem Handball bei uns weitergeht. Aber auch Erleichterung, dass wir die Möglichkeit haben, in der ersten Liga zu bleiben, weil wir viele junge Spielerinnen haben, die das brauchen und so können wir sie auch besser halten.
Haben Sie persönlich mit einem Happy End gerechnet?

Nein, habe ich nicht. Für mich - es war ja ein Samstag, als verkündet wurde, dass es bei der Borussia kein Profi-Handball mehr geben wird - war eigentlich klar, dass es nicht mehr weiter geht. Dann haben wir uns allerdings bereits am Sonntag mit unserem Trainer Gustl Wilke zusammen gesetzt und überlegt, dass wir es dennoch versuchen. Der Trainer war in diesem Moment eigentlich sogar die treibende Kraft. Und dann hat uns natürlich auch die Öffentlichkeit unterstützt, die wirklich Sturm gelaufen ist, als sie realisiert hat, dass es in Dortmund dann überhaupt keine andere Sportart mehr geben würde.

Sie haben also gemerkt, dass die Zuschauer hinter den Handballerinnen stehen?

Klar, auf jeden Fall. Ich muss allerdings auch sagen, dass der Vorstand von Borussia Dortmund, dem es sicherlich nicht leicht gefallen ist, uns im Februar zu verkünden, dass es nicht weiter geht, uns sehr unterstützt haben. Sie haben uns geholfen, das Ruder noch einmal herumzureißen. Vor allem der Präsident Dr. Reinhard Rauball hat sich sehr für uns eingesetzt.

Es sind somit alle enger zusammengerückt?

Genau, ganz klar.

Und wie ist die Reaktion der Spielerinnen ausgefallen? Für die war es ja auch keine leichte Zeit.

Darunter hat natürlich auch die Saison gelitten. Unser Punkterückstand war zu diesem Zeitpunkt nicht so groß um da nicht noch mal das Ruder herumzureißen. Als die Mannschaft dann über die Vorfälle informiert wurde, wurde in erster Linie viel gesprochen und weniger trainiert. Die Spielerinnen haben sich mehr Gedanken über ihre Zukunft gemacht und das hat dann auch dazu geführt, dass nicht mehr die Leistung abgerufen werden konnte. Im Team ist die Erleichterung natürlich jetzt ebenso groß, auch durch den Verbleib in der ersten Liga.

Was haben Sie noch aus den Vorfällen gelernt?

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/001/564-1585_preview.jpeg Dr. Reinhard Rauball setzte sich für die BVB-Damen ein (Foto: firo).[/imgbox]Wir wissen nun, dass wir einen großen Zuspruch haben. Vielleicht ist auch die Wertigkeit der Handballababteilung durch die ganze Geschichte etwas gestiegen, das merke ich an den Sponsorengesprächen. Wir sind enger zusammengerückt. Für die Abteilung an sich war es gar nicht so schlecht. Wir haben gesehen, dass wir in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden.

Wie geht es nun weiter?

Wir haben erst einmal drei Jahre Planungssicherheit. Es wird dennoch eine ganz schwierige Saison. Wir suchen nun noch ein, zwei Spielerinnen. Eigentlich hatten wir ja für die 2. Bundesliga geplant. Es ist allerdings leichter für die erste Liga Sponsoren zu finden, deswegen sind wir das auch eingegangen. Auch der Zuschauerzuspruch ist natürlich größer. Insgesamt haben wir nun also mehr Einnahmen. Fakt ist dennoch, dass es ganz schwer wird. Wir werden trotzdem versuchen, eine junge Mannschaft aufzubauen um dann vielleicht in ein paar Jahren nicht mehr zittern zu müssen, dass wir absteigen.

Glauben Sie an den Klassenerhalt?

Es hängt auch davon ab, was ich noch für Akteurinnen verpflichten kann.

Sie sagten, zwei fehlen noch?

Es kommt darauf an. Wenn ich jetzt noch eine ganz starke Spielerin bekomme, dann starten wir erst einmal in die Hinrunde und können dann vielleicht zu Weihnachten noch einmal gucken, ob wir nachlegen.

Waren die Vertragsverhandlungen schwieriger als in den vergangenen Jahren?

Ja, selbstverständlich. Man muss auch die gesamte Situation im Damenhandball sehen. Das Geld wird knapp, sonst hätten wir auch nicht zwei Insolvenzen in der ersten Liga und jetzt auch noch eine in der Zweiten. Trotzdem haben es einige Spielerinnen noch nicht kapiert. Die rufen immer noch Summen auf, die wir nicht bereit sind zu zahlen.

Müssen alle Vereine umdenken?

In naher Zukunft auf jeden Fall.

Was heißt das genau?

Es muss verstärkt auf den Nachwuchs gesetzt werden, auf deutsche Spielerinnen. Ich habe nichts gegen ausländische Spielerinnen, aber damit sind weitere finanzielle Belastungen verbunden, zum Beispiel die Transferkosten. Das Wichtigste ist das Fundament - die Jugendarbeit. Da sind wir eigentlich ganz gut dabei. Unsere Jugendmannschaften spielen alle in den höchsten Klassen. Und wir haben Talente in der A-Jugend. Nur, der Weg von der A-Jugend bis in die Bundesliga ist weit. Das stellen sich einige so leicht vor, aber dafür muss man auch was tun.

Sie sind zuversichtlich für die neue Saison?

Klar, wenn ich das nicht wäre, dann bräuchte ich das Ganze nicht unternehmen. Wir beginnen am 13. Juli mit der Vorbereitung und am 5. September ist das erste Spiel. Dann werden wir sehen, wo es hinführt.

Autor: Desirée Kraczyk

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