Es hatte nie so werden sollen wie in Hamburg, Hannover oder bald München, wo aus Volkspark- und Niedersachsen-Stadion AOL- und AWD-Arena wurden und das Olympiastadion durch die Allianz-Arena ersetzt wird.

Tradition und Moderne heißen auf Schalke „Samsung-Arena"

hb
08. April 2005, 12:31 Uhr

Es hatte nie so werden sollen wie in Hamburg, Hannover oder bald München, wo aus Volkspark- und Niedersachsen-Stadion AOL- und AWD-Arena wurden und das Olympiastadion durch die Allianz-Arena ersetzt wird.

Es hatte nie so werden sollen wie in Hamburg, Hannover oder bald München, wo aus Volkspark- und Niedersachsen-Stadion AOL- und AWD-Arena wurden und das Olympiastadion durch die Allianz-Arena ersetzt wird. „Das kann ich mir hier nicht vorstellen", hatte Rudi Assauer seit der Eröffnung der „Arena AufSchalke" im August 2001 mehrfach betont.

Der S04-Manager hatte dabei nicht „nie" gesagt oder „für kein Geld der Welt". Das war klug, denn 12 Monate nach dem 100-jährigen Jubiläum werden Assauer und seine Vorstandskollegen für eine Hand voll Euros ein Stück Identität und Authentizität des immer wieder mit seiner Bodenständigkeit und Volksnähe kokettierenden Kult-Vereins verscherbeln. Wo die hoch gestylten VIP- und Business-Clubs „Glückauf" und „Tibulsky" heißen, da verschmelzen Tradition und Moderne. Wie richtig und voraus schauend es von Assauer und seinen Mitstreitern war, sich vom nicht mehr Zeit gemäßen Parkstadion zu verabschieden und den finanziellen Kraftakt eines 190 Millionen-Euro-Kredits für den neuen Tempel zu schultern, zeigen die aktuellen Umsatz- und Zuschauerzahlen. Da mag der nächste Schritt, die Namensrechte an der Arena zu verkaufen, fast schon logisch sein. Klopft ein potenter Interessent an, wird das Angebot geprüft. Das ist freie Marktwirtschaft, man wägt wirtschaftliche Vorteile gegen eventuelle Imageverluste ab und entscheidet sich letztlich für eine Seite der Medaille.

So wird es auch auf Schalke sein, auch wenn Finanzchef Josef Schnusenberg betont, man „habe keinen Druck auf dem Kessel". Sieben, acht Millionen Euro mehr Einnahmen pro Jahr, die der südkoreanische Elektronik-Konzern Samsung offenbar für den Erwerb der Namensrechte an der Arena zu zahlen bereit ist, bauen den über 100 Millionen Euro hohen Schuldenberg eben schneller ab. Dass die Fans eine überschaubare Zeit lang vor den Toren der „Samsung-Arena" demonstrieren werden, was soll’s? Auch diese Leute werden alsbald ihren Frieden finden mit der schönen, neuen Welt auf Schalke. Im Sinne des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolges des Fußball-Vereins und Konzerns Schalke 04 muss halt jeder Kompromisse eingehen. Es muss ja nicht so ausgehen wie in Aldous Huxley’s „Brave New World"!

Autor: hb

Kommentieren