Am 17. Spieltag haben noch drei Teams Ambitionen auf den Titel des Herbstmeisters. Spitzenreiter Bayern München empfängt heute den Verfolger VfB Stuttgart, der FC Schalke 04 trifft auf das Schlusslicht SC Freiburg.

Showdown um die Herbstmeisterschaft in München

11. Dezember 2004, 08:42 Uhr

Am 17. Spieltag haben noch drei Teams Ambitionen auf den Titel des Herbstmeisters. Spitzenreiter Bayern München empfängt heute den Verfolger VfB Stuttgart, der FC Schalke 04 trifft auf das Schlusslicht SC Freiburg.

Die "Herbstmeisterschaft" war Felix Magath bislang egal, vor dem "Endspiel" um den sportlich wertlosen Titel aber hat der Trainer von Bayern München schlagartig umgedacht. "Es geht ja gegen meinen Ex-Klub", erinnerte sich der 51-Jährige, "und gegen den will ich sehr wohl Herbstmeister werden." Bei einem Sieg gegen den Süd-Rivalen VfB Stuttgart wird der deutsche Rekordmeister als Tabellenerster überwintern, bei einem Unentschieden oder einer Niederlage kann Schalke 04 zum Halbzeit-Primus werden.

Nach den zwei Durchhängern beim 1. FC Nürnberg und bei Ajax Amsterdam (jeweils 2:2) ist den Münchnern nun tatsächlich an einem erfolgreichen Jahresabschluss gelegen. "Wir müssen Erster bleiben", fordert Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge, das wäre, sekundiert Torjäger Roy Makaay, auch "psycholgisch wichtig". Schließlich ist in bislang 28 von 41 Fällen der Winter-Champion am Saisonende auch Meister geworden. Die Bayern wollen sich darüber hinaus nicht ihre Weihnachtsfeier am Samstagabend verderben lassen.

VfB hofft auf Lerneffekt gegen die Bayern

Der VfB sieht sich in der Rolle des Spielverderbers und will vor allem nicht noch einmal so deklassiert werden wie vor einem Monat im Achtelfinale des DFB-Pokals (0:3). "Wir müssen komplett anders spielen", verlangt Trainer Matthias Sammer und setzt darauf, dass seine Mannschaft seit dem letzten Besuch im Olympiastadion "reifer geworden ist". Bei einem Sieg würde der VfB die dann punktgleichen Bayern (33 Punkte) sogar noch überholen - vorausgesetzt, Schalke 04 verliert ebenfalls.

Den Schalkern ist die "Herbstmeisterschaft" nach wie vor ziemlich egal, beteuert Trainer Ralf Rangnick: "Das interessiert mich überhaupt nicht, das ist nur etwas für Statistiker." Außerdem verheißt die Statistik nichts ohnehin Gutes für die Königsblauen: Zweimal beendeten sie die Vorrunde als Erster (1971/72, 2000/2001), beide Male wurde der FC Bayern Meister. Deshalb will Manager Rudi Assauer auch keine Prognosen abgeben: "Wenn wir zwei Spieltage vor Schluss mit oben stehen, können wir über alles reden."

Freiburg sucht "auf Schalke" seine Form

Gute Aussichten, die Hinrunde mit 36 Punkten zu beenden, besitzen die Schalker aber allemal: Gegner in der Arena ist der SC Freiburg. Dessen Bilanz: sieben Spiele hintereinander verloren, und elf der letzten zwölf. Trainer Volker Finke hat daher sogar seinen Rücktritt angeboten, Präsident Achim Stocker aber lehnte, wie nicht anders zu erwarten, sofort ab und fordert vielmehr: "Die Mannschaft muss jetzt ganz eng zusammenrücken". Das ist so leicht nicht: Vier Stammspieler fehlen am Samstag.

Auf einen möglichst versöhnlichen oder stimmungsvollen Jahresausklang hoffen vor allem die Kellerkinder, zwei treffen auch noch aufeinander: Hansa Rostock, acht Heimspiele, acht Niederlagen, empfängt Borussia Dortmund. Die Westfalen haben drei ihrer letzten letzten vier Partien verloren, üben sich in Durchhalteparolen und hoffen auf die positive Energie von Christoph Metzelder: Der wird sein Comeback erst in der Rückrunde feiern, fährt aber zumindest als "Maskottchen" mit an die Ostsee.

Torwartsorgen in Bochum

Auch Rein van Duijnhoven sollte wegen Problemen an der Achillessehe erst wieder im neuen Jahr spielen. Nun aber hat sich sein Stellvertreter Christian Vander verletzt, und der Niederländer muss aus dem Krankenstand heraus das Tor des VfL Bochum hüten - das Spiel gegen den Hamburger SV ist Trainer Peter Neururer zu wichtig, um es mit Amateurkeeper Polat Keser zu bestreiten. "Faktisch ist es natürlich kein Endspiel für uns, aber durchaus vergleichbar", sagt der Coach. Ein Punkt, so Neururer, sei Pflicht.

Selbstbwusster geht sein Mainzer Kollege Jürgen Klopp in das Duell der Aufsteiger gegen den 1. FC Nürnberg. "Um das grandiose Jahr 2004 so zu beschließen, wie es sich gehört", will der Trainer der 05-er seine "brutale Maschinerie wieder anwerfen" und die fast perfekte Heimbilanz aufbessern: "Mehr Leidenschaft und Kampfgeist wird keine Mannschaft an den Tag legen, ich habe ein gutes Gefühl", tönt Klopp. Warum Mainz zu Hause bislang ungeschlagen blieb, will am Samstag auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann vor Ort ergründen.

Leverkusen und Bremen kämpfen um Anschluss

Neben dem Tabellenvierten Hannover 96 wollen sich auch die Champions-League-"Helden" noch einmal kräftig ins Zeug legen. Klaus Augenthalter fordert von seinen Leverkusenern am Sonntag "nochmal volle Konzentration" bei Borussia Mönchengladbach, auch sein Bremer Kollege Thomas Schaaf redet seinen Spielern ins Gewissen: "Wenn wir gewinnen, halten wir uns alle Möglichkeiten offen." Keine besondere Motiviation wird wohl Miroslav Klose benötigen: Beim Meister ist sein Ex-Klub 1. FC Kaiserslautern zu Gast.

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