Im Interview: Ex-Bundesliga-Referee Jürgen Jansen, der nun in der Essener Kreisliga pfeift

"Ich hätte mir einen schöneren Abschied gewünscht"

Aaron Knopp
11. Dezember 2006, 22:33 Uhr

Wenn ein Schiedsrichter im Fokus des Interesses steht, ist das normalerweise kein gutes Zeichen. In der Essener Kreisliga ist dieses Phänomen jedoch alltäglich. Was jedoch weniger mit der Leistung der Referees, als vielmehr mit dem Prominentenstatus eines Unparteiischen zusammenhängt. Die Rede ist von Jürgen Jansen. Spätestens seit dem „Fall Hoyzer“ ist seine Name in ganz Fußballdeutschland zu unrühmlicher Berühmtheit gelangt. Nach der Rehabilitation seitens des DFB war das Bundesliga-Comeback geplante Sache. Doch Jansen verzichtete schließlich aus Fitness-Gründen auf den Neuanfang in der Bundesliga. Statt Bayern gegen Bremen pfeift er nun SV Preußen Eiberg gegen VfL Sportfreunde 07 in der Kreisliga A Essen Süd-Ost. Revierkick.de sprach mit dem Ex-Bundesliga-Schiedsrichter über Gewalt gegenüber Unparteiischen, den Schiedsrichter-Nachwuchs und Rudi Assauer.

revierkick.de: In den Amateurligen spielen sich mit fast wöchentlicher Regelmäßigkeit die gleichen, unschönen Szenen ab. Schiedsrichter werden massiv bedrängt und bedroht, von Beleidigungen ganz zu schweigen. Sie pfeifen jetzt auch wieder in den Kreisklasse. Haben Sie selbst schon derartige Erfahrungen gemacht?
[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_191.jpg Jürgen Jansen sagte einst den Profis (hier Marko Rehmer), wo es langging. Foto: firo[/imgbox]
Jansen: „Ich haben da eigentlich relativ wenig Probleme. Aber ich bekomme das natürlich auch mit. Ich denke, dass die Akzeptanz von Schiedsrichtern allgemein relativ gering ist. Das hat vor allem mit der Einstellung der Spieler zu tun. Für mich ist das aber nichts Neues. Man muss einfach sehen, dass sich beim Fußball viel mehr das Problem der Integration stellt. Beim Tennis oder beim Handball gibt es solche Ausschreitungen ja gar nicht, da nehmen tendenziell auch eher nur bestimmte gesellschaftliche Schichten Teil. Dazu kommt, dass die Integration von ausländischen Mitbürgern besonders problematisch ist. Wenn sich rein türkische Mannschaften bilden und die dann zum Beispiel gegen griechische Mannschaften spielen, birgt das natürlich Konfliktpotenzial. Ich weiß aber nicht, ob das ein reines Problem des Fußballs ist oder nicht vielmehr ein gesellschaftlicher Missstand, der dort zu Tage tritt. Die Hemmschwelle ist allgemein niedriger geworden. Wenn man alleine mal durch die Stadt geht, dann sieht man da viele Jugendliche mit Bierflaschen rumhängen. Die haben keine Inhalte, keine Perspektiven mehr. Beim Fußball nutzen dann manche auch die Öffentlichkeit, um sich zu produzieren.“

revierkick.de: Glauben Sie, dass hier höhere Strafen helfen würden?

Jansen: „Ich glaube nicht, dass das eine abschreckende Wirkung hätte. Wie gesagt, ich denke nicht, dass das ein reines Fußballproblem ist. Wenn aber jemand tätlich gegenüber einem Schiedsrichter wird, sollte er schon lebenslang gesperrt werden.“

revierkick.de: Was können Sie angesichts solcher Vorkommnisse dem Schiedsrichter-Nachwuchs noch mit auf den Weg geben, um sich für die Schiedsrichterei zu begeistern, sich das Ganze für 15 Euro noch anzutun?

Jansen: „Grundsätzlich ist es eine sehr positive Gemeinschaft, eine wirklich schöne Sache. Vor allem der soziale Aspekt steht dabei für mich im Vordergrund. Viele junge Menschen haben hier die Gelegenheit, Freunde zu finden. Auch vom Niveau her ist es sehr angenehm. Viele haben hier Abitur oder studieren. Ich denke schon, dass es eine lohnenswerte Geschichte ist. Außerdem lernt man dann auch mal das Regelwerk vernünftig kennen. Was solche Vorkommnisse angeht, schulen und unterstützen wir gerade die jungen Schiedsrichter da natürlich, wo wir können.“

revierkick.de: Wie sind Sie denn selbst dazu gekommen, Schiedsrichter zu werden. Hat es sie nicht mehr gereizt, eine aktive Laufbahn anzustreben?

Jansen: „Ich bin mit fünfzehn Jahren von meinem Verein angesprochen worden, ob ich es nicht versuchen wollte, da wir immer ein bestimmtes Kontingent abstellen müssen. Dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass es gut klappt. Meistens kann man es ja nur mit einer Sache so weit in die Spitze schaffen. Als Spieler hätte es bei mir wohl nur für die Kreisliga A oder Bezirksliga gereicht. Da wäre ich nie so weit gekommen, wie ich es als Schiedsrichter bin.“

Auf Seite 2: Jansen über die Hoyzer-Affäre, die Presselandschaft und die Unterschiede zwischen Bundesliga und Kreisliga.

Autor: Aaron Knopp

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