Der frühere Chefankläger des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hans Kindermann, hat sich im Wett-Skandal zu Wort gemeldet.

Kindermann vermutet: "Schaden so hoch wie 1971"

31. Januar 2005, 12:39 Uhr

Der frühere Chefankläger des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hans Kindermann, hat sich im Wett-Skandal zu Wort gemeldet. "Der Schaden ist mindestens genauso hoch wie 1971. Finanziell und ideell", so Kindermann.

Im Zuge der Wett-Affäre um manipulierte Spiele im deutschen Fußball hat der frühere Chefankläger des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Hans Kindermann, Parallelen zum Bundesliga-Skandal vor 34 Jahren gezogen. "Der Schaden ist mindestens genauso hoch wie 1971. Finanziell und ideell", sagte der 83-Jährige im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten und fügte hinzu: "Im Wettskandal muss der DFB außerhalb seines Verbandsbereichs nach der Wahrheit suchen. Damit ist er überfordert."

"Nichts unter den Teppich kehren"

Der gelernte Jurist, der zwischen 1970 und 1992 Vorsitzender des DFB-Kontrollausschusses war, wurde als Ermittler im Bundesliga-Skandal der Saison 1970/71 bekannt. Nach einem zweijährigen "Mammutprozess" erhielten 53 Profis, die Trainer Egon Piechaczek (Bielefeld) und Günther Brocker (Oberhausen) Sperren und Geldstrafen, Offenbach und Bielefeld bekamen zudem die Lizenz entzogen.

Kindermann, der beim DFB als "Papa Gnadenlos" bekannt wurde, fordert vom Verband, "nichts unter den Teppich zu kehren": "Wir sind damals mit großer Härte an die Arbeit gegangen, und es gab Gegenden, da konnte ich mich Tag und Nacht nicht mehr sehen lassen. Da wäre ich auf offener Straße gelyncht worden. Aber nur so gewinnen der DFB und der gesamte Fußball ihre Glaubwürdigkeit zurück", sagte Kindermann, der davon ausgeht, dass noch weitere Enthüllungen ans Tageslicht kommen werden: "Meine Erfahrung sagt mir: Davon muss man ausgehen."

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