Rudi Assauer über die Zukunft des FC Schalke

hb
13. Januar 2005, 14:39 Uhr

100 Jahre FC Schalke, 60 Jahre Rudi Assauer. Es hatte nicht sein sollen, dass der Club und sein Macher an ihren Ehrentagen auch aus aktuellen sportlichen Motiven Grund zur ausgelassenen Feier hatte.

100 Jahre FC Schalke, 60 Jahre Rudi Assauer. Es hatte nicht sein sollen, dass der Club und sein Macher an ihren Ehrentagen auch aus aktuellen sportlichen Motiven Grund zur ausgelassenen Feier hatte. Acht Monate nach Assauers rundem Geburtstag und den großen Feierlichkeiten zum Jubiläum des Traditionsvereins sieht die Sache weitaus erfreulicher aus. Schalke ist Dank der umsichtigen Einkaufspolitik der Verantwortlichen auf Meisterschaftskurs und ein rundum zufriedener Rudi Assauer geht zuversichtlich ins Jahr 2005.

Herr Assauer, Sie sind mittlerweile 60, wie lange wollen Sie sich diesen Job noch antun?
Mir macht der Job noch unheimlichen Spaß, aber grundsätzlich ist es so, dass ich nicht an meinem Stuhl klebe. Im fortgeschrittenen Alter fragt man sich schon öfters: Wie lange willst du das noch machen? Was hast du noch vor? Was hast du in deinem Leben erreicht? Der Job ist natürlich auch nicht einfacher, alles ist professioneller geworden, das Anspruchsdenken wurde höher. Es ist ein Full-Time-Job, den man nicht so nebenbei machen kann. Sicherlich muss man sich die Frage stellen: Machst du noch weiter und wie lange noch, jeden Tag zwölf, 14 Stunden?

Clemens Tönnies hat in einem Interview nach der Entlassung von Jupp Heynckes gesagt: Man müsse überlegen, den Vorstands-Mitgliedern, die älter als 60 Jahre sind, nur einen Zweijahres-Vertrag anzubieten. Kann er das mit Ihnen machen?
Mein Vertrag läuft bis zum 30. September, wie der des ganzen Vorstandes übrigens. In absehbarer Zeit werden wir uns mit dem gesamten Aufsichtsrat zusammensetzen, die Dinge erörtern, wie es hier weitergeht, was in Zukunft getan werden muss. Nach diesen Gesprächen wird man weitersehen. Die Arbeit funktioniert auf diesen Ebenen gut, Missverständnisse werden schnell und ehrlich aus dem Weg geräumt. Es gab zwar in der Vergangenheit sicherlich die eine oder andere Sache, die nicht ganz glücklich verlief, doch dieses Unstimmigkeiten sind längst ausgeräumt.

Andererseits haben Sie in einem Interview vor Ihrem 60. Geburtstag gesagt: Sie wollen einmal Deutscher Meister werden. Falls das im Mai passiert, hören Sie dann auf?
Nein, Wie gesagt läuft mein Vertrag noch. Die Konstellation, wie wir sie jetzt im Vorstand haben, passt. Sehen Sie: Als ich 1993 hier anfing, ging es ums nackte Überleben, der Verein stand mit einem Bein in der zweiten Liga. Seitdem befinden wir uns kontinuierlich nach oben. Natürlich gibt es dabei immer wieder Rückschritte, aber das bleibt auch nicht aus, wenn man sich Ziele und Ambitionen gesetzt hat. Ich bin mir sicher, dass hier keiner abheben wird, wenn wir weiterhin konsequent arbeiten, habe ich keine Sorgen. Dann werden wir unseren Weg weitergehen.

Es hieß auch öfter: Der Assauer ist nicht mehr nah genug an der Mannschaft, weil er sich zu sehr um den Konzern Schalke kümmern muss. Wären Sie nicht viel lieber ein Team-Manager der englischen Schule?
Klar. Wenn ich noch die Wahl hätte, würde ich gerne bei den Jungs in der Kabine sitzen oder auf dem Platz stehen. Aber das geht nicht mehr. Früher war ich näher am Team dran, das hat Andy übernommen. Er ist vernünftig, macht einen guten Job. Früher musste ich hier alles machen, heute sind wir wesentlich besser aufgestellt, jeder hat seinen Arbeitsbereich, alles ist auf mehrere Schultern aufgeteilt.Weil der Verein in den letzten Jahren unheimlich gewachsen ist, haben sich die Aufgaben-Bereiche für mich ein wenig verlagert. Zum Beispiel die Arbeit mit den Sponsoren, das lief früher alles nebenher. Aber natürlich bin ich immer noch nah an der Mannschaft, nur nicht mehr jeden Tag wie früher mit Huub Stevens. Dadurch ergeben sich auch mehr Freiheiten für mich. Die Zeiten, in denen man sich nur um den sportlichen Teil kümmert, sind längst vorbei. Heutzutage ist der Job viel komplexer. Mal eben nach Südamerika fliegen und da einen Spieler beobachten, das geht nicht mehr.

Beim BVB ist Stefan Reuter gerade als Manager gegangen. Wie sehen Sie die Entwicklung beim großen Nachbarn, wo sogar der Lizenzentzug droht?
Ich glaube nicht, dass die Lizenz in Gefahr ist. Vielleicht wird dort manchmal mit zu vielen Zungen gesprochen. Es gibt jeden Tag unterschiedliche Aussagen. Fakt ist, dass wir den BVB als Nachbarn und Rivalen brauchen. Ich hoffe, Dr. Rauball wird das Schiff wieder auf Kurs bringen. Ich kenne ihn schon lange, traue ihm das auch zu.

Was hat Herr Niebaum falsch gemacht?
Ich glaube, das können nur ganz wenige Leute beurteilen, nämlich die Leute in der BVB-Führungsetage selbst. Meinen Kollegen Michael Meier halte ich für einen exzellenten Mann. Aber ich kann nur für Schalke reden: Wichtig ist immer die Balance zwischen sportlicher und finanzieller Seite. Beides ist voneinander abhängig. Nur was man einnimmt, kann man wieder ausgeben. Nach dem Gewinn der Champions-League war man vielleicht zu optimistisch und hat die Zukunft zu rosig gesehen. Herr Niebaum wollte danach immer unter den ersten fünf in Europa sein, auf einer Höhe mit Real Madrid, Milan, Juve und Bayern. Dann hat es aber aus mehreren Gründen nicht geklappt. Ich glaube aber, dass mein früherer Verein die Kurve kriegt, hoffe es zumindest.

Zur eigenen Zukunft: Mit den Verpflichtungen der Spieler Ailton, Mladen Krstajic, Marcelo Bordon und Lincoln haben Sie Zeichen gesetzt, ebenso im Fall von Fabian Ernst. Wann folgt Patrick Owomoyela, einer der derzeit begehrtesten jungen deutschen Nationalspieler?
Er ist ein interessanter Mann, hat eine unheimlich rasante Entwicklung genommen. Ich habe ihn zwei Mal gesehen, im Spiel bei uns und Wolfsburg. In der Arena hat er überzeugt, beim 0:5 in Wolfsburg war er, wie die gesamte Bielefelder Mannschaft, schwach. Ob er der ideale Mann für die rechte Verteidiger-Position ist, kann ich jetzt noch nicht beurteilen. Grundsätzlich haben wir ihn im Auge. Er ist schnell, hat aufgrund seiner Basketball-Vergangenheit eine unheimliche Sprungkraft, ist dementsprechend stark im Kopfball. Im Defensiv-Verhalten hat eher aber noch Steigerungs-Potenzial.

Hat er, wie teilweise vermutet wird, vielleicht schon für 2006 unterschrieben und wird dann, siehe Bordon, gegen eine Ablöse im Sommer verpflichtet?
Nein, nein. Das kann ich definitiv dementieren. Marcelo hat sich Jahre lang durch konstant starke Leistungen einen Namen gemacht und ein gewisses Standing erarbeitet. Wir müssen sehen, ob Owomoyela über eine lange Zeit eine gewisse Konstanz zeigt.

Auf welchen Position gibt es noch Handlungsbedarf?
Konkret suchen wir einen Spieler für die rechte Außenbahn. Das ist bekannt. In den nächsten Tagen haben wir ein Gespräch mit Niels Oude Kamphuis. Mal sehen, wie er sich entscheidet. Im jetzigen Kader sehen wir ihn immer noch als die ideale Besetzung für die Position, aber er stellt sich eine Rolle im Mittelfeld vor. Das wird nicht funktionieren, denn dort haben wir mit Fabian Ernst und Mimoun Azaouagh ab Sommer ein Angebot von sechs, sieben Spielern.

Ist der Sturm, auch angesichts der möglichen Teilnahme an der Champions League, hinreichend bestückt?
Langfristig suchen wir einen Nachfolger für Ebbe Sand. Wir sind froh, dass er noch ein Jahr weiter macht, aber wir müssen sehen, wie er der Belastung noch Stand hält. Ebbe ist einer, der sich in jedem Spiel voll rein hängt. Was der auf dem Platz an Metern macht, ist unglaublich.

Neben dem Vertrag von Oude Kamphuis läuft auch der von Tomasz Waldoch aus. Bleibt der Ex-Kapitän?
Wir sind mit Tomasz in Kontakt. Aufgrund der vielen Spiele wird er sicherlich seine Einsatzzeiten haben. Es ist nur die Frage, ob er damit leben kann, wenn er nicht spielt und nur Ergänzungsspieler ist. Es kann in die eine oder andere Richtung gehen. Tomasz weiß aber, was er an uns hat, umgekehrt ist es genauso.

Autor: hb

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