Wolfsburg "Außenseiter im Kampf um die Spitze"

11. November 2004, 11:45 Uhr

Der Wolfsburger Trainer Erik Gerets äußerte sich im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) zur momentanen Auswärtsschwäche seiner Mannschaft, die Abwehrprobleme und die Chancen auf den Titel.

Zwischen Abstiegskampf und Tabellenspitze liegen beim VfL Wolfsburg sieben Monate. Der Sport-Informations-Dienst (sid) sprach mit dem VfL-Trainer Erik Gerets über den bisherigen Saisonverlauf und die gestiegenen Erwartungen an die Mannschaft.

sid: "Der VfL Wolfsburg ist auch vor dem 13. Spieltag noch Bundesliga-Spitzenreiter, die Tendenz zeigte zuletzt jedoch nach unten. Erik Gerets, wie ist derzeit Ihre Gemütslage?"

Erik Gerets: "Ich sehe vor allem das Positive: Natürlich tun Niederlagen wie zuletzt das 0:4 in Nürnberg weh, aber Rückschläge gibt es immer, und unter dem Strich haben wir bisher eine großartige Saison gespielt."

sid: "Sehen Sie die Gefahr, dass der gute Eindruck des besten Saisonstarts der Vereinsgeschichte nach und nach verspielt wird?"

Gerets: "Die Mannschaft weiß, dass sie besser spielen kann, als in Nürnberg, und ich bin überzeugt, dass sie das schon im Heimspiel gegen Stuttgart zeigen wird. Ich glaube, dass wir bis zur Winterpause noch einige Punkte holen werden."

sid: "Zu Hause mit fünf Siegen in Folge eine Macht, in gegnerischen Stadien nach drei Niederlagen zuletzt nur ein Punktelieferant - ist der VfL auf dem Weg zurück zur altbekannten Auswärtsschwäche?"

Gerets: "Klar ist, dass wir wieder einmal ein gutes Auswärtsspiel brauchen - so wie wir es in Bremen, in Rostock und lange Zeit auch bei der 0:3-Niederlage in Hannover schon gezeigt haben."

sid: "Auch die schon überwunden geglaubten Abwehrprobleme sind offenbar zurückgekehrt. Oder wie bewerten Sie die neun Gegentreffer aus den letzten drei Spielen?"

Gerets: "Das ist schrecklich! Ich bin mein ganzes Leben ein Verteidiger gewesen, da kann man sich vorstellen, wie sehr mich dieser Rückfall wurmt. Einige Spieler haben im Moment nicht die Form, die sie zu Saisonbeginn gezeigt haben. Aber daran arbeiten wir intensiv im Training und in Einzelgesprächen."

sid: "Denken Sie auch darüber nach, die Mannschaft in der Winterpause noch weiter zu verstärken?"

Gerets: "Nein. Für die laufende Saison gibt es diese Überlegungen nicht."

sid: "Ist das Team mit seinem derzeitigen Potenzial denn auf Augenhöhe mit den schärfsten Konkurrenten Schalke, Bayern München, Stuttgart und Werder Bremen?"

Gerets: "Im Kampf um die Spitze waren, sind und bleiben wir Außenseiter. Aber im direkten Vergleich haben wir einige dieser Mannschaften schon geschlagen. Wir müssen uns vor keinem Gegner verstecken und können an einem guten Tag jeden schlagen. So gesehen haben wir es verdient, zurzeit ganz oben zu stehen."

sid: "Zudem tanzen die anderen Top-Teams noch mindestens auf zwei - wenn nicht gar drei - Hochzeiten, während Sie sich auf die Bundesliga konzentrieren können. Wie groß sehen Sie diesen Vorteil?"

Gerets: "Sehr groß. Wir haben sicher schon davon profitiert, und ich erwarte, dass wir das auch weiterhin tun."

sid: "Trotzdem sagen Sie immer wieder, dass es Unsinn sei, in Wolfsburg derzeit von Meisterschaft zu reden. Warum kann der VfL in dieser Saison noch nicht Meister werden?"

Gerets: "Ganz einfach: Weil wir uns noch zu viele Ausrutscher leisten. Außerdem kann ein Team, das vor sieben Monaten noch gegen den Abstieg gekämpft hat, nicht heute plötzlich Titelanwärter sein. Ein Märchen, wie es der 1. FC Kaiserslautern als Aufsteiger mit der Meisterschaft vor ein paar Jahren wahr gemacht hat, passiert nur alle 500 Jahre."

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