Schalke-Trainer Ralf Rangnick hat sich ungewöhnlich scharf über das Verhalten des BVB in der aktuellen Finanzkrise geäußert. Der Coach fordert nun das Ende der öffentlichen Diskussion über die Dortmunder Finanzmisere.

Rangnick kritisiert Verhalten des BVB

19. November 2004, 12:03 Uhr

Schalke-Trainer Ralf Rangnick hat sich ungewöhnlich scharf über das Verhalten des BVB in der aktuellen Finanzkrise geäußert. Der Coach fordert nun das Ende der öffentlichen Diskussion über die Dortmunder Finanzmisere.

"Es will doch niemand mehr über Schechter-Anleihen lesen oder darüber, wie schlecht es dem Verein geht. Auch an den Spielern kann das nicht spurlos vorübergehen, wenn monatelang über diese Scheiße - ich sag es bewusst so derb - geredet wird", sagte Schalke-Trainer Ralf Rangnick bei einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Essen. Der Coach hat die anhaltende Berichterstattung über die Finanzlage beim BVB als Ursache für den sportlichen Absturz ausgemacht. In vorher so nicht gekannter Schärfe kritisierte der Schwabe die Dortmunder Kommunikationspolitik und fordert das Ende der öffentlichen Diskussionen.

Fußball muss im Vordergrund stehen

Spieler wie Tomas Rosicky und Jan Koller hätten jahrelang Topleistungen gezeigt, jetzt sehe man deutlich, dass sie mit dieser Situation nicht umgehen könnten, meinte der "Professor": "Neben der Verletztensituation ist dieses Problem sportlich das Größte des BVB. Da meldet sich doch der Fußball-Fan in mir. Es wird Zeit, dass endlich mal wieder Fußball gespielt und über Fußball geredet wird. Bei aller Wichtigkeit der Berichterstattung über die Finanzkrise ist das das Einzige, was den Fan wirklich interessiert."

Spielerverpflichtungen trotz hoher Schulden

Darüber hinaus kritisiert Rangnick den BVB-Großaktionär Florian Homm für dessen Vorschlag, einen Trainer wie Arminia Bielefelds Coach Uwe Rapolder zu verpflichten, auf das Schärfste: "Da friert´s mich. Der Fußball darf nie von Sanierern ferngesteuert werden." Aber auch die Klub-Führung der Dortmunder geriet ins Visier des Schalker Trainers: "Auf der einen Seite wird beim BVB überall gekürzt, andererseits sollen ein Philipp Degen und ein Mark van Bommel kommen - das passt nicht zusammen."

Die Podiumsdiskussion des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Essener Volkshochschule hatte das Thema "Verliert der Fußball seine Seele? - Fankulturen in Zeiten aktueller Vermarktung" und wurde von DFB-Pressesprecher Harald Stenger moderiert. Neben Rangnick waren Dieter Meinhold, Vorstandsmitglied des VfL Bochum, Christian Müller, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Professor Gunter A. Pilz, wissenschaftlicher Begleiter der DFB-Ausstellung "Kultort Stadion", DSF-Chefreporter Thomas Herrmann und Rolf Marewski vom Dortmunder Fanprojekt zu Gast.

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