Matthias Sammer und Borussia Dortmund werden mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft getrennte Wege geben.

BVB - Ende der Sammer-Zeit naht

raka
29. Mai 2004, 21:54 Uhr

Matthias Sammer und Borussia Dortmund werden mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft getrennte Wege geben.

Matthias Sammer und Borussia Dortmund werden mit großer Wahrscheinlichkeit in Zukunft getrennte Wege geben. Der Verein vermeidet weiterhin, eine eindeutige Aussage über die Zukunft des jetzigen Trainers zu formulieren. Michael Zorc stellt klar: "Wir sind weiterhin in Gesprächen und werden erst etwas verkünden, wenn es etwas zu verkünden gibt." Dennoch sprechen alle Anzeichen für eine vorzeitige Beendigung des bis Juni 2006 befristeten Vertrages. Denn der 36-Jährige bist beim BVB schon lange nicht mehr unumstritten. Bereits nach der 0:1-Heimniederlage gegen Schalke 04 beim Rückrundenauftakt gab es interne Überlegungen, den Coach auszuwechseln. Der rettete seinen Job jedoch mit zwei aufeinanderfolgenden Auswärtssiegen in Wolfsburg und bei 1860 München.

Die Qualität des schwarz-gelben Produktes wurde allerdings nicht besser, was auch Manager Michael Meier betont: "Wir haben zwei Jahre lang keinen interessanten Fußball gespielt. Wir müssen alles prüfen, was für die sportliche Talfahrt verantwortlich ist. Wir müssen Konsequenzen ziehen. Da darf man auf Namen keine Rücksicht nehmen." Insbesondere nach der verpassten UEFA-Cup-Qualifikation, ein Scheitern, das Boss Dr. Gerd Niebaum auf die Palme brachte: "So geht es nicht weiter, dafür habe ich kein Verständnis. In so einer Situation muss die Mannschaft explodieren."

Zum wiederholten Mal gelang es dem Fußball-Lehrer aber nicht, vor entscheidenden Begegnungen das entsprechende Feuer im Team zu entfachen. Im Gegenteil. Vor Jahresfrist redete er den bereits feststehenden Absteiger Energie Cottbus so lange stark, bis eine verunsicherte BVB-Elf nicht über das deprimierende 1:1 hinauskam. Es folgte die Wiederholung in Kaiserslautern. Selbst nach dem Ausgleich auf dem Betzenberg scheute der Europameister von 1996 zunächst das absolute Risiko. "Das war ein Spagat, weil wir uns auch einen Konter zum 1:2 hätten fangen können." Die Handhabe wurde mit zwei weiteren Treffern des VfL Bochum entsprechend bestraft. "Wir haben gegenüber den Bochumern die besseren Voraussetzungen und unsere Spieler die praller gefüllten Geldbeutel, doch wir lassen uns vom VfL vormachen, wie man sich mit Spaß an der Sache präsentieren kann", feuert der Dortmunder Präsident eine unüberhörbare Breitseite in Richtung Coach ab. Inoffiziell verlautete, dass die Führungsetage Sammer nahegelegt hat, von seinem Amt zurückzutreten, allerdings gibt es keine Bestätigung in dieser Hinsicht vom Club.

Und in dieser prekären Situation kommt den Borussen die Stuttgarter Trainer-Suche genau zur rechten Zeit. Aufgrund der angeschlagenen Finanzen kann sich der BVB die Entlassung von Sammer nicht erlauben, doch sollte dieser an seiner ehemaligen Wirkungsstätte im Schwabenland sofort eine neue Aufgabe annehmen, hielte sich die zu zahlende Abfindung in engen Grenzen. Kein Wunder, dass die Worte von VfB-Aufsichtsratschef Dieter Hundt, "es gibt einige Trainer, mit denen die Vereinsführung im Gespräch ist mit der Zielsetzung, recht bald eine Lösung präsentieren zu können. Da gehört Matthias Sammer natürlich dazu", im Revier nicht ungern gehört werden.

Doch der ist gleichzeitig auch als Kämpfernatur bekannt und niemand, der die Flinte so leicht ins Korn wirft, selbst wenn immer wieder familiäre Gründe für eine Wechsel nach Baden-Württemberg herangezogen werden, Gattin Karin stammt bekanntlich aus der Region.

Die Entscheidung muss auch rund um den Borsigplatz ziemlich rasch fallen, da die Borussen-Profis bereits am 25. Juni wieder ihren Dienst aufnehmen müssen und bis dahin mit dem verantwortlichen Coach eine aufgrund der Finanzmisere unumgänglich veränderte Zusammensetzung des Kaders zumindest weitestgehend abgeschlossen sein muss.

Autor: raka

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