Kaum ein Papier hat in der Essener Kommunalpolitik in den letzten Wochen für so viel Wirbel gesorgt, wie der „Masterplan Sport“. Seit der Veröffentlichung im September hingen die im Masterplan veranschlagten Schließungen von neun Essener Sportplätzen wie das sprichwörtliche Damokles-Schwert über den betroffenen Vereinen. (Revierkick berichtete) Was folgte war eine Mobilmachung die in dieser Form selbst die Erwartungen der Veranstalter übertraf. Zahlreiche Demonstrationen, Unterschriftenlisten und Protestschreiben ließen das zarte Pflänzchen Hoffnung auf den Erhalt der heimischen Platzanlagen bei den Leidtragenden wieder sprießen. Doch nach der vermeintlich alles entscheidenden Ratssitzung am 29. November ist die Essener Amateurfußball-Szene wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt: Die Stadt hält an der geplanten Schließung der Sportanlagen fest. Zumindest herrscht jetzt Klarheit. Sollte man glauben. Revierkick sprach mit den Betroffenen und gibt eine Bestandsaufnahme aus Perspektive der Vereine.

Essen: Masterplan Sport: Wie geht es nach dem Beschluss bei den Vereinen weiter?

"Dann wird es sehr schwer, den Fortbestand zu sichern"

Aaron Knopp
13. Dezember 2006, 12:52 Uhr

Kaum ein Papier hat in der Essener Kommunalpolitik in den letzten Wochen für so viel Wirbel gesorgt, wie der „Masterplan Sport“. Seit der Veröffentlichung im September hingen die im Masterplan veranschlagten Schließungen von neun Essener Sportplätzen wie das sprichwörtliche Damokles-Schwert über den betroffenen Vereinen. (Revierkick berichtete) Was folgte war eine Mobilmachung die in dieser Form selbst die Erwartungen der Veranstalter übertraf. Zahlreiche Demonstrationen, Unterschriftenlisten und Protestschreiben ließen das zarte Pflänzchen Hoffnung auf den Erhalt der heimischen Platzanlagen bei den Leidtragenden wieder sprießen. Doch nach der vermeintlich alles entscheidenden Ratssitzung am 29. November ist die Essener Amateurfußball-Szene wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt: Die Stadt hält an der geplanten Schließung der Sportanlagen fest. Zumindest herrscht jetzt Klarheit. Sollte man glauben. Revierkick sprach mit den Betroffenen und gibt eine Bestandsaufnahme aus Perspektive der Vereine.

Sportanlage Hamburger Straße: DJK VfB Essen-Frohnhausen:

Die Schließung ist beschlossen. Offen bleibt die Frage nach dem Termin: „Der vorgesehene Termin 30.6.2007 wird wohl nicht umgesetzt. In einem halben Jahr können wir den Umzug gar nicht bewältigen“ glaubt Dirk Schocke, 1. Vorsitzender des VfB. „Wenn wir dann auf der Sportanlage Raumerstraße angekommen sind, stellt sich die Frage, wie es weiter gehen wird. Wir sind dann dort sofort der größte Verein und werden sehen, es klappt. Es wird auf jeden Fall schwer werden. Mit SC Türkiyemspor Essen und SC Phönix Essen sind ja schon zwei Vereine dort ansäßig und wir werden sehen, ob sie uns unterstützen oder gegen uns arbeiten. Der 1. Vorsitzende des SC Phönix, Udo Karnath hat schon angekündigt, uns nicht zu unterstützen. Die Aussichten sind also nicht sehr positiv.“

Sportanlage Serlostraße: TuRa 1886 Essen e.V.

„Der Masterplan sieht einen Wechsel zur Sportanlage an der Bockmühle vor. Dort sind schon zwei Mannschaften ansäßig und es findet noch Betriebssport statt. Die Kapazität reicht dort für alle Vereine einfach nicht aus“, befürchtet TuRa86-Geschäftsführer Dieter Kastner. „Die Schließung ist bei uns glücklicherweise erst für 2010 geplant. Das ist zwar einerseits noch weit weg, andererseits aber auch nicht mehr sehr lange hin.“ Dann fürchtet Kastner auch unmittelbare Auswirkungen auf den Spielbetrieb: „Die Anzahl der Mannschaften wird sich mit Sicherheit reduzieren. Altendorf ist ein Stadtteil mit sehr hohem Ausländer-Anteil. In unseren Jugendmannschaften spielen zum Teil 70 bis 80% ausländische Mitbürger. Die würden einen Umzug mit Sicherheit nicht mitmachen, sondern entweder den Verein wechseln oder gar nichts mehr machen.“
Sportplatz Bergmannsbusch: TC Freisenbruch

Friedhelm Ingenhag, Vorstandsmitglied und Trainer der 1. Mannschaft, weiß ausnahmsweise Positives zu berichten: „Wir sind der einzige Verein, der noch eine Chance hat.“ Im „Kleingedruckten“ offenbaren sich dann jedoch Bedingungen, die zumindest leise Zweifel an dem Fortbestand des Sportplatzes aufkommen lassen. „Unsere Anlage blieb bei dem Ratsbeschluss außen vor. Wir können die Anlage weiterhin nutzen, wenn der Stadt keine Kosten entstehen. Im Masterplan sind die jährlichen Betriebskosten mit 23.000 Euro veranschlagt. Da frage ich mich: wie sollen wir als Bezirksligist das finanzieren. Das ist unmöglich, um nicht zu sagen lächerlich“, schimpft Ingenhag. „Der Essener Sportbund hat aber eine andere Empfehlung ausgesprochen. Demnach soll die Stadt weiter die Betriebskosten tragen, während wir für anfällige Reparaturen und Instandsetzungskosten aufkommen. Einen Großteil davon haben wir sowieso schon gemacht. Anfang des Jahres findet eine Hauptversammlung statt, auf der wir nochmal ein entsprechendes Pamphlet verabschieden werden. Ich denke aber, dass wir ganz gute Chancen haben. Einige Abgeordnete haben sich uns gegenüber da schon ganz positiv geäußert. Aber bei der Politik bin ich sehr vorsichtig.“ Sollten die Bemühungen entgegen den Erwartungen nicht fruchten, bedeute das wohl "das Ende des Vereins".

Sportplatz Hinseler Hof: Blau-Gelb Überruhr

Die Schließung ist beschlossene Sache. Die benachbarte Anlage bietet ausreichend Kapazität, um den Spielbetrieb aller Mannschaften aufrechtzuerhalten. Dafür bestehen in anderen Belangen erhebliche Mängel, wie Dieter Siebers, 2. Vorsitzender zu berichten weiß: „Ich finde die Sache politisch gesehen zum Kotzen. Wenn ein Beschluss verabschiedet wird, ist das keine Politik für die Bürger. Meine persönliche Meinung ist, dass es bei der Entscheidung auch um Posten- und Positionenschieberei gegangen ist. Einige Abgeordnete hatten sich schon klar dagegen ausgesprochen und haben doch dafür gestimmt. Jetzt müssen wir irgendwie damit leben und versuchen, die bestmöglichen Rahmenbedingungen für den Verein zu schaffen. Wir besitzen zum Beispiel für unser Klubhaus noch drei Jahre Pachtvertrag. Wir denken, dass das getrennt von der Anlage weiter genutzt werden können muss. Da würden wir gegebenenfalls auch prüfen, inwieweit man da Schadensersatz einklagen kann. Auf der neuen Platzanlage könnte man zwar alle Mannschaften unterbringen, aber es sind überhaupt keine Rahmenbedingungen vorhanden. Es gibt kein Klubhaus, es gibt keine Möglichkeit, unsere sechs Waschmaschinen unterzubringen und so weiter.“ Die aktuelle Lage ist für Siebers der „Worst Case“. Sollte sich daran nichts ändern, hält er es für „sehr schwer, den Fortbestand des Vereins zu sichern“. Fügt aber hinzu: „Ich kann mir schwer vorstellen, dass nach dem Schwachsinn Masterplan Sport auch noch zugelassen wird, dass Vereine kaputtgehen.“

Autor: Aaron Knopp

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