BVB - Nur noch Sarkasmus

25. Oktober 2004, 10:09 Uhr

Das schwarz-gelbe Fass ist nicht nur voll, es ist sogar übergelaufen. Selbst die Treuesten der Treuen sind stocksauer:

Das schwarz-gelbe Fass ist nicht nur voll, es ist sogar übergelaufen. Selbst die Treuesten der Treuen sind stocksauer: "Wir haben die Schnauze voll." Zeitweise flüchteten sich die Dortmunder Fans sogar in Sarkasmus, von der Südtribüne schallte es tausendfach, "Zweite Liga, Dortmund ist dabei."

Ein Mal in Stimmung geraten, schob die Kulisse nach: "So ein Tag, so wunderschön wie heute" oder "Zugabe, Zugabe". Nach dem Schlusspfiff war der Zorn des Volkes nicht verflogen, sondern so richtig aufgestaut. Deshalb blockierten einige hundert Anhänger den Ausgang an der Nordtribüne. Damit die Spieler sich nicht heimlich aus dem Stadion schleichen konnten, "bewachten" sie auch den Parkplatz, auf dem die PKWs der sogenannten Profis stehen. Sebastian Kehl, Tomas Rosicky, Christoph Metzelder und Stefan Reuter marschierten an das Tor, um die Massen zu beruhigen, die aber weiter wetterten: "Wir sind Borussen und ihr nicht."

Tomas Rosicky: "Es ist doch klar, dass in der jetzigen Situation beim BVB niemand zufrieden sein kann. Ich habe nie damit gerechnet, dass wir so tief abrutschen können." Auch Michael Meier zeigte Verständnis für die erboste Anhänger-Schar: "Mit diesem Spiel kann niemand einverstanden sein." Allerdings ging er nicht mit allen Unmutsbekundungen der Massen konform: "Es kann nicht sein, dass Roman Weidenfeller im eigenen Stadion niedergemacht wird. Wenn der Trainer sich für ihn entscheidet, dann muss man ihm auch den Rahmen bieten, der ihm vom Respekt her gebührt." Nach dem 0:2, das Leonardo Dede übrigens als Eigentor verschuldete, als er Jarolims Schuss noch abfälschte, hallten höhnische "Warmuz, Warmuz"-Rufe in Richtung des Ex-Lauterers, der an beiden Treffern nicht viel machen konnte.

Pressesprecher Josef Schneck griff sogar zum Megaphon, um halbwegs für Ruhe zu sorgen, damit eine Diskussion zwischen Fans und Spielern in Gang kommen konnte. Zur Erinnerung: Schon in der letzten Saison hatten die Zuschauer nach der 0:1-Pleite in Stuttgart mit einer Sitzblockade die Abfahrt des Mannschaftsbusses verhindert. Damals wie heute präsentierte sich auf dem Rasen eine leblose Mannschaft, von der Leonardo Dede immer noch sagt, "sie hat Charakter." Doch dann soll sie ihn auch zeigen, denn es gehört auch zu den Erfordernissen eines bezahlten Bundesligaspielers, dass er im Negativ-Fall dem Druck standhält und ansatzweise seine Leistung bringt. Vielleicht ist es für die Borussen deshalb gut, dass der BVB von den nächsten fünf Pflichtspielen vier auswärts bestreiten muss. Möglicherweise kann in der Fremde ansatzweise eine Rehabilitation gelingen, die auch die scheinbar unzähligen BVB-Anhänger, gestern weilten wieder 78.000 im einstigen Freudentempel, beschwichtigt.

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