Manfred Amerell macht sich nach der Schiedsrichter-Attacke von Frankfurts Trainer Willi Reimann große Sorgen. Der Sprecher der Referees befürchtet unter anderem negative Auswirkungen für den Amateur- und Jugendfußball.

Amerell: "Solche Dinge sind tödlich"

23. März 2004, 15:54 Uhr

Manfred Amerell macht sich nach der Schiedsrichter-Attacke von Frankfurts Trainer Willi Reimann große Sorgen. Der Sprecher der Referees befürchtet unter anderem negative Auswirkungen für den Amateur- und Jugendfußball.

Nach der tätlichen Schiedsrichter-Attacke von Willi Reimann muss sich der Trainer von Eintracht Frankfurt harsche Kritik von Referee-Sprecher Manfred Amerell gefallen lassen. Amerell verurteilt massiv Reimanns Handeln am vergangenen Samstag im Bundesligaspiel bei Borussia Dortmund (0:2) gegen den vierten Referee Thorsten Schriever. Der Sprecher befürchtet auch negative Auswirkungen für den Amateur- und Jugendfußball sowie eine Abschreckung von Nachwuchs-Schiedsrichtern.

"In Zukunft brauchen wir für den vierten Mann Bleiwesten"

"Solche Dinge sind tödlich. In Zukunft brauchen wir für den vierten Mann Bleiwesten, er muss 1,90 Meter groß sein, 90 Kilo schwer und die Ausbildung als Türsteher vor einer Discothek absolviert haben", meinte Amerell und fügte hinzu: "Das war für alle ein Schock. So einen Fall hatten wir in der gesamten Bundesliga-Geschichte noch nie. Was mich dabei am meisten überrascht hat, ist, dass selbst hinterher bei der Pressekonferenz die Sache weiter verharmlost wurde."

Amerell befürchtet eine "Zunahme der Nichtakzeptanz" von Schiedsrichtern im Amateur- und Jugendbereich: "Der Respekt geht eh schon gegen null, deshalb belastet das schwer. Am Sonntag gibt es reihenweise Nachahmereaktionen auf den Amateurplätzen."

Auch auf die Bereitschaft junger Nachwuchs-Referees könnte Reimanns Aussetzer laut Amerell negative Auswirkungen haben. "Auf Dauer werden wir junge Schiedsrichter verlieren, und es kann dazu führen, dass wir Spiele nicht mehr besetzen können", erklärte der 57-Jährige.

Reimann drohen fünf Spiele Innenraum-Verbot

Reimann muss sich am Mittwoch (17.30 Uhr) in einer mündlichen Verhandlung vor dem Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) verantworten. Der DFB-Kontrollausschuss unter Vorsitz von Horst Hilpert fordert in seinem Strafantrag gegen Reimann ein Innenraum-Verbot für fünf Pflichtspiele und eine Geldstrafe in Höhe von 25.000 Euro. Der Coach hat diesem Antrag nicht zugestimmt.

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