Am 9. Spieltag der Bundesliga muss Tabellenschlusslicht Hamburger SV heute Nachmittag bei Borussia Dortmund antreten. Auf der Trainerbank der Hanseaten wird dabei erstmals Thomas Doll als neuer Chefcoach Platz nehmen.

HSV-Coach Doll gibt seinen Einstand gegen den BVB

23. Oktober 2004, 09:30 Uhr

Am 9. Spieltag der Bundesliga muss Tabellenschlusslicht Hamburger SV heute Nachmittag bei Borussia Dortmund antreten. Auf der Trainerbank der Hanseaten wird dabei erstmals Thomas Doll als neuer Chefcoach Platz nehmen.

Die Bundesliga begrüßt am heutigen Samstag (15.30 Uhr/live bei Premiere) im Dortmunder Westfalenstadion einen neuen Cheftrainer. Auf der Bank des Gastes aus Hamburg wird heute erstmals der neue Trainer Thomas Doll sitzen. Die Fotografen im Dortmunder Westfalenstadion stehen dabei vor einer schweren Entscheidung: Sollen sie ihre Objektive lieber auf Thomas Doll richten oder auf Reinhard Rauball? Auf den Trainer-Novizen beim Gast Hamburger SV oder den Comeback-Präsidenten bei Borussia Dortmund? Nach turbulenten Wochen mit sportlichem Frust bei den einen und einem beispiellosen Finanzchaos bei den anderen sollen Doll und Rauball jeweils für einen Neuanfang sorgen.

"Die Partie gegen den HSV ist ein absolutes Schlüsselspiel, da werden die Weichen für die nächsten Wochen gestellt", meinte der kommissarische BVB-Präsident Rauball und kündigte zugleich martialisch an: "Das Motto muss lauten: Sieg oder Blut am Pfosten." So ist das Duell zwischen dem daheim noch sieglosen Tabellen-13. und dem auswärts noch punktlosen Schlusslicht aus dem Norden das brisanteste Match des 9. Spieltages.

Doll greift tief in die Trickkiste

Mit Psychospielchen und vielen Gesprächen hat der 38 Jahre alte Ex-Nationalspieler Doll im Training wieder frischen Wind in die HSV-Truppe gebracht. Seine Aufmunterungen und Anfeuerungen stecken scheinbar an. "Wir werden in Dortmund leidenschaftlich kämpfen", sagte Doll, "ich sehe das in den Augen der Spieler". BVB-Coach Bart van Marwijk ist dann auch gar nicht so glücklich über die Inthronisation des neuen Kollegen: "Der HSV ist dadurch besonders gefährlich."

Während die Hanseaten bereits am Sonntag mit der Entlassung von Trainer Klaus Toppmöller auf die sportliche Krise reagiert hatten, steht Coach Kurt Jara beim Vorletzten 1. FC Kaiserslautern die Nagelprobe im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen bevor. Es ist die letzte Chance des Österreichers, Werner Lorant steht angeblich schon als möglicher Nachfolger bereit.

Jara zum Siegen verdammt

Präsident Rene C. Jäggi hatte in der Woche die FCK-Profis mit einer "Brandrede" heiß gemacht, gleichzeitig jedoch in Bezug auf Jara schon angedeutet: "Die Mechanismen gelten - es darf nicht noch ein Berlin-Spiel geben." Die Partie gegen Hertha BSC hatte der FCK mit 0:2 verloren. Gegner Bayer kommt allerdings mit frischem Selbstvertrauen nach dem Erfolg gegen den AS Rom und strebt seinen ersten Auswärtssieg an. "Wenn wir verlieren, hat der FCK besser gekämpft", meinte Trainer Klaus Augenthaler, "denn spielerisch sind wir besser."

Frisches Selbstvertrauen aus der Champions League redet auch Trainer Felix Magath trotz der 0:1-Niederlage bei Juventus Turin seinen Schützlingen vom FC Bayern München vor der Partie bei Hansa Rostock ein: "Wenn wir diese Linie beibehalten, werden wir auch in der Bundesliga unsere Punkte machen und weiter nach vorne kommen."

Verletzungssorgen bei Bayern

Die Vorzeichen für einen Bayern-Erfolg stehen allerdings schlecht. Nach dem Abschlusstraining am Freitagnachmittag mussten Michael Ballack (Sprunggelenk), Ze Roberto (Oberschenkel), Tobias Rau (Sprunggelenk) und Weltmeister Lucio (Kniebeschwerden) wegen Verletzung kurzfristig passen. Der deutsche Rekordmeister trat die Reise an die Ostsee mit nur 17 Spielern an, nachdem zuvor bereits Sebastian Deisler, Claudio Pizarro, Roque Santa Cruz und Alexander Zickler auf der Ausfall-Liste gestanden hatten.

Die Rückkehr an die Tabellenspitze strebt der VfL Wolfsburg im Heimspiel gegen den VfL Bochum an. Da der VfB Stuttgart erst am Sonntag (17.30 Uhr/live bei Premiere) beim SC Freiburg antritt, würden die Niedersachsen mit einem Sieg für 26 Stunden wieder Platz eins übernehmen. Pikant ist dabei das Wiedersehen mit dem Bochumer Stürmer Peter Madsen, der im März 2003 zum VfL wechselte. Der Däne und sein Ex-Verein Bröndby Kopenhagen fordern von den Wolfsburgern insgesamt rund eine Million Euro.

Brisante Rückkehr von Lienen nach Gladbach

Brisant dürfte auch die Rückkehr von Torwart Robert Enke und Trainer Ewald Lienen mit Hannover 96 nach Mönchengladbach werden. Der Keeper hatte die Borussia nach dem Abstieg 1999 verlassen, die Fans aber werteten seinen Abgang als Fahnenflucht. "Das hat Reaktionen hervorgerufen, die nicht erfreulich waren", erinnert sich der Schlussmann. Lienen wurde im September 2003 in Gladbach entlassen und von Holger Fach abgelöst. "Dort bin ich so wie noch nie behandelt worden", meinte der Trainer zu seiner damaligen Beurlaubung.

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