BVB-Aktionäre wollen neue Geschäftsführung

ds
16. November 2004, 18:11 Uhr

Die Aktionäre des Bundesligisten Borussia Dortmund haben auf der Hauptversammlung des BVB den Rücktritt der Geschäftsführer Meier und Niebaum gefordert. Der Aufsichtsrat des Clubs soll zwei neue Mitglieder bekommen.

Auf der Hauptversammlung des börsennotierten Bundesligisten Borussia Dortmund haben die 2009 Besucher lautstark den Rücktritt der Geschäftsführer Gerd Niebaum und Michael Meier gefordert. Unter ihrer Führung hatte der BVB im Geschäftsjahr 2003/04 einen Verlust von 67,7 Millionen Euro und Verbindlichkeiten in Höhe von 118,8 Millionen Euro erwirtschaftet. Dennoch wurden sowohl Niebaum und Meier, als auch der Aufsichtsrat mit jeweils rund 90 Prozent entlastet.

"Die Friedhöfe sind voll mit Menschen, die glauben, sie seien unersetzbar. Ich halte mich nicht für unersetzbar. Ich nehme die Kritik ernst und verarbeite sie auch. Ich werde mit dem Präsidialausschuss diskutieren, wie es mit dem Geschäftsführer Meier weitergeht", sagte Manager Meier.

Heftige Kritik und Schuldzuweisungen

Auch zwei Tage nach dem Rücktritt von Niebaum als Präsident des BVB auf der emotionsgeladenen Mitgliederversammlung prasselten harsche Kritik und Schuldzuweisungen auf das Führungstandem nieder. "Es wurde mit extremem Risiko und ungeachtet der einfachsten wirtschaftlichen Regeln agiert", stellte Florian Homm, mit einem Aktienanteil von 25 Prozent Großaktionär (Anteil des BVB 19,9 Prozent) fest. Auch der Aufsichtsrat sei "in der Zockerphase" seinen Pflichten nicht nachgekommen.

Niebaum zeigte sich nach dem größten Verlust eines börsennotierten deutschen Unternehmens im vergangenen Geschäftsjahr äußerst selbstkritisch, gab einmal mehr Fehleinschätzungen zu und versprach: "Wir werden die Situation mit Aufrichtigkeit behandeln und wollen verantwortlich dafür sorgen, die Situation zu verbessern."

Homm fordert Besserung der Finanzlage

Im Wissen, Niebaum und Meier aus formell juristischen Gründen nicht sofort ablösen zu können, plädierte Homm für die Fortsetzung ihrer Arbeit. "Die Probleme sollen auch für die Lösung sorgen, weil ein gewisses Know-How besteht", erklärte der 45-Jährige. Mit dieser Meinung stand er relativ allein in der Halle. Doch in der Gewissheit, angesichts seiner prozentualen Anteile alle Zügel in der Hand zu halten, verriet der Finanzinvestor Gelassenheit und forderte eine kurzfristige Besserung der Finanzlage. Helfen soll unter anderem frisches Blut im Aufsichtsrat.

Baer und von Diemar sollen in den BVB-Aufsichtsrat kommen

Per Gerichtsbeschluss sollen der Schweizer Ruedi Baer und Unesco-Botschafter Othmar von Diemar in das Gremium installiert werden, um eine größere Kontrolle auf die Geschäftsführung ausüben zu können. Unternehmer Baer sprach den Aktionären aus der Seele und nahm Niebaum, der "bis auf weiteres" auf sein Honorar verzichtete, ins Visier. "Ich habe schon viele erlebt, die im Erfolg die Vernunft verloren haben. Erfolg kann man nicht kaufen. Man darf Visionen haben, doch man darf mit dem Geld fremder Leute nicht so unverschämt und übermütig umgehen", sagte der 62-Jährige, der einst als Präsident den Schweizer Erstligisten Young Boys Bern sanierte und anschließend zur Meisterschaft und Pokalsieg führte.

Spielerverkäufe werden nicht ausgeschlossen

Dennoch sieht Baer in Borussia Dortmund ein gutes Produkt ("Viele träumen davon"), um dass es sich zu kämpfen lohne. Doch eine Lösung zur Konsolidierung, die über das am vergangenen Freitag vorgestellte Konzept hinausgeht, konnten auch die zahlreichen Redner nicht liefern. Transfers von Spielern sind neben Gehaltskürzungen und Einsparungen in allen Geschäftsbereichen nicht ausgeschlossen.

Nach dem Programm von Niebaum und Meier in Zusammenarbeit mit der Unternehmensberatung Metrum soll das Fußball-Unternehmen schon in zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben.

Autor: ds

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