Hitzfeld: "Ich gehe mit erhobenem Haupt"

20. Mai 2004, 15:55 Uhr

"Es geht nicht um mich, es geht um drei Punkte. Das muss im Vordergrund stehen", äußerte sich Ottmar Hitzfeld auf seiner letzten Pressekonferenz beim FC Bayern München vor der Partie gegen den SC Freiburg.

Sichtlich bewegt hat sich Ottmar Hitzfeld am Donnerstag in seiner letzten Pressekonferenz an der Säbener Straße nach sechs erfolgreichen Jahren mit insgesamt acht Titeln vom FC Bayern München verabschiedet. Im Interview äußert sich der Bayern-Coach über seine Zeit beim Rekordmeister.

Frage: "Ottmar Hitzfeld, am Samstag geht die Ära Hitzfeld in München unwiderruflich zu Ende. Was bewegt Sie vor dem letzten Spiel gegen den SC Freiburg?"

Ottmar Hitzfeld: "Ich freue mich auf das Spiel, ich freue mich auf die letzten drei Tage. Es war eine herrliche Zeit hier in München, eine sehr erfolgreiche Zeit, die unheimlich Spaß gemacht hat. Darum ist es sehr wichtig, am Samstag drei Punkte zu holen, um nächstes Jahr sicher in der Champions League zu spielen. Es geht nicht um mich, es geht nicht um die Spieler, es geht um den FC Bayern, der das Geld aus der Champions League braucht."

Frage: "Wie hat die Mannschaft auf die Nachricht Ihres Abschieds zum Saisonende reagiert?"

Hitzfeld: "Natürlich sind einige Spieler zu mir gekommen und haben gesagt, das tut uns Leid. Aber darum geht es nicht. Wenn man keinen Titel holt, steht man zur Disposition. Das ist beim FC Bayern normal."

Frage: "Ab Samstag haben Sie viel Zeit. Was sind Ihre Pläne für die nähere Zukunft?"

Hitzfeld: "Ich weiß nicht, was ich machen werde. Im Augenblick konzentriere ich mich voll auf die Aufgabe gegen Freiburg. Ich werde definitiv zum 1.7. keinen neuen Verein übernehmen. Für mich zählt momentan nur ein erfolgreiches Abschneiden, die Vize-Meisterschaft mit Bayern zu holen, obwohl ich das Wort hasse. Danach wird es ein ganz neues Gefühl für mich. Es kommt eine Zeit, in der ich mich neu orientieren kann, nichts mehr planen muss. Ich kann abschalten, mich um die Familie kümmern, mir beim Golfspielen Gedanken machen."

Frage: "Schwingt nach sechs so erfolgreichen Jahren auch ein bisschen Wehmut mit?"

Hitzfeld: "Natürlich tut der Abschied weh, wenn man eine so schöne Zeit hinter sich hat. Es war eine sehr lange Zeit in München, ich hätte nie gedacht, dass ich sechs Jahre bei Bayern bin."

Frage: "Uli Hoeneß hat zuletzt kritisiert, Sie hätten die Mannschaft zu brav behandelt?"

Hitzfeld: "Ich sehe das nicht als Kritik. Ich bin ein Trainer, der die Zügel anzieht zu gegebener Zeit, und sie dann wieder locker lässt. Ich bin manchmal brav, manchmal aber auch sehr hart. Es bringt nichts, wenn man die Spieler gegen die Wand laufen lässt - sonst haben wir hier sehr schnell wieder den FC Hollywood."

Frage: "Wie haben Sie das unwürdige Theater und die Uneinigkeit der Bayern-Führung in den letzten Wochen empfunden?"

Hitzfeld: "Es war nicht schwierig für mich, mit all den Spekulationen umzugehen. Das ist normal. Die ganze Gesellschaft ist kälter geworden, die Medienlandschaft viel aggressiver. Auch die Zeitungen kämpfen ums Überleben. Wir leben in Deutschland in einer Ellenbogen-Gesellschaft, aber damit kann ich umgehen."

Frage: "Was nehmen Sie mit aus den letzten sechs Jahren Bayern, was war Ihre wichtigste Erfahrung?"

Hitzfeld: "Das Wichtigste sind sicher die Erfolge. Ohne Titel kann man nicht überleben beim FC Bayern. Das Wichtigste für mich war, dass ich immer meine Linie durchgezogen habe, immer mir selbst treu geblieben bin. Man darf ein Spiel verlieren, aber man darf nicht sein Gesicht verlieren. Ich gehe mit erhobenem Haupt."

Frage: "Was erwarten Sie zum Abschied am Samstag vom Verein?"

Hitzfeld: "Einen Händedruck, vielleicht reicht es auch noch für einen Blumenstrauß, ich weiß es nicht. Es geht nicht um mich, es geht um drei Punkte. Das muss im Vordergrund stehen."

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