Bundesliga kritisiert Karlsruhes Trainer-Posse

06. Januar 2005, 12:27 Uhr

Die Bundesliga hat mit Unverständnis und Kritik an Sportdirektor Rolf Dohmen auf die Trainer-Posse beim Zweitligisten Karlsruher SC reagiert. Der KSC hatte Coach Reinhold Fanz nach nur sieben Tagen entlassen.

Nach dem Rauswurf von "Sieben-Tage-Trainer" Reinhold Fanz hat die Bundesliga mit Unverständnis und Kritik am Karlsruher SC reagiert. Sponsor EnBW hatte die Entlassung des neuen Trainers beim Zweitligisten forciert. "Wenn man so am Nabel eines Geldgebers hängt, spricht das nicht für das Management des Klubs. Man darf sich nicht den Fehler erlauben, einen Trainer zu verpflichten, der den Chef des Hauptsponsors beleidigt hat", monierte Uli Hoeneß, Manager von Bayern München, im Trainingslager des Rekordmeisters in Dubai und echauffierte sich weiter: "Man muss die Historie der entscheidenden Leute kennen. Da hat der KSC offenbar einiges versäumt."

Auch für Martin Kind, Vorstandsvorsitzender von Bundesligist Hannover 96, sind die Vorkommnisse beim ehemaligen UEFA-Cup-Teilnehmer unerklärlich. "Dass ein Sponsor den Trainer entlässt, wäre bei uns ausgeschlossen", betonte Kind gegenüber dem Kölner Express und stellte ebenfalls die Verantwortlichen des KSC an den Pranger: "Grundsätzlich kann kein Sponsor Einfluss auf sportliche Entscheidungen nehmen."

Am Mittwoch hatte der Zweitliga-Vorletzte aus Baden seinen Coach Fanz auf Druck des Hauptsponsors EnBW (Energie Baden-Württemberg) nach nur sieben Tagen wieder entlassen und für ein Novum im deutschen Fußball gesorgt. Noch nie zuvor hatte ein Unternehmen so offen den Machtkampf mit seinem Werbepartner geführt und sich letztlich auch durchgesetzt.

"Man sieht, wie wichtig die Geldgeber im Fußball sind. Davor kann man sich nicht verschließen", urteilte Manager Ilja Kaenzig von Hannover 96. Ohne die jährlich 800.000 Euro wäre die Lizenz des mit sieben Millionen Euro verschuldeten KSC in Gefahr.

"Das gehört sich nicht"

Auch Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), beurteilt das "Schmierentheater von Karlsruhe" kritisch: "Es ist der Eingriff eines Sponsors in die direkten Angelegenheiten des Vereins. Das gehört sich nicht", sagte Hackmann der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und fordert eine klare Linie: "Der KSC muss seine Geschäfte selbst regeln."

Neben Hoeneß weist auch Hackmanns früherer DFL-Kollege Heribert Bruchhagen auf Versäumnisse der Karlsruher Führungsriege bei der Sondierung der Trainerkandidaten hin: "Ich stehe bei so wichtigen Fragen wie der einer Verpflichtungen des neuen Coaches immer im Dialog mit unserem Hauptsponsor", erklärte Bruchhagen, Vorstandschef des Zweitligisten Eintracht Frankfurt, im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid), relativierte aber: "Dabei wirke ich informierend, nicht fragend."

Vergangenheit holte Fanz ein

KSC-Sportdirektor Rolf Dohmen hatte seinen Kumpel Fanz am 28. Dezember verpflichtet, ohne - wie er offen zugab - die Vorbehalte des Sponsors gegenüber dem neuen Mann auf der Bank zu kennen. EnBW-Boss Utz Claasen hatte sich als Präsident von Hannover 96 im Sommer 1997 ein Scharmützel mit seinem damaligen Trainer Fanz geliefert, das eine gerichtliche Auseinandersetzung zur Folge hatte.

Obwohl der Fall des KSC bislang einmalig in der Bundesliga-Historie ist, gibt es etliche Beispiele von versuchter Einflussnahme durch Geldgeber. Erst Mitte November hatte Borussia Dortmund seinen Großaktionär Florian Homm zurückgepfiffen, nachdem er die Ablösung von Trainer Bert van Marwijk und die Verpflichtung Uwe Rapolders (Arminia Bielefeld) gefordert hatte.

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