Es war schon oft so, dass Mike Hanke in der Vergangenheit auf dem Platz eine richtig gute Leistung abgeliefert und sich gleich danach zu einer verbalen Attacke genötigt gefühlt hatte.

SCHALKE - Mike Hanke und der Traum von 2006

05. April 2005, 11:31 Uhr

Es war schon oft so, dass Mike Hanke in der Vergangenheit auf dem Platz eine richtig gute Leistung abgeliefert und sich gleich danach zu einer verbalen Attacke genötigt gefühlt hatte.

Es war schon oft so, dass Mike Hanke in der Vergangenheit auf dem Platz eine richtig gute Leistung abgeliefert und sich gleich danach zu einer verbalen Attacke genötigt gefühlt hatte. Bis vor wenigen Monaten waren die öffentlichen Forderungen des 21-Jährigen Ausdruck eines enttäuschten Nachwuchs-Kickers, der mit seinen Ansprüchen etwas übers Ziel hinaus schoss und sich dann flugs wieder brav ins Gefüge eingliederte.

Nun ist das anders. Nicht erst seit gestern, seinem ersten Doppelschlag in der Bundesliga, nachdem er beim 2:1-Sieg in Hamburg in dieser Saison seine Tor-Premiere in der deutschen Eliteklasse feiern durfte. Schon nach dem 1:0 über Hannover vor fünf Wochen hätte es der Youngster verdient gehabt, den Vorzug vor einem der etablierten Cracks Ailton, Ebbe Sand oder Gerald Asamoah zu erhalten. „Ich will schon seit Wochen spielen und denke, dass ich dafür gut genug bin“, meint Hanke. „Im letzten halben Jahr habe ich mich enorm weiter entwickelt. Auf der Bank kann ich das nicht tun, sondern nur auf dem Platz. Ich hoffe, dass ich in Stuttgart nun ran darf und zeigen, was ich drauf habe. Darauf warte ich seit Wochen, immer wieder.“

Nun befindet sich Trainer Ralf Rangnick in der Zwickmühle. Sand wird nächsten Samstag wieder auflaufen können, wenn auch mit einer Schutzmaske. Während der Däne zuletzt oft enttäuschte, zückte Hanke ein gutes Bewerbungsangebot nach dem anderen. „Mit so einer Leistung liefert er natürlich immer mehr Argumente für einen Einsatz von Anfang an“, nickte Rangnick. „Es gibt kein Limit, ab wann ich Stammspieler sein muss. Aber irgendwann muss die Phase kommen, in der ich von Anfang an auflaufe und mir dann auch mal ein schlechteres Spiel erlauben kann, ohne dass ich dann gleich wieder draußen bin“, warf Hanke ein. Und: „Ich bin ein Typ, der nie aufgibt. Aber falls ich nächsten Samstag wieder nicht von Anfang an dabei wäre, würde mich das ziemlich enttäuschen.“

Dabei hatten die Trainer und Akteur am Spieltag noch äußerst kontrovers die jeweilige Lage diskutiert. „Ich habe morgens im Hotel lange mit ihm über seine Situation gesprochen. Ich überlege schon seit dem Hannover-Spiel, ihn gleich zu bringen“, bestätigte Rangnick. „Er hat gezeigt, dass ich ihn bedenkenlos auch von Anfang an rein werfen kann. Mike hat eindrucksvoll bewiesen, warum er einen Stammplatz fordert.“

Hanke, ohnehin ein selbstbewusster Typ, suchte die offene Konfrontation. „Der Trainer hat mir klar gesagt, dass er in der nächsten Saison fest mit mir plant. Aber ich habe ihm auch gesagt, dass ich die nächste Saison nicht wieder auf die Bank gehe“, nahm der U21-Nationalspieler einmal mehr kein Blatt vor den Mund. „Er hat geantwortet: Das müssen wir mal abwarten“, berichtete Hanke und schob frech nach: „Irgendwann wird auch er es begreifen!“

Rangnick nahm’s gelassen und konzentrierte sich aufs Sportliche. „Seit Weihnachten hat Mike noch einen echten Schub bekommen. Ich kenne ihn erst seit einem halben Jahr, aber alle, die ihn schon vorher beobachteten, bestätigten das“, berichtete der Coach. „Er war schon ein gefährlicher Stürmer, kopfballstark und gut vor dem Tor, doch sein Kombinationsspiel war ausbaufähig. Doch nach der Winterpause hat er sich da sehr verbessert, das konnte man gestern sehen.“

Und Hanke genießt die komfortable Situation, den Stars Druck zu machen und sich selbst ach allen Seiten offen zu zeigen. „Schalke braucht keinen Kuranyi für zehn Millionen holen, wenn Schalke einen Mike Hanke hat“, tönte der Knipser bereits unter der Woche. Und grinsend auf die Frage nach Angeboten: „Keine Ahnung!“

Hanke wird seinen Weg machen. Wahrscheinlich auf Schalke, dem Verein, dem er schon als Kind und Jugendlicher in der Nordkurve zujubelte. Ob neben einem Stammplatz bei den Königsblauen noch mehr raus springt, zeigen die nächsten zwölf Monate. „2006 bleibt mein Traum“, strahlte Hanke.

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