Es war das angekündigte Risiko-Spiel und es kam zu den befürchteten Ausschreitungen. Beim UEFA-Cup-Duell zwischen Feyenoord und dem FC Schalke randalierten am Mittwoch 150 Hooligans der Kategorie C in Rotterdam.

SCHALKE - Randale in Rotterdam - Gelsen-Szene mit neuem Zulauf

hb/sb
06. Dezember 2004, 10:07 Uhr

Es war das angekündigte Risiko-Spiel und es kam zu den befürchteten Ausschreitungen. Beim UEFA-Cup-Duell zwischen Feyenoord und dem FC Schalke randalierten am Mittwoch 150 Hooligans der Kategorie C in Rotterdam.

Es war das angekündigte Risiko-Spiel und es kam zu den befürchteten Ausschreitungen. Beim UEFA-Cup-Duell zwischen Feyenoord und dem FC Schalke randalierten am Mittwoch 150 Hooligans der Kategorie C in Rotterdam. Hatte die Polizei nach der Ankunft in den Niederlanden noch erleichtert den Daumen gehoben, holten die Ereignisse nach der Begegnung die Aussagen der Exekutive wie ein Bumerang ein. Gürtel schwingende Hooligans auf beiden Seiten einer drei Meter hohen Plexiglasscheibe. Da ist es müßig zu diskutieren, wer denn nun „angefangen“, wer wen provoziert hat.

Zwar hatte der szenekundige Gelsenkirchener Polizist Andreas Arlt bereits vor Ort zu Recht darauf hingewiesen, dass man für die Sicherheit in Rotterdam nicht zuständig sei und entsprechend dort auch nichts beeinflussen könne, doch offensichtliche Fehler wurden auch bereits im Vorfeld in Gelsenkirchen gemacht. Nur dem vorher so gescholtenen Hochsicherheitstrakt „de Kuip“ ist es zu verdanken, dass es außer Scheingefechten und Sachbeschädigungen zu keinen ernsteren Vorfällen kam.

Ein schlimmer Fingerzeig für die WM 2006? Die Folgen für den Verein und insbesondere den Schalker Fan-Club Verband, der die Sonderzug-Fahrt für 2700 Fans organisiert und in Zusammenarbeit mit Polizei und Bundesgrenzschutz durchgeführt hatte, jedenfalls sind noch nicht abzusehen. In der kommenden Woche werden Vertreter des Dachverbandes gemeinsam mit S04-Geschäftführer Peter Peters sowie der Polizei Gelsenkirchen in einer Dringlichkeits-Sitzung über das künftige Vorgehen bei Schalker Europapokal-Reisen diskutieren. Was genau passiert ist, erklärten Aufsichtsrats-Mitglied Rolf Rojek und SFCV-Sprecher Didi Dahmen im Gespräch mit RevierSport.

Seit Donnerstag sind die Fan-Foren voller Einträge, die den Dachverband mit harscher Kritik überhäufen. Wie gehen Sie damit um?
Rojek: Ich kann mich nur im Namen aller Mitarbeiter für die Vorkommnisse entschuldigen, die wir allerdings nicht zu verantworten haben. Es sind klare Absprachen, teilweise sogar unmittelbar vor Antritt der Fahrt, über den Haufen geworfen worden.

Zum Beispiel?
Dahmen: Alle Mitreisenden hatten vorher bei uns ihre Personalien anzugeben, damit wir, die Polizei und der BGS, wissen, wer dabei ist. Etwa 75 Hooligans der Kategorie C haben sich angemeldet. Da haben wir überlegt, wie gehen wir damit um. Nehmen wir die mit und sorgen dafür, dass alles unter Kontrolle ist oder lassen wir die außen vor. Dann wären sie auf anderem Wege nach Rotterdam gekommen. Auf Empfehlung der Polizei haben wir uns entschieden, die Hools mitzunehmen. Allerdings sollten diese separiert in einem Waggon bleiben. Das ist nicht passiert. Außerdem sind entgegen der vorherigen Vereinbarung nicht alle Personen vom BGS untersucht worden.

Die Hooligans haben sich gezielt die Begegnung mit den Kollegen aus Holland auf die Agenda geschrieben, oder?
Dahmen: Ja. Einige sind bei den meisten Auswärtsfahrten dabei, wo sie individuell anreisen. Dass diesesmal so viele dabei waren, hatte mit Sicherheit mit dem Gegner Rotterdam zu tun. Die ‚normalen’ Fans wussten gar nicht, was los war und waren total geschockt. Bereits auf der Hinfahrt kam es im Zug drei zu Schlägereien untereinander.
Rojek: Letztlich waren 150 Hooligans im Zug drei, und die eben nicht, wie vorgesehen, alle in einem Waggon, sondern munter im ganzen Zug verteilt. Das gesamte Sicherheits-Konzept, das wir vorher gut durchdacht aufgestellt hatten, ist über den Haufen geworfen worden.

Ein tolle Visitenkarte, die Schalke da im Ausland hinterlassen hat !
Rojek: Alle Europapokal-Reisen der vergangenen Jahre waren Spaß-Fahrten, bei denen sich die Schalker Fans von ihrer besten Seite gezeigt haben. Es gab ohne Ende gemeinsame Aktionen mit Anhängern der gastgebenden Vereine, die fast schon den Charakter der Völker-Verständigung hatten. Das ist mit einem Schlag zerstört worden.
Dahmen: Wir beobachten auch mit Sorge, dass die rechts gerichtete Gelsen-Szene wieder stärkeren Zulauf bekommt. Seit zehn Jahren arbeiten wir erfolgreich gegen diese Tendenz an und sind der einzige Bundesliga-Verein mit einem Paragraphen in der Satzung, der rechtsextreme und ausländerfeindliche Gesinnung aufs Schärfste verurteilt. Nun müssen wir feststellen, dass die alten Probleme neu auftauchen.

Vor allem nach dem Spiel gab es hässliche Szenen in den beiden Fan-Blocks. Auf der Strecke soll aber bis auf die erwähnten Scharmützel unter den eigenen Leuten nichts passiert sein. Stimmt das so?
Dahmen: Leider nein. In Rotterdam Centraal wurde in Zug drei die Notbremse gezogen. Normalerweise reagiert ein Zugführer bei Sonderfahrten nicht darauf, dieser hat es leider getan. Die Jungs sind quer über die Gleise gelaufen, das sah alles nicht sehr schön aus. Zum Glück ist da nichts weiter vorgefallen, weil keine Feyenoord-Fans am Hauptbahnhof waren.

Warum ist die Lage direkt nach dem Abpfiff eskaliert?
Dahmen: Weil mitten im Schalker Block ein Feuerwerkskörper hoch gegangen ist. Danach ging natürlich das Gerenne los. Gut, dass die Plexiglas-Scheibe zwischen den beiden Lagern so hoch war, sonst wäre es sicher böse abgegangen.

Was hatte es mit dem von RevierSport zitierten Bierklau in Emmerich auf sich?
Dahmen: In Zug eins war ein Waggon mit Vorräten. Der ist geknackt worden und einige Kisten wurden entwendet. Dem ganzen wurde aber schnell Einhalt geboten, so dass nicht viel gestohlen wurde. Eigentlich sollte Zug eins hinter der Grenze in der Höhe von Arnheim auf Zug drei warten, das Bier umladen und dort für Nachschub sorgen. Das hat nicht geklappt. Also sollte während des Spiels, als die Züge in Rotterdam auf dem Gleis standen, umgeladen werden, doch das haben die holländischen BGS-Beamten abgeschmettert.
Rojek: Viel Schlimmer war, dass vor der Abfahrt die Absprachen nicht eingehalten wurden. Wir haben vorher ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es Bier für Selbstversorger nur in PET-Flaschen gibt. Das schmeckt zwar nicht, aber Dosen und Glas waren zur Sicherheit verboten. Auch das wurde vom BGS nicht kontrolliert.

Welche Lehren zieht der Dachverband aus dem Desaster?
Rojek: Durch die Ereignisse sind wir schlau geworden, so machen wir das nicht noch einmal. Sollen wir etwa die Personen kontrollieren, wenn die dafür zuständige Beamten vom BGS meinen, es sei nicht nötig? Das können und wollen wir auch gar nicht. In der Sitzung nächste Woche werden wir die Vorkommnisse Revue passieren lassen und Schlüsse für die Zukunft ziehen.

Autor: hb/sb

Kommentieren