Dortmunds Schatzmeister Watzke folgt auf Niebaum

ds
15. Februar 2005, 15:31 Uhr

Schatzmeister Hans-Joachim Watzke tritt die Nachfolge des zurückgetretenen Gerd Niebaum als Geschäftsführer der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA an. Das ergab eine Sitzung des Präsidialausschusses.

Die Position des Geschäftsführers der Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA übernimmt Hans-Joachim Watzke vom in der letzten Woche zurückgetretenen Gerd Niebaum. Das ergab die Sitzung des Präsidialausschusses des mit 98 Millionen Euro verschuldeten börsennotierten Bundesligisten am Montagabend. Der 45-Jährige, der seit drei Jahren Schatzmeister des Vereins ist, wird die KGaA nunmehr an der Seite von Manager Michael Meier führen. Die BVB-Aktie reagierte am Dienstagvormittag bereits mit einem leichten Plus.

Zunächst ohne Honorar tätig

Die Entscheidung sechs Tage nach dem Rücktritt von Niebaum zeichnete sich schon vor der Sitzung am Montagabend ab. Der 45 Jahre alte erfolgreiche Unternehmer Watzke gehörte unter anderem zu den Wunschkandidaten von Präsident Reinhard Rauball, der sich durch die Installation von Watzke in die Geschäftsführung der KGaA neue Impulse für Geldgeber und Investoren verspricht.

"Wenn ich nicht der Überzeugung wäre, das Schiff wieder auf Kurs bringen zu können, hätte ich den Posten nicht übernommen", sagte Watzke anlässlich einer Pressekonferenz am Dienstag. Bis zum 30. Juni wird er "der wirtschaftlichen Situation des Vereins entsprechend" (Rauball) ohne Honorar tätig sein.

Externe Lösung abgelehnt

Eine von den Aktionären zunächst favorisierte externe Lösung fand nicht die Zustimmung der Vereinsbosse. Dazu Watzke: "Wir möchten, dass der Einfluss von Borussia Dortmund auf die KGaA gewahrt bleibt. Dies wäre ein Signal für die Unabhängigkeit des BVB."

Das wäre auch im Sinne der Fans, die am vergangenen Samstag vor dem Ruhrderby gegen den VfL Bochum (1:0) die Ablösung von Meier gefordert hatten, nachdem Verträge über die Verpfändung des Vereinsnamens bekannt geworden waren. Ohnehin hatte Watzke schon vor zwei Jahren mit Blick auf den wachsenden Schuldenberg die mangelnde Dialogfähigkeit und Risikopolitik von Niebaum und Meier kritisiert. Dennoch ist Watzke bereit, zusammen mit Meier einen Weg aus der Krise zu finden.

Zustimmung von Großaktionär Homm

"Es wäre Schwachsinn, sich von Meier zu trennen", stellt Watzke klar, dessen Person auch die Zustimmung von Großaktionär Florian Homm findet. "Herr Watzke macht auf mich einen sympathischen und intelligenten Eindruck. Die Chemie zwischen dem Verein, dem Management, den Aktionären, Banken und Medien muss stimmen. Diese Kriterien muss er erfüllen", sagte der Wahl-Mallorquiner.

Watzke ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und Fußball-Fan (Präsident des Verbandsligisten Rot-Weiß Erlinghausen) gleichermaßen. 1990 gründete er im sauerländischen Marsberg eine Firma (Watex), die sich mit der Herstellung von Schutzkleidung befasst. Inzwischen beschäftigt das Unternehmen 250 Personen und schreibt bei einem Umsatz von 20 Millionen Euro schwarze Zahlen.

"Für den Fall, dass ich auf Niebaum folge, werde ich die Geschäfte der Watex in andere Hände geben. Ich würde mich ausschließlich um den BVB kümmern - nicht nur acht Stunden am Tag. Reinhard Rauball und ich sind keine Stechuhr-Typen", sagte Watzke bereits im Vorfeld der Sitzung am Montag.

Autor: ds

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