Bald 20 Jahre war es her, dass die Bundesliga einen Unparteiischen aus dem Kreis Unna-Hamm gesehen hatte. Im Sommer 2008 beendete die Nominierung von René Kunsleben (32) als Schiedsrichterassistent diese Durststrecke.

René Kunsleben ist Hamms einziger Erstliga-Schiri

"Als Spieler nur A-Liga"

Christopher Weckwerth
04. April 2009, 11:03 Uhr

Bald 20 Jahre war es her, dass die Bundesliga einen Unparteiischen aus dem Kreis Unna-Hamm gesehen hatte. Im Sommer 2008 beendete die Nominierung von René Kunsleben (32) als Schiedsrichterassistent diese Durststrecke.

Die neue Präsenz honorierte sein Heimatklub TuS Lohauserholz jüngst mit einer eigens dafür eingeführten Sonderehrung für „besondere Verdienste um den Verein“.

„Der letzte Bundesliga-Schiedsrichter aus dem Kreis war Karl-Heinz Fork. Aber das ist bestimmt schon 30 Jahre her“, erinnert sich Michael Allery, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Kreis, an Kunslebens Vorgänger.
Von der Bundesliga-Gründung im Jahr 1963 an bis 1977 pfiff Fork in der deutschen Eliteklasse. Seither schafften es vor Kunsleben, der als Linienrichter und vierter Offizieller eingesetzt wird, aber nur noch drei Assistenten dorthin – der letzte hörte Anfang der 1990er auf.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/011/290-11685_preview.jpeg Foto: Weckwerth.[/imgbox]
Als Fußballer lediglich bis zur A-Jugend aktiv, intensivierte Kunsleben fortan die Schiedsrichter-Ausbildung: „Im Nachhinein natürlich die richtige Entscheidung. Als Spieler wäre ich über die A-Liga nicht hinausgekommen.“

Als Referee schaffte es der heute 32-Jährige bis in die dritte Liga. 2007 wurde klar, dass er nicht weiter aufsteigen würde – es sei denn als Assistent. Auch diese Spezialisierung erwies sich schnell als richtig. Zeit selbst zu pfeifen bleibt durch die regelmäßigen Bundesliga-Einsätze jedoch kaum mehr. Die NRW-Liga ist jetzt die höchstmögliche für ihn, dort wurde er in dieser Spielzeit erst einmal eingesetzt.

Für den Diplom-Betriebswirt kam die Berufung in die Bundesliga „überraschend“, wie er nüchtern feststellt. Keine Euphorie? Kein Traum, der in Erfüllung ging? „Sicher habe ich mich gefreut, aber vor allem hatte ich damit nicht gerechnet.“

Dann das Debüt: 16. August 2008, Stadion der Freundschaft, Cottbus gegen Hoffenheim. Da war der Unparteiische schon etwas aufgeregt, gestenreich unterlegt er seine Worte: „Die Bundesliga ist wirklich eine andere Welt, selbst von der zweiten Liga ist das ein Quantensprung! Aber mit dem erstem Einlaufen war die Konzentration da und es lief.“ Diesem Mann ist wahrlich zuzutrauen, dass er auch in der hitzigsten Diskussion in der Coaching-Zone einen kühlen Kopf bewahrt.

Zu einer solchen Auseinandersetzung ist es für ihn bisher noch nicht gekommen. Für einen Schiedsrichter ein Grund zur Freude: „Wenn nichts Besonderes passiert, sind wir froh. Wir wollen ja im Hintergrund bleiben – und bis jetzt, toi toi toi“, sagt Kunsleben und klopft dreimal auf Holz.

Einen Aufreger gab es dennoch. Im Dezember 2008 war der Hammer als Linienrichter bei der Partie Karlsruhe gegen Bremen im Einsatz. Nachdem Claudio Pizarro in der 90. Minute des Feldes verwiesen wurde, ging Diego einem Karlsruher an die Gurgel – unbemerkt von den Schiedsrichtern, weil alle die erste Rote Karte notierten. Kunsleben blickt konzentriert und lässt die Szene im Geiste Revue passieren, während er das erzählt. „Da müssen wir die Abstimmung im Gespann verbessern, das darf nicht noch mal passieren“, sagt er.

Dabei, räumt er ein, ergehe es ihm am TV bei der ein oder anderen umstrittenen Situation nicht anders als dem Durchschnitts-Fan. „Da frage ich mich genauso, was war da denn? Aber wir sind eben auch Menschen, daher kann es nur darum gehen, die Fehlerquote so gering wie möglich zu halten.“ Trotzdem hat er Verständnis für die häufige Kritik an den Referees: „Das gehört zum Fußball. Wir müssen uns ständig hinterfragen.“

Helfen sollen dabei die sofortige Video-Analyse der Leistung nach Spielende, der Austausch mit den Kollegen sowie ein Bewertungsbogen des Schiedsrichter-Beobachters. Hinzu kommen regelmäßige Regel-, Praxis- und Fitnesschecks, auch unter der Saison. Der Katalog, der für eine einheitliche Regelauslegung sorgen soll, ist umfangreich.

Seine Sonderstellung als derzeit einziger Bundesligist unter den Schiris in Unna-Hamm sieht Kunsleben ziemlich gelassen, aber: „Ein Ziel wäre es für mich auf jeden Fall, in allen Bundesliga-Stadien einmal assistiert zu haben.“

Auf die Stadien der westfälischen Bundesligisten aus Dortmund, Schalke, Bochum und Bielefeld wird er allerdings verzichten müssen: Im eigenen Landesverband wird Kunsleben – wie alle anderen Schiedsrichter auch – bei deren Pflichtspielen nicht eingesetzt. Ende März konnte er dafür seinen ersten Auslandseinsatz verbuchen – als Linienmann in Waterford beim Spiel der U21-Teams von Irland und Spanien.

Autor: Christopher Weckwerth

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