Neuer Ärger beim Bundesligisten Borussia Dortmund: Die hoch bezahlten Stars warten seit zwei Wochen auf ihre Juli-Gehälter. Manager Michael Meier beschwichtigt:

Verwirrung um BVB-Gehälter

16. August 2004, 17:39 Uhr

Neuer Ärger beim Bundesligisten Borussia Dortmund: Die hoch bezahlten Stars warten seit zwei Wochen auf ihre Juli-Gehälter. Manager Michael Meier beschwichtigt: "Ganz normale Änderungen der Zahlungsmodalitäten."

Die wirtschaftliche Entwicklung bei Borussia Dortmund sorgt erneut für Aufregung. Seit zwei Wochen warten die Profis des Bundesligisten auf ihre Juli-Gehälter in Höhe von angeblich insgesamt 2,5 Millionen Euro. Die Spekulationen um die desolate Finanzlage der Westfalen, deren Saisonminus auf rund 50 Millionen Euro hochgerechnet wird, erhielten neue Nahrung.

Bisher ist die Borussia ihren Zahlungsverpflichtungen stets nachgekommen, einige Tage früher oder später - bis Juli. Am vergangenen Freitag, einen Tag vor dem ersten Saisonsieg (3:2 in Mönchengladbach), so berichtet das Fachmagazin kicker, verzeichneten die Spieler auf ihren Konten noch keine Eingänge, was sicherlich verwundert, betrugen doch die Einnahmen des Klubs allein aus dem Verkauf von 48.000 Dauerkarten rund zehn Millionen Euro. Mit diesem Betrag sollte die erste Saisonhälfte mitfinanziert werden.

Meier will Eskalation verhindern

Manager Michael Meier versuchte eine Eskalation der Diskussion im Keim zu ersticken. Gegenüber den Ruhr-Nachrichten begründete er die Verzögerung der Zahlung mit einer "ganz normalen Änderungen der Zahlungsmodalitäten im Januar". Die Gehälter werden demnach bereits seit Beginn des Jahres erst am 15. eines jeden Monats ausbezahlt - angeblich, um Zinsgewinne zu erzielen.

"Es besteht keine Veranlassung, erneut das Szenario eines notleidenden Vereins zu beschreiben", wird Meier im kicker zitiert. Die Umstellung der Zahlungsweise sei den Spielern nicht mitgeteilt worden, um "vor dem Hintergrund der Diskussion um Urlaubsgeld und Sonntagszuschläge keine neue Diskussionen zu eröffnen". Die Zahlung der Juli-Gehälter sei inzwischen erfolgt, hieß es in einer Pressemitteilung am Montag. "Ich fordere alle auf, sich an den Fakten zu orientieren. Faktum ist, dass die Gehälter stets gezahlt wurden. Es ist nichts Außergewöhnliches passiert, und mit Liquiditätsproblemen hat das alles nichts zu tun", unterstrich Meier.

BVB nimmt womöglich neue Kredite auf

Dennoch haben die neuen Negativ-Schlagzeilen für einige Verunsicherung gesorgt. Wie die Süddeutsche Zeitung erfahren haben will, sei speziell in der vergangenen Woche in der Chefetage des sechsmaligen deutschen Meisters fieberhaft an der Erschließung neuer Einnahmequellen gearbeitet worden. Dabei könnte es sich auch um weitere Kredite gehandelt haben.

Die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) belasten gemäß der im Februar veröffentlichten Halbjahresbilanz Gesamt-Verbindlichkeiten von 112,9 Millionen Euro. Zuletzt sorgte der BVB für Ernüchterung, weil er in einem halben Jahr einen Rekordverlust von 29,4 Millionen Euro verzeichnet hatte. Am Saisonende könnte der Schuldenberg auf 150 Millionen Euro angewachsen sein. Sportliche Erfolge allein können Dortmund nicht mehr aus seinem finanziellen Dilemma befreien.

Der Druck auf die Verantwortlichen wächst. Erste kritische Reaktionen wurden beim Saisonauftakt gegen den VfL Wolfsburg (1:2) selbst von treuesten Fans auf der Südtribüne des Westfalenstadions ausgemacht. "Willkommen im Irrenhaus der Liga, Herr Niebaum", prangte auf einem riesigen Transparent.

Doch BVB-Präsident Gerd Niebaum, dem die momentane Situation wegen seiner unangemessener Personalpolitik angelastet wird, schließt trotz zunehmender Kritik an seiner Person einen Rücktritt aus und will stattdessen bis zum Jahr 2010 im Amt bleiben. Auf jeden Fall wolle der 55 Jahre alte Jurist seine Amtszeit trotz finanzieller und sportlicher Schwierigkeiten des Klubs bis zur Jahreshauptversammlung am 18. November 2006 erfüllen.

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