Die finanzielle Situation bei Borussia Dortmund spitzt sich zu. Der Bundesligist steht nach eigenen Angaben am Rande des wirtschaftlichen Kollaps. Im Geschäftsjahr 2004 machte der BVB 27,2 Millionen Euro Schulden.

Borussia Dortmund droht wirtschaftlicher Kollaps

17. Februar 2005, 13:15 Uhr

Die finanzielle Situation bei Borussia Dortmund spitzt sich zu. Der Bundesligist steht nach eigenen Angaben am Rande des wirtschaftlichen Kollaps. Im Geschäftsjahr 2004 machte der BVB 27,2 Millionen Euro Schulden.

Aufgrund von neuerlichen Verlusten in Höhe von 27,2 Millionen Euro im laufenden Geschäftsjahr (Stichtag 31.12.2004) steht Borussia Dortmund vor dem wirtschaftlichen Kollaps. Wie der börsennotierte Bundesligist in einer Pflichtmitteilung am Donnerstag schilderte, sei nunmehr "eine existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation eingetreten". Der Aktienkurs fiel am Donnerstag zwischenzeitlich um 25 Prozent bis auf unter zwei Euro.

Verluste in schwindelerregender Höhe

Falls Sanierungsmaßnahmen ausbleiben, sei für das gesamte Geschäftsjahr mit einem Fehlbetrag von insgesamt 68,8 Millionen Euro zu rechnen. Unter Berücksichtigung der Verluste aus den Vorjahren seien rund 79 Prozent des eingezahlten Kapitals der Aktionäre in Höhe von 179,5 Millionen Euro "durch Verluste aufgezehrt". Gleichzeitig gebe es derzeit keine finanziellen Mittel, um die Verpflichtungen von 29,7 Millionen Euro im laufenden Halbjahr zu erfüllen, da die Investoren für die Abwicklung des Stadionrückkaufs noch nicht gewonnen werden konnten.

Zu allem Überfluss würde Großaktionär Florian Homm offenbar angesichts der Finanzkrise auch vor unpopulären Maßnahmen nicht zurückschrecken. Die an den Gerling-Konzern verpfändeten Rechte am Namen und am Vereinslogo des BVB stören ihn nicht, zur Not will er den schwarz-gelben Traditionsklub einfach umbenennen. "Dann heißt der Verein künftig eben FC Dortmund", sagte Homm dem Wirtschaftsmagazin Capital.

Noch am Donnerstag hatte Hans-Joachim Watzke, seit drei Tagen als Nachfolger des zurückgetretenen Gerd Niebaum Geschäftsführer der Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), im kicker-Interview auf die Frage, ob er ein Himmelfahrtskommando antrete, erklärt: "Das muss ich zurückweisen. Wir stecken in einer schwierigen Lage, das ist bekannt. Aber unsere Probleme sind lösbar." Doch die finanzielle Notlage scheint sich erneut zugespitzt zu haben.

Wie das Handelsblatt erfahren haben will, hat der Londoner Finanzier Stephen Schechter seine Kontakte zu Borussia Dortmund endgültig abgebrochen und nannte einen Vertrauensbruch der Dortmunder Geschäftsführung als Grund für das Ende der Verhandlungen.

Dialog mit Gläubigern

Die Dortmunder befinden sich aufgrund der äußerst knappen Finanzmittel in ständigem, nach Einschätzung des Managements konstruktivem Dialog mit den Gläubigern, um den gegenwärtigen Engpass dauerhaft zu überwinden. In diesem Zusammenhang hat der BVB von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft RolfsPartner ein Sanierungskonzept erstellen lassen. Voraussetzung für die Umsetzung sei aber die Zustimmung aller Finanzgläubiger.

BVB-Großaktionär Florian Homm zeigte sich vom Ausmaß der Krise überrascht. Er habe nicht ausgeschlossen, weiteres Geld in den klammen Verein zu stecken, verriet er dem manager-magazin. Allerdings werde er zusätzliche Finanzspritzen an "härteste Bedingungen" knüpfen.

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