Der MSV bietet nach der Saison genügend Gesprächsbedarf

MSV: Die Auf- und Absteiger der Saison

Starke und Tararache

10. Juni 2009, 10:47 Uhr

Der MSV bietet nach der Saison genügend Gesprächsbedarf

Aufsteiger
Trotz des verpassten Saisonziels gibt es in dieser Kategorie gleich mehrere Kandidaten. Allen voran natürlich Cedrick Makiadi. Der Goalgetter, der sich die Torjägerkanone allerdings mit Benjamin Auer und Marek Mintal teilen muss, hat voll eingeschlagen. Mit dem 25-Jährigen stellten die Zebras erstmals seit 18 Jahren wieder einen Torschützenkönig – zuletzt hatte das Michael Tönnies in der Zweitligasaison 1990/1991 geschafft (29 Tore). Mit 16 Toren und acht Vorlagen ist Makiadi der effektivste Duisburger gewesen. Eine Quote, mit der zu Serienbeginn niemand gerechnet hat. Dass der junge Familienvater seine Zelte nach nur einem Jahr an der Wedau wieder abbricht und im Breisgau sein Glück versuchen wird, ist verständlich. Denn sollte er seine Leistungen bestätigen, ist Makiadis Zuhause natürlich das Oberhaus.

Aber nicht nur der Freiburger hat sich in den Vordergrund gespielt. Zu den Gewinnern gehören sicherlich auch die beiden Keeper. Tom Starke, der von den Fans zum „Spieler der Saison“ gewählt wurde, und Marcel Herzog. Beide haben sich keine Blöße gegeben und waren der sichere Rückhalt der ohnehin stabilen Abwehr. Starke hat mit 82 Prozent abgewehrter Bälle sogar den besten Wert aller Torhüter und steht nicht umsonst auf den Einkaufslisten der Erstligisten. Aber auch Herzog hat sich keinen Patzer erlaubt. So ist der MSV das einzige Team der Klasse, das ohne Torwartfehler die Saison beendet hat.
Desweiteren muss man natürlich auch Peter Neururer nennen. Nach zweijähriger Abstinenz von der Fußballbühne hat sich der Coach eindrucksvoll beim MSV zurückgemeldet.

Absteiger
Ganz klar: Mihai Tararache. Mit seinen lustlosen Auftritten hat er sich selbst ins Abseits katapultiert. Sein Spielverständnis wäre nach wie vor eine Bereicherung für den MSV, aber die Umsetzung glich phasenweise einer Arbeitsverweigerung. Und nun muss er damit klarkommen, beim MSV trotz des noch laufenden Vertrags nicht mehr zu den Akteuren zu gehören, mit denen geplant wird. Findet sich ein Verein, der den Mittelfeldspieler haben will, wird der Klub Tararache von der Gehaltsliste streichen. Wenn nicht, wird er wohl über eine Reservistenrolle nicht mehr hinauskommen - es sei denn, er ändert seine Einstellung und kehrt zu alter Stärke zurück. Doch das muss bezweifelt werden.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/008/474-8792_preview.jpeg Mihai Tararache gehört zu den Verlierern der Saison.[/imgbox]
Als Verlierer muss sich auch Marcel Heller fühlen. Aus Frankfurt gekommen, hatte der Youngster den Anspruch, Stammspieler zu werden. Doch seine lange Verletzungs-Odyssee machte einem guten Start von Beginn an einen Strich durch die Rechnung. Als er dann endlich fit war, rasselte der Stürmer mit Neururer zusammen und wurde suspendiert. Zwar hat er dann seine Chance in der Vorbereitung genutzt und sich wieder in den Kader gespielt, aber Heller konnte bei keinem seiner Auftritte richtig überzeugen. Die Konsequenz: Kein Stammspieler und der Rauswurf aus dem EM-Kader der U21-Nationalmannschaft.

Aber man muss auch die Verantwortlichen nennen. Walter Hellmich und Bruno Hübner haben viel zu lange an Rudi Bommer festgehalten. Der Abstieg hätte als Neuanfang genutzt werden müssen. Doch der Weg mit Bommer, der mittlerweile seinen Vertrag beim MSV aufgelöst hat, war der falsche.

Problem
Die Saison ist vorbei, aber der MSV hat immer noch keinen Ersatz für Cedrick Makiadi gefunden. Denn mit seinem Abgang nach Freiburg verliert Duisburg den Dreh- und Angelpunkt in der Offensive. Die Personalplanungen gleichen ohnehin einer völligen Katastrophe. Denn nach wie vor sind auch die Verbleibe von Markus Brzenska und Änis Ben-Hatira völlig offen.

Bei den beiden Transfers sind Hübner natürlich die Hände gebunden, weil die Entscheidungen bei Borussia Dortmund und dem Hamburger SV liegen, aber die Hängepartien sind unerträglich.

In drei Wochen nimmt Neururer die Vorbereitung auf und kann jetzt noch nicht absehen, mit welchem Kader er die Mission „Aufstieg“ angehen soll. Das ist nicht nur bitter für den Fußballlehrer, sondern auch für die Fans. Denn das Publikum stand in der Rückrunde wieder wie eine Eins hinter der Mannschaft. Und die Anhänger haben keine Lust mehr, sich mit mittelmäßigen Zweitliga-Fußball abzufinden. Doch so lange keine neuen Sponsoren gefunden werden, muss man sich an der Wedau mit diesem Gedanken wohl anfreunden.

Während die Abwehr mit der Verpflichtung von Frank Fahrenhorst und trotz der Wackelposition Brzenskas (kein Zweitligaspieler störte den Gegner so oft schon bei der Ballannahme wie er - 208 Mal und er gewann dabei auch noch überragende 71 Prozent der Duelle. Insgesamt eroberte Brzenska über 300 Mal bei gegnerischem Ballbesitz die Kugel – mit Abstand Ligabestwert) steht, hapert es vor allem in der Offensive. Zwar steht mit Hannovers Chavdar Yankov ein Neuzugang so gut wie fest, aber die Offensivbesetzung ist noch mangelhaft.

Mangelhaft waren auch die Standards. Bei ruhenden Bällen blieb der MSV weiter unter den Erwartungen. Gerade wenn man das in Relation zu absoluten Standardspezialisten wie „Ivo“ Grlic und den vielen Kopfballhünen wie Brzenska setzt, ist es bitter. Denn die 15 Tore nach Standards sind gerade mal Liga-Durchschnitt. Immerhin fielen sieben Treffer nach Ecken. Aber sechs Freistoßtore sind enttäuschend (darunter nur zwei direkt verwandelt). Das kennt man beim MSV eigentlich anders. Letzte Saison beispielsweise traf Duisburg trotz Abstieg aus der Bundesliga doppelt so oft durch direkte Freistöße (sechs) wie jedes andere Team.

Zukunft
Weil der Kader noch nicht feststeht, ist eine Prognose schwierig. Aber alles andere als den Aufstieg werden die Duisburger nicht verkaufen können. Auch Neururer hat nur dieses Ziel vor Augen.

Ob ihm dafür aber auch das nötige Spielermaterial zur Verfügung gestellt werden kann, bleibt abzuwarten. Hellmich ist optimistisch, einen neuen Hauptsponsor zu finden, aber er muss sich beeilen. Denn je länger es dauert, desto eher sind die guten Spieler natürlich auch vom Markt.

Also: Ran an die Arbeit. Erst die Basis schaffen, dann der Aufstieg! Und an der Wedau darf wieder gefeiert werden.

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