Duisburg steht auf dem Sprung! Auch wenn es die Konkurrenz nicht so ganz warnehmen will, der FCR wetzt die Messer, nach dem finalen 5:0 über Wolfsburg kann Boss Ferdi Seidelt ganz berechtigt mit Zahlen der Truppe von Chef-Trainer Jürgen Krust spielen:

DUISBURG: Seidelt: "Löwinnen von Natur aus hungrig"

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27. Dezember 2004, 12:21 Uhr

Duisburg steht auf dem Sprung! Auch wenn es die Konkurrenz nicht so ganz warnehmen will, der FCR wetzt die Messer, nach dem finalen 5:0 über Wolfsburg kann Boss Ferdi Seidelt ganz berechtigt mit Zahlen der Truppe von Chef-Trainer Jürgen Krust spielen:

Duisburg steht auf dem Sprung! Auch wenn es die Konkurrenz nicht so ganz warnehmen will, der FCR wetzt die Messer, nach dem finalen 5:0 über Wolfsburg kann Boss Ferdi Seidelt ganz berechtigt mit Zahlen der Truppe von Chef-Trainer Jürgen Krust spielen: "Mit 44:10 Toren stellt das Perspektivteam momentan die erfolgreichste Offensive und die sicherste Abwehr der Bundesliga." Geschichtssicher war der hauptberufliche Journalist sowieso schon immer - Seidelt: "Dazu passt die Tatsache, dass der FCR 2001 in der Bundesliga nach zehn Spieltagen noch nie so gut da stand." Das legendäre Meisterjahr 1999/2000 einmal ausgenommen. Zur Erinnerung: 2000 waren nach 22 Spieltagen 20 Siege und 85:10 Tore auf der Habenseite. Weitere Fakten: Durch ihre 17 Saisontreffer schoss sich Shelley Thompson auf Platz drei der ewigen Torjägerinnenliste des Rumelner Frauenfußballs (54). Hinter sich gelassen hat sie binnen eines Jahres so bekannte Spielerinnen wie Martina Voss (36), Jolantha Nieczypor (46) und Melanie Hoffmann (50). Jetzt liegen nur noch Maren Meinert (76) und Inka Grings (164) vor ihr. RS führte folgendes Interview mit Seidelt.

Ferdi Seidelt, Ihr Team sitzt dem Spitzenreiter im Nacken! Dicht genug, um gierig zu werden?
Zwischen unseren Hoffnungen und Plänen finden wir unsere Möglichkeiten! Löwinnen sind von Natur aus hungrig. Was unsere Spielerinnen bislang geleistet haben, ist sensationell. Der beste Zehn-Spiele-Start aller Zeiten. Sensationell, deshalb, da unser Perspektivteam immer noch blutjung ist. Dieses Jahr Dritter, im nächsten Zweiter und 2006/2007 die Nr. eins, das war und ist unser Masterplan. Wenn's schneller geht, wer würde da nicht zubeißen?

These: Denken Sie an Brauweiler, schlafen Sie schlecht?
Zuerst sicherlich, jetzt nicht mehr. Wir stolperten in das Spiel ohne gewohnt solide Vorbereitung. Fünf Spielerinnen für die U19 bei der EM und im Lehrgang, Silke Rottenberg in Athen. Unser Trainer hatte es verdammt nicht leicht. Doch haken wir den Pokal 2004/2005 ab, die Mannschaft hat's getan, wir tun's auch.

Okay! Warum scheint die "Verlängerung" von Trainer Jürgen Krust immer wieder eine Art sensibles FCR-Politikum zu sein?
Hier wird traditionell eine Menge hinein interpretiert. Dabei sind Vertragsverlängerungen eine ganz normale Sache. Der Vorstand entscheidet, ob mit dem Trainer weiter gemacht wird. Das positive Votum liegt vor. Jetzt obliegt es beiden Seiten, sich zu einigen.

Ganz konkret: Wann wird mit dem Coach gesprochen?
Der Trainer hat von mir im November das eindeutige Signal bekommen, dass wir mit ihm in die nächste Saison gehen wollen. Gesprochen wurde also bereits. Die Details klärt Sportvorstand Mike Götze. Klare Sache von Aufgabenteilung.

Weiter konkret: Welche Verträge im Kader laufen am Ende der Spielzeit aus?
Von unserem 24er Kader sind die Mehrzahl bereits über den 30. Juni 2005 hinaus gebunden. Mit den in Frage kommenden Spielerinnen wird Mike Götze bis ultimo Januar geredet haben. Ich sehe, dass unsere 2. Mannschaft in die 2. Bundesliga aufsteigt. Da ist jede Spielerin, die das Zeug für die 1. oder 2. Liga hat, beim FCR 2001 bestens aufgehoben. Lediglich bei Petra Hauser ist es aufgrund des Alters die definitiv letzte Saison.

Wer verlässt den Club im Winter, eine Stephanie Mpalaskas ist in Schönebeck im Gespräch?
Ich akzeptiere, dass die SG, die bekanntlich als "Rumelner Filiale" gilt, gerne FCR 2001-Spielerinnen haben will. Doch bei aller Freundschaft mit Schönebeck, wir sind Konkurrenten. In diesem und auch im kommenden Jahr. Im übrigen sind alle Spielerinnen bei uns bis zum 30. Juni 2004 vertraglich gebunden. Das unterscheidet uns von anderen Vereinen.

Was macht die neue Heimstätte?
Eine Herkules-Aufgabe zweifelsfrei. Als wir vor einem halben Jahr die Anlage übernahmen, hatten viele von uns eine Gänsehaut. Mittlerweile ist hier viel geschehen. Das sieht man. Ein wichtiger Schritt ist der Bau des Kunstrasenplatzes im Frühjahr. Rom ist auch nicht an einem Tag erbaut worden.

Welchen Eindruck macht die wirtschaftliche Struktur des Clubs - zufrieden?
Aus der Sponti-Wirtschaft vor meiner Zeit ist ein verantwortungsvoller Betrieb geworden. Wir kommen over all plus-minus-null über die Runden. Zufrieden bin ich erst dann, wenn die guten sportlichen Leistungen so von der Wirtschaft entdeckt worden sind, dass wir nicht 365 Tage im Jahr akquirieren müssen.

Funktioniert die Struktur der Entscheidungsträger im Club?
Die Mannschaften, die die eigentliche Verantwortung tragen, heißen Aufsichtsrat und Vorstand. Hier sind exzellente Personen am Werk, die mehr leisten als ihnen eigentlich zuzumuten ist. Das geschieht ehrenamtlich, alle bringen Geld mit. Das Zusammenspiel der Entscheider untereinander und in den Verein hinein ist eine täglich neue Herausforderung.

Welchen Eindruck macht die Bundesliga-Struktur?
Der Laden ist so bunt wie ein Kaleidoskop. Da gibt es Vereine, die durch Muttervereine, Werksvereine oder "staatlicher Fürsorge" finanziell keine Sorgen haben, einige kommen kaum über die Runden. Manchen Vereinen stehen hauptberufliche Leute zur Seite, in anderen, wie bei uns, ist Ehrenamt angesagt. Dann gibt es Klubs, die immer noch nicht verinnerlicht haben, dass die Frauenfußball-Bundesliga ein Premium-Produkt ist. Überall wird viel Liebe in den Job gesteckt, doch die Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Der DFB gibt hier übrigens wertvolle Hilfestellung.

Die Begeisterung über den WM-Titel ist verpufft, bringt der U19-Triumph neuen Anlauf?
Zweifelsfrei, dieses, das Olympia-Bronze und die EM im kommenden Jahr sind Bausteine für mehr Popularität. Das betrifft auch uns. Wenn dann der Verein noch Erfolg hat und sich nach außen hin als sympathische Marke positioniert, geht's voran. Schritt für Schritt. Wir werden nach Lage der Dinge Ende der Saison auf eine Zuschauersteigerung - im Vergleich zu 2001 - von etwa 50 Prozent blicken. Zudem haben immer mehr Sponsoren und Medien den herrlichen Mädchen- und Frauenfußball beim Top-Klub FCR 2001 Duisburg entdeckt.Oliver Gerulat

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