Der Schock sitzt tief. Elf Spieltage vor Toreschluss steht der SV Schermbeck als erster Absteiger der NRW-Liga fest und erhält für die neue Saison keine Lizenz.

Schermbeck: Brilo übernimmt die Verantwortung

„Typisch Deutsch“

03. April 2009, 08:31 Uhr

Der Schock sitzt tief. Elf Spieltage vor Toreschluss steht der SV Schermbeck als erster Absteiger der NRW-Liga fest und erhält für die neue Saison keine Lizenz.

Grund: Die Unterlagen für den technisch-organisatorischen Bereich sind 15 Minuten zu spät eingereicht worden.

Schermbecks „Boss“ Johannes Brilo wollte die Papiere am 15. März persönlich beim Westdeutschen Fußball- und Leichtathletikverband in Duisburg abgeben. Als er merkte, dass er die gesetzte Frist von 15.30 Uhr nicht einhalten kann, informierte er die Verbandsfunktionäre telefonisch über seine Verspätung. Zwar nahmen die Verantwortlichen die Bewerbung noch an, doch jetzt kommt das Aus. RS sprach mit dem selbständigen Architekten über den enormen Rückschlag und wie es beim SVS weitergehen wird.

Herr Brilo, wie gehen Sie mit dem Lizenzentzug um?
Wir geben nicht auf. Wir werden versuchen, alle juristischen Mittel auszuschöpfen, um in das Verfahren wieder reinzurutschen. Denn als Gründungsmitglied der NRW-Liga wäre es klasse, wenn wir dabei bleiben könnten.

Was unternehmen Sie genau?

Wir beantragen zwei Dinge. Erstens: Die Wiedereinsetzung in den vorherigen Stand. Das gibt es in allen juristischen Bereichen, wenn eine unverschuldete Verspätung vorliegt. Zweitens: Der Weg der normalen Beschwerde. Innerhalb von zehn Tagen muss diese eingereicht und unser Fall noch einmal dem Fußball-Ausschuss vorgelegt werden. Zudem prüfen wir auch, ob die Verlängerung der Frist aufgrund des Feiertages regelkonform ist. In der Verfahrensordnung steht nämlich, dass sich die Frist auf den Ablauf des nächsten Tages verlagert. Und das wäre dann 23.59 Uhr und nicht 15.30 Uhr.

Warum sind Sie denn überhaupt zu spät gekommen?

Ich reiche die Unterlagen immer persönlich ein, bin aber aufgehalten worden. Schließlich bin ich ja berufstätig, mache das Ganze ehrenamtlich und bin auch abhängig von Dritten, die mir die Unterlagen zustellen. Aus sechs Wochen werden dann auch mal ganz schnell nur noch drei. Man kann immer sagen, dass wir die Unterlagen früher zusammenstellen sollen, doch das ist nicht immer möglich.

In der Liga sind die Lager gespalten. Sie ernten Zustimmung, aber einige Vereine haben auch kein Verständnis für die Verspätung. Denn der Termin stand seit Dezember fest.

Den Bock habe ich geschossen und übernehme auch die Verantwortung dafür. Der formaljuristische Fehler ist gegeben, aber wir können uns keine professionellen Strukturen leisten. Die Solidarbekundungen überwiegen allerdings. Es ist ein typisch deutsches Problem. Natürlich muss man die Fristen einhalten, aber es könnte ja auch einen Passus geben, der die Verhältnismäßigkeiten berücksichtigt.

Wie gehen Sie denn mit der Kritik um?

Ich habe ein breites Kreuz. Ich kann nicht von Allen verlangen, dass sie Verständnis zeigen. In Deutschland gibt es Tugenden und da wird die Pünktlichkeit groß geschrieben. Dann spielt es auch keine Rolle, dass der SV Schermbeck andere Sachen gut geleistet hat. Wir sind gefestigt genug, mit jeder Entscheidung umzugehen. Wir machen es jetzt nicht wie bei der Deutschen Bahn, treten zurück und übernehmen keine Verantwortung. Ich habe ja noch extra angerufen, aber mir wurde zu diesem Zeitpunkt keine Auskunft gegeben, ob die Unterlagen noch angenommen werden. Diese Politik der Reglementierung ist in meinen Augen einfach zu starr. Ich muss mich durch einen Dschungel an Verordnungen mogeln, den man gar nicht überblicken kann. Aber der Verband hat Angst vor einem Präzedenzfall. Manchmal muss man allerdings einfach mal seinen Umgang revidieren.

Werden Sie die Saison denn noch beenden, oder sparen Sie sich die Kohle?

Wir sind sportlich so aufgestellt, dass wir weiterspielen werden. Natürlich gibt es die Überlegung, aus wirtschaftlichen Gründen den Spielbetrieb einzustellen, denn schließlich müssen wir pro Heimspiel 250 Euro Verbandsabgaben bezahlen. Aber wir wollen die Geschichte fair beenden. Doch es ist ein Kuriosum, dass die Geschichte schon jetzt bekanntgegeben wird. Es wäre geschickter gewesen, es erst nach der Saison zu sagen. So ist es eine Wettbewerbsverzerrung.

Auf der zweiten Seite lesen Sie die Stellungnahme des Verbandes!

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