Wie sie die neuesten Entwicklungen bei den Königsblauen beurteilen sollen, wissen sie noch nicht so genau. Zu groß ist die Skepsis, ob der durch den Schalker Vorstand angekündigte Paradigmenwechsel in der Vereinspolitik tatsächlich durchgeführt wird.

Traditionsveteranen im Einsatz für das alte Schalke

Verlorene Emotionen zurückholen

03. April 2009, 16:13 Uhr

Wie sie die neuesten Entwicklungen bei den Königsblauen beurteilen sollen, wissen sie noch nicht so genau. Zu groß ist die Skepsis, ob der durch den Schalker Vorstand angekündigte Paradigmenwechsel in der Vereinspolitik tatsächlich durchgeführt wird. "Ein Schritt in die richtige Richtung wäre es", sind sich die "Traditionsveteranen" aber einig.

Seit Mitte 2008 ist das "Anno 1904", inzwischen auch Vereinsheim des "FC Schalke 04 Supporters Club e.V.", Anlaufstelle für die jüngste der überregionalen Schalker Fanvertretungen.

Wie die "Ultras Gelsenkirchen", die ihren Treffpunkt an Spieltagen am Fantreff in den ehemaligen Büroräumen des Fanprojektes unter der Tribüne der Glückaufkampfbahn haben, haben sich auch die Traditionsveteranen einen Platz direkt an der Schalker Fanmeile ausgewählt. Im ehemaligen "Haus Kitzhöfer" schräg gegenüber der Fan-Kneipe "Auf Schalke" des Fan-Club Verbandes leben sie ihr Schalke-Gefühl. "Bei Heimspielen ab drei Stunden vor dem Anstoß", erklärt "Veteran" Bastian Bader.

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/011/288-11683_preview.jpeg Wirt Michael Funke zapft im "Anno 1904" (RS-Foto: Bunse)[/imgbox]

Dort wollen sie sich ihre verlorenen Emotionen zurückholen. Irgendwo "zwischen Leidenschaftslosigkeit und Lustlosigkeit" pendelte sich dieses Gefühl bei ihm und seinen Weggefährten in der letzten Zeit ein. Ein schleichender Prozess der Entfremdung sei es gewesen, der sich nach dem Umzug in die Arena im Verhältnis zwischen Fans und Verein abgespielt habe. "Durfte das nach den vielen Jahren, nach all den guten und schlechten Zeiten tatsächlich so sein? Nach all den Jahren, in denen man sehr viel in seine Liebe zu Schalke investiert hatte und wo man vieles, nicht nur fürs Fußballleben gelernt hatte?", fragten sich die Anhänger deshalb auf ihrer Homepage. Und beantworteten mit einem klaren Nein.

"Im Februar 2008 gründeten wir deshalb die Traditionsveteranen mit dem Ziel gegenzusteuern", erklärt Bader und war damit seiner Zeit wohl nur etwas voraus. Denn der Runde Tisch der Schalker Fanvertretungen, der jüngst mit der Aktion "Schalke sind Wir" in die selbe Kerbe schlug, attestierte, dass es offensichtlich nicht nur ihnen so erging. "Wir haben jetzt, ein gutes Jahr nach der Gründung bereits 80 Mitglieder, Tendenz steigend", möchten die Traditionsveteranen "eine Ergänzung zu den bislang bestehenden Gruppierungen darstellen und für alle Schalker offen sein".

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/011/286-11681_preview.jpeg Stammtisch jüngerer "Veteranen" (RS-Foto: Bunse)[/imgbox]

Aufgrund der noch geringen Größe und der kurzen Existenz ihrer Gemeinschaft wollen sie zunächst "eher punktuell" Akzente setzen, wie Bader erläutert. Wie jüngst mit einem Spruchband in der Arena. Auf dem war zu lesen: "Vermisst: Herz und Wille." Oder mit regelmäßigen der Schalker Tradition gewidmeten Abenden, an denen die zwischen 18 und 60 Jahre alten Schalker in Talkrunden mit ehemaligen Vereinsgrößen das alte Schalke wieder aufleben lassen.

Den Anfang machte im Februar der ehemaligen S04-Stürmer Klaus "Boxer" Täuber. Der Trainer des VfB Hüls plauderte in lockerer Atmosphäre mit Buchautor, Talkmaster und Shop-Betreiber Ben Redelings. Dass der Bochumer ein eingefleischter VfLer ist, gibt diesen Abenden nur den besonderen Reiz.

Genau deshalb soll auch keine Aufnahme in den Schalker Fan-Club Verband beantragt werden. "Der Verein muss einfach erkennen, dass er auf dem falschen Weg ist oder hoffentlich war", weist ein der Redaktion namentlich bekannter Schalke-Fan auf Aktionen "wie diese unsägliche Fan-Box und eine willkürliche Preispolitik bei den internationalen Spielen" hin.

Diese werden in der kommenden Saison voraussichtlich ohnehin in Gelsenkirchen nicht stattfinden. "Jeder will sportlichen Erfolg haben, aber nicht um jeden Preis. Eine Mannschaft, die von den Fans so weit entfernt ist wie die Erde vom Mond, darf hier nicht mehr auflaufen", fordert der Fan. Ebenso wie ein Umdenken im Bereich des Merchandising. "Hundenäpfe oder Tapeten mit Schalke-Emblem sind doch pervers."

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/010/369-10764_preview.jpeg Klaus "Boxer" Täuber war der erste Gast bei Ben Redelings' talkabend im Zeichen der S04-Tradition (RS-Foto: Bunse).[/imgbox]

Fußball nicht mehr nur konsumieren, sondern Fußball endlich wieder atmen, so könne man die Einstellung und das langfristig angelegte Konzept der Traditionsveteranen gegen ihre Schalke-Verdrossenheit auf den Punkt bringen. Die kurzfristige Umsetzung erfolgt alle 14 Tage im "Anno 1904".

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