Trotz intensiver Bemühungen haben sich Bundesligist VfB Stuttgart und Nationaltorwart Timo Hildebrand nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft zum Saisonende aus.

Timo Hildebrand verlängert nicht beim VfB

18. Januar 2005, 19:11 Uhr

Trotz intensiver Bemühungen haben sich Bundesligist VfB Stuttgart und Nationaltorwart Timo Hildebrand nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können. Der Vertrag des 25-Jährigen läuft zum Saisonende aus.

Der VfB Stuttgart muss sich für die kommende Saison einen neuen Stammtorwart suchen. Der Verein teilte am Dienstag mit, dass Nationaltorhüter Timo Hildebrand seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag bei den Schwaben nicht verlängern wird. "Wir bedauern diese Entscheidung, respektieren aber auch, dass Timo unser Angebot abgelehnt hat", erklärte VfB-Präsident Erwin Staudt.

1,8 Millionen Euro pro Jahr bis 2010

Dem 25-Jährigen lag ein Vertragsangebot zu deutlich verbesserten Konditionen vor. Statt rund 500.000 Euro sollte er künftig ca. 1,8 Millionen Euro pro Jahr bis 2010 verdienen und damit zu einem der Top-Verdiener im Klub aufsteigen. Die Absage Hildebrands kam vier Tage vor dem Rückrundenstart beim FSV Mainz 05 umso überraschender, zumal sich die Anzeichen verdichtet hatten, dass der Keeper beim VfB bleiben würde. Noch vor einer Woche hatte Staudt in der Bild-Zeitung eine Vertragsverlängerung angekündigt: "Im Grunde sind wir uns einig."

Davon war am Dienstag nicht mehr die Rede, über die letzten Details konnte zwischen dem VfB und Hildebrand-Berater Dusan Bukovac anscheinend keine Einigung mehr erzielt werden. "Am Ende ging es um Nebensächlichkeiten, die dann plötzlich aufgebauscht wurden. Dafür fehlt mir das Verständnis", sagte Staudt dem Tagesspiegel. Der Schlussmann selber war zu keiner Stellungnahme bereit.

Staudt kritisiert Verhandlungsführung

"Wir sind schon enttäuscht und auch etwas sauer. Kritik an uns wegen der Verhandlungsführung ist lächerlich. Wir haben alles gegeben, haben Verständnis gezeigt und Einfühlungsvermögen. Irgendwann aber merkt man, dass die andere Seite nicht will", so der Präsident weiter, der den Verhandlungsstil von Bukovac an der Grenze der "Unverschämtheit" sah.

Wohin der Weg des Keepers, der jüngst beim 5:1-Erfolg in Thailand sein zweites Länderspiel absolviert hatte, führt, ist derzeit noch fraglich. Hildebrand war zuletzt mit Herbstmeister Bayern München und Hertha BSC Berlin in Verbindung gebracht worden. Zuletzt sollen auch die englischen Top-Klubs ihr Interesse signalisiert haben.

Magath zeigt Verständnis und dementiert Interesse

Bayern-Trainer Felix Magath zeigte Verständnis für seinen ehemaligen Torhüter, schloss aber einen Wechsel Hildebrands zum Rekordmeister aus. "Ich wundere mich nicht über seine Entscheidung. Er ist ehrgeizig und will weiterkommen. In Stuttgart wurde er zuletzt öfters angegriffen", sagte Magath am Rande des Testspiels der Bayern beim Regionalligisten Fortuna Düsseldorf. "Ein Wechsel nach München ist kein Thema. Oliver Kahn steht bei uns noch bis Juni 2006 unter Vertrag", erklärte Magath weiter.

VfB-Trainer Matthias Sammer, der stets bis zum Ende der Winter-Vorbereitung eine Entscheidung gefordert hatte, nahm die Nachricht äußerlich gelassen hin: "Solche Situationen gehören zum Fußball. Timo ist Profi genug, um damit umgehen zu können." Fakt ist aber, dass der unter Sammer-Vorgänger Felix Magath eingeläutete Aufschwung eng mit Hildebrand verknüpft ist. Der Keeper stand wie seine Nationalelf-Kollegen Kevin Kuranyi und Andreas Hinkel für die Zukunft des VfB.

Hildebrand wehrt sich gegen Abzocker-Vorwürfe

Wie die Fans die Entscheidung annehmen werden, bleibt abzuwarten. Doch der Publikumsliebling hat durch die andauernden Vertragsgespräche - seit September 2004 verhandelten beide Parteien - bei den Zuschauern an Kredit verloren. Bereits vom "Abzocker" und "Geldhai" war die Rede. Am 9. Januar versuchte sich Hildebrand auf seiner Homepage zu rechtfertigen: "Jeder, der mich kennt, der weiß, dass ich meinen Verein nicht abzocken oder erpressen will, sondern mit ihm zusammen arbeite."

Diese Zusammenarbeit wird nun zum Saisonschluss nach zehn Jahren beendet sein. 1995 war der gebürtige Hesse vom FV Hofheim/Ried nach Stuttgart gewechselt. Seitdem absolvierte der 25-Jährige 140 Bundesligaspiele für den VfB, gewann mit den Schwaben 1997 den DFB-Pokal und erreichte 2003 die Champions League. Am 28. April 2004 gab Hildebrand beim 1:5 gegen Rumänien in Bukarest sein Debüt in der Nationalmannschaft. Bei der EM-Endrunde in Portugal stand Hildebrand im Aufgebot der DFB-Elf, kam als dritter Keeper aber nicht zum Einsatz.

Autor:

Kommentieren