Im Wett- und Manipulationsskandal um den geständigen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wird sich das DFB-Sportgericht heute unter anderem den vor zwei Wochen getätigten Aussagen von Schiedsrichter Jürgen Jansen widmen.

Sportgericht nimmt Jansens Aussagen unter die Lupe

03. März 2005, 08:51 Uhr

Im Wett- und Manipulationsskandal um den geständigen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer wird sich das DFB-Sportgericht heute unter anderem den vor zwei Wochen getätigten Aussagen von Schiedsrichter Jürgen Jansen widmen.

Das DFB-Sportgericht unter Vorsitz von Richter Rainer Koch wird sich im Wett- und Manipulationsskandal um den geständigen Ex-Schiedsrichter Robert Hoyzer heute in der DFB-Zentrale in Frankfurt/Main vor allem mit den vor rund zwei Wochen getätigten Aussagen des Bundesliga-Referees Jürgen Jansen (Essen) beschäftigen.

Bislang hatte Jansen, der vom DFB nach den Anschuldigungen vorläufig aus dem Verkehr gezogen wurde, wie auch der zweite belastete Schiedsrichter Dominik Marks (Stendal) jegliche Beteiligung am größten Skandal im deutschen Fußball seit 34 Jahren dementiert. Beide Schiedsrichter sind vom DFB für die Verhandlungen am Donnerstag vorgeladen worden. Das bestätigte Harald Stenger dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Alle Schiedsrichter sind geladen worden. Man kann aber nach Angabe von wichtigen Gründen auch nicht erscheinen."

Jansen beteuerte vehement seine Unschuld

Jansen soll von Hoyzer beschuldigt worden sein, die Bundesligapartie 1. FC Kaiserslautern - SC Freiburg (3:0) vom 27. November 2004 beeinflusst zu haben. Daraufhin hatte die Berliner Staasanwaltschaft Jansens Wohnung in Essen Anfang Februar durchsucht. Anschließend versuchte Jansen auf einer Pressekonferenz am 4. Februar in Passau die Manipulations-Vorwürfe gegen seine Person zu entschärfen: "Ich habe nie im Leben ein Spiel verpfiffen."

Außerdem habe er nie von Dritten "Vorteile gefordert, mir versprechen lassen oder angenommen. Ich habe ein reines Gewissen", hatte Jansen in Passau erklärt und brach eine Lanze für seine Erstliga-Kollegen: "Die Bundesliga ist sauber." Dennoch hatte der abstiegsgefährdete Erstligist Freiburg Protest gegen die 0:3-Pleite eingelegt und hofft im Kampf um den Ligaerhalt nun auf ein mögliches Wiederholungsspiel. Der Referee hatte vor zwei FCK-Toren jeweils Foulspiele von Carsten Jancker nicht gepfiffen.

Auch Referee Dominik Marks im Blickpunkt

Zudem verhandelt das DFB-Sportgericht, das nach Ansicht von Richter Koch weiter keine Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Hoyzer-Aussagen hat, den Protest der Amateure von Arminia Bielelfeld gegen die Wertung der Regionalliga-Partie bei den Amateuren von Hertha BSC Berlin vom 11. August 2004 (1:2). Der vom DFB bereits am 15. Februar wegen "dringenden Tatverdachts" mit einer Vorsperre belegte Referee Dominik Marks soll nach Angaben des Hauptbeschuldigten Hoyzer die Partie zwischen den Amateurteams für 6000 Euro verschoben haben.

Noch nicht verhandelt wird der zweite Manipulations-Vorwurf gegen Marks, der bislang die Aussage vor dem DFB-Kontrollausschuss verweigert hatte. Marks soll nach Hoyzer-Angaben 30.000 Euro für das Verschieben der Zweitligapartie zwischen dem Karlsruher SC und dem MSV Duisburg (0:3) von der kroatischen Wett-Mafia erhalten haben. Zudem soll er auf der Halbzeit-Tagung der Schiedsrichter Mitte Januar gemeinsam mit Hoyzer versucht haben, den Kollegen Torsten Koop (Lüttenmark) anzuwerben. Koop, der die Debatte gegenüber dem DFB eingeräumt hatte, lehnte aber nach eigenen Angaben ab.

Rostocker Protest wird unabhängig verhandelt

Völlig unabhängig vom Wett-Skandal verhandelt das Sportgericht am Donnerstag noch den Protest von Erstliga-Schlusslicht Hansa Rostock gegen die Wertung des 2:2 gegen Schalke 04 am 5. Februar. Der 2:2-Ausgleich der Knappen durch den Brasilianer Ailton (90.) soll nach Ablauf der Nachspielzeit gefallen und deshalb ungültig gewesen sein.

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