DORTMUND: Gehaltsliste um rund 15 Millionen Euro gekürzt

raka
06. April 2004, 18:40 Uhr

Die Führungsetage hat in den letzten Monaten sicherlich zurecht reichlich Kritik einstecken müssen, da sie das schwarz-gelbe Schiff finanziell in eine schon fast beängstigende Schieflage manövriert hat.

Die Führungsetage hat in den letzten Monaten sicherlich zurecht reichlich Kritik einstecken müssen, da sie das schwarz-gelbe Schiff finanziell in eine schon fast beängstigende Schieflage manövriert hat. Nachdem die Probleme nun nicht mehr zu verheimlichen sind, muss dem Vorstand aber zumindest zu Gute gehalten werden, dass er sich redlich bemüht, den BVB-Frachter wieder auf Kurs zu bringen. Bei der angestrebten Kürzung der Spielergehälter, die rund exorbitante 67 Millionen Euro pro Jahr betragen, sind deutliche Fortschritte zu erkennen.
Mit der Vollzugsmeldung über die vorzeitige Auflösung des Vertrages mit Marcio Amoroso, dessen Nachtreten aus dem fernen Brasilien einfach nur noch peinlich wirkt, ist ein Großverdiener mit einem Jahreseinkommen von 4,5 Millionen Euro von der Lohnliste gestrichen worden. Dort dürfte auch Sunday Oliseh nicht mehr auftauchen, auch wenn er inzwischen die Dortmunder wegen der fristlosen Kündigung verklagt hat. Zwar ist jeder auf hoher See oder vor Gericht immer in Gottes Hand, doch die Rechtslage spricht eindeutig für die Borussen, so dass in den kommenden zwölf Monaten keine weiteren drei Millionen Salär an den Nigerianer fällig werden dürften. Nicht viel weniger wird Flavio Conceicao im Revier verdienen, allerdings nur noch bis zum 30. Juni, weil er dann die beschlossene Heimreise nach Madrid antreten muss.
Das muss Stefan Reuter nicht, doch er hat dafür sein Karriere-Ende verkündet, was Boss Dr. Gerd Niebaum lobend hervorhebt: "Aufgrund seiner Fitness hätte er noch ein Jahr dranhängen können. Er hat sich anders entschieden, davor kann ich nur den Hut ziehen." Im Gegenzug dafür möchte der ehemalige "Turbo" gerne ins BVB-Management einziehen, doch die Verantwortlichen tun sich etwas schwer, eine neue Stelle zu schaffen. Noch einmal der Präsident: "Wir sind im Gespräch, alles andere wird sich zeigen. Es ist noch zu früh, etwas zu verkünden." Es bleibt festzustellen, dass zunächst wohl zwei Millionen Euro weniger auf der Lohnsumme erscheinen.
Ebenso wie die 1,5 Millionen Euro, die bisher Heiko Herrlich zuflossen. Der einstige Torschützenkönig hat im Laufe der Woche bekanntlich seinen Abschied vom aktiven Fußball erklärt. Die gleiche Summe könnte noch einmal hinzukommen, wenn Hertha BSC Berlin den Klassenerhalt schafft und Billy Reina dann endgültig in der Hauptstadt bleibt. Aber auch im Falle eines Abstieges ist ein Verbleib des Angreifers an der Spree nicht unwahrscheinlich, da der Ex-Wattenscheider bisher nicht nur Hans Meyer überzeugen konnte. Allerdings: Beim Offensivmann wurde jetzt ein Kreuzbandriss diagnostiziert.
Wird der Transfer trotzdem endgültig vollzogen, wird das Gehaltsvolumen zusammenaddiert um stolze 15,5 Millionen Euro gesenkt werden. Doch das Ende der Fahnenstange scheint noch nicht in Sicht, schließlich steht Tomas Rosicky zum Verkauf an. Der Tscheche postiert sich mit 2,5 Millionen Euro zwar nicht ganz oben auf der BVB-Skala, er soll deswegen einen anderen, noch wichtigeren Zweck erfüllen: Mit der angestrebten Ablösesumme von über 20 Millionen Euro darf er wesentlich zum Abtragen des Schuldenberges, der sich am Ende der Saison mindestens bei 140 Millionen Euro einpendeln wird, beitragen.
Konkrete Angebote für den "Mozart des Fußballs" liegen den Dortmunders nicht vor, die Spekulationen nehmen aber zu. So vermeldeten in der vergangenen Woche mehrere spanische Zeitungen übereinstimmend, dass Real Madrid reges Interesse an dem Mittelfeldspieler hat. Auch der FC Liverpool, der bereits vor einigen Monaten buhlte, soll wieder Lockrufe ausgesandt haben.

Autor: raka

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