Es klang fast schon nach Verzweiflung, als Bojan Prasnikar nach einer demoralisierenden Niederlage Zuversicht im Kampf um den Klassenerhalt verbreiten wollte.

Cottbus: Bei Energie gehen langsam die Lichter aus

Tremmel sorgt mit schonungsloser Kritik für Unruhe

sid
14. Mai 2009, 14:57 Uhr

Es klang fast schon nach Verzweiflung, als Bojan Prasnikar nach einer demoralisierenden Niederlage Zuversicht im Kampf um den Klassenerhalt verbreiten wollte.

"Noch ist alles möglich. Warum sollten wir nicht auch einmal so ein Glück haben wie die Borussia?´", fragte der Trainer von Fußball-Bundesligist Energie Cottbus nach dem bitteren 0:1 (0:0) im "Abstiegs-Endspiel" gegen Mönchengladbach durch den Gegentreffer des Brasilianers Dante in der Nachspielzeit. Doch die Stimme des Slowenen in der Pressekonferenz war ebenso mutlos wie der Auftritt seiner Mannschaft zuvor auf dem Rasen. Konnten die im Abstiegskampf erprobten Lausitzer in der Vergangenheit immer auf ihre Nervenstärke zählen, scheint diese Qualität und zudem das Glück aufgebraucht.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/003/784-3827_preview.jpeg Gerhard Tremmel (Foto: firo).[/imgbox]
Der Tabellenvorletzte ist in den zwei letzten Spieltagen nicht nur auf Ausrutscher der Konkurrenz angewiesen, um den zweiten Abstieg aus dem Fußball-Oberhaus nach 2003 doch noch zu vermeiden. Er muss zudem schnellstens aus dem eigenen Formloch herauskommen und zu allem Überfluss auch noch interne Unstimmigkeiten aus dem Weg räumen. Während sich viele im Verein in die üblichen Durchhalteparolen flüchteten, redete nämlich Torhüter Gerhard Tremmel Klartext. "Es glaubt doch niemand, dass wir in unserer momentanen Verfassung beim VfB etwas holen", äußerte der 29-Jährige vor der Auswärtsbegegnung beim Titelaspiranten Stuttgart am Samstag.

"Viel zu harmlos, viel zu mutlos" habe man gegen Mönchengladbach gespielt, kritisierte Tremmel und sorgte damit ausgerechnet im nervenaufreibenden Ligaendspurt für internen Zündstoff. Angesprochen auf Tremmels Aussagen vermied Kapitän Timo Rost zwar einen öffentlichen Rüffel für seinen Teamkollegen, in der Kabine sollen jedoch klare Worte gefallen sein. "Wir sollten jetzt nicht kritisieren, sondern zusammenrücken", forderte Rost.
[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/003/779-3822_preview.jpeg Timo Rost (Foto: firo).[/imgbox]
Dabei hatte Tremmel in der Sache recht. Die Cottbuser agierten in der zuvor von allen Beteiligten als "Endspiel" ausgerufenen Begegnung vor 20.850 Zuschauern im Stadion der Freundschaft ängstlich und ohne erkennbaren Siegeswillen. Ohne seinen verletzten Top-Torjäger Dimitar Rangelow (Sprunggelenk) und den ebenfalls angeschlagenen Dribbel-Künstler Ivica Iliev (Leiste) spielte Energie wie eine Mannschaft, die sich bereits mit dem Abstieg abgefunden hat. "Warum wart ihr so defensiv eingestellt? Ich dachte, ihr brennt hier ein Feuerwehrk ab", wunderte sich selbst der Gladbacher Roel Brouwers im Gespräch mit dem Cottbuser Rost.

Die Kritik an Trainer Prasnikar wegen seiner risikoscheuen Taktik wird auch intern immer größer. Doch Kapitän Rost nahm seinen Coach in Schutz: "Selbst wenn wir zu Hause mit nur einem Stürmer spielen, muss offensiv mehr von uns kommen." So aber bleibt Energie einzig das Prinzip Hoffnung. "Wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken", forderte Präsident Ulrich Lepsch und nahm die Fohlen als Vorbild: "Gladbach hat uns vorgemacht, wie man mit zwei Siegen wieder hochkommt."

Autor: sid

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