Im Interview: Gerd Ott (Ex-Coach TV Jahn Hiesfeld)

„Recht billig und primitiv“

Andreas Gellert
06. Dezember 2006, 16:27 Uhr

Sonntag Nachmittag: 16.15 Uhr. Die Sache ist amtlich, Gerd Ott ist als Coach des Landesligisten TV Jahn Hiesfeld offiziell entlassen worden. Als Nachfolger übernimmt der Ex-Bundesligaprofi und derzeitige Regionalliga-Spieler des VfL Osnabrück Markus Feldhoff das Trainer-Amt bei den „Veilchen“. Wenige Minuten nach dem Abpfiff und der 0:1-Niederlage wurde der „Neue“ offiziell vorgestellt. revierkick.de sprach mit Ex-Linienchef Gerd Ott über die (Hinter-)Gründe der Entlassung, seine Enttäuschung und seine Ziele.

revierkick.de: Hallo Gerd Ott, Ex-Trainer der „Veilchen“, wie ist Ihnen denn die Entlassung mitgeteilt worden?

Ott: Direkt nach dem Schlusspfiff bin ich ins Vorstandszimmer gerufen worden, wo ich von meinen Vorstandskollegen mit sofortiger Wirkung entlassen wurde. Als offizielle Begründung wurde das sportliche Abschneiden genannt. Es kam wie aus heiterem Himmel für mich, als wenn man nach Hause kommt und deine Frau sagt: „Schatz, ich lasse mich scheiden!“

revierkick.de: Konnten Sie das nachvollziehen?
[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_182.jpg Die Zeit beim TV Jahn Hiesfeld ist für Gerd Ott abgelaufen (Foto: w-click).[/imgbox]
Ott: Eigentlich nicht, weil die personellen Probleme mit dem Kader bekannt waren. Das wussten die Kollegen, wir haben ausführlich darüber gesprochen und Geld für neue Spieler war auch nicht da. Geld, das komischer nun für zwei Trainer und neue Spieler da sein soll, wie man Markus Feldhoff zugesichert hat. Das ist schon sehr komisch. Zudem haben wir im letzten Jahr die beste Landesliga-Saison des TV Jahn gespielt.

revierkick.de: Für Sie ein Nackenschlag, weil Sie ja auch hinter den Kulissen des Vereins tätig sind, oder?!

Ott: Ja, mein Vertrauen ist zutiefst missbraucht worden. Ich bin damals vom Vorstand angesprochen worden, ob ich denn da nicht auch mithelfen könnte. Da habe ich natürlich zugesagt, weil mir der Verein sehr am Herzen lag und ich ihm helfen wollte. Nebenbei habe ich auch die Stadionzeitung realisiert. Zudem war ich sehr aktiv im Aufbau der A- und B-Jugend, habe immer wieder junge Kräfte nach oben und in die Senioren geführt. Man kann sagen, dass ich als eine Art ,Sportlicher Leiter’ fungiert habe. Aber welchen Umgang man hier neuerdings pflegt, ist nicht gut. Was gilt denn noch ein Wort?! Es ist alles recht billig und primitiv gelaufen, das ist ganz schlechter Stil.

revierkick.de: Wie war die Reaktion bei Ihren ehemaligen Spielern?

Ott: Die halten zu mir. Bei der Verkündung durch meine Person sind Tränen geflossen, die wussten von der ganzen Sache überhaupt nichts.

revierkick.de: Wären Sie denn auch von alleine gegangen, wenn man das Gespräch mit Ihnen gesucht hätte?

Ott: Natürlich! Nach den Querelen in den letzten Wochen hatten alle die Möglichkeit, mit mir zu sprechen. Wenn man mich gefragt hätte, sollen wir es mit einem anderen Trainer versuchen, um neue Reize und Impulse zu setzen, dann wäre ich der Letzte gewesen, der gesagt hätte, ich bleibe. Das hätte ich allein zum Wohle des Vereins getan. Stattdessen hat man hinter meinen Rücken den Kontakt zu Feldhoff gesucht.

revierkick.de: Wie geht es nun bei Ihnen weiter?

Ott: Im Moment will ich nichts machen, obwohl ich schon ein Angebot auf dem Tisch habe. Meine volle Konzentration gilt zurzeit meinem eigentlichen Job, der mich auch zehn Stunden am Tag beansprucht.

Autor: Andreas Gellert

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