Nur noch drei Tage bis zum Protest in Gelsenkirchen. Doch wie wird in anderen Ballungsräumen über die geänderten Anstoßzeiten im Profifußball gedacht? RevierSport sprach vor der Demo in Buer mit Hans-Christian Olpen.

Kreisliga-Streik: In Köln keimte die Urzelle des Protests

Kreisvorsitzender Olpen: „Wenig Hoffnung auf Erfolg!“

Sebastian Laing
27. Februar 2009, 08:53 Uhr

Nur noch drei Tage bis zum Protest in Gelsenkirchen. Doch wie wird in anderen Ballungsräumen über die geänderten Anstoßzeiten im Profifußball gedacht? RevierSport sprach vor der Demo in Buer mit Hans-Christian Olpen.

Der 48-jährige Verwaltungsbeamte ist beim Fußballverband Mittelrhein Kreisvorsitzender des Kreises Köln. Er äußerte sich zu den Protestbewegungen im Ruhrgebiet, zu der Lage in seinem Kreis und der eigenen Initiative, die er Anfang 2008 ins Rollen gebracht hat.

Herr Olpen, am Wochenende findet in Gelsenkirchen-Buer auf der Sportanlage Löchterheide eine Demonstration gegen den von der DFL geänderten Spielplan statt. Haben Sie vom Aufstand der Kleinen im Revier etwas mitbekommen?

Ja, ich bin im Thema und habe davon gelesen. Es gab und gibt aber keinerlei Kontakt zu den Kollegen im Ruhrgebiet. Der Protest beschränkt sich regional auf die Kreise Gelsenkirchen und Unna, überregional oder im Kreis Köln ist aktuell nichts passiert.
Wie ist Ihre Haltung zu den aktuellen Protesten?

Ich verstehe die Kollegen aus dem Ruhrgebiet vollkommen, aber vielleicht wären andere Mittel und Wege die Besseren gewesen.
Die da wären?

Der Streik ist in der Arbeitswelt das Kampfmittel auf der Arbeitnehmerseite. Ich bin der Meinung ein Kampf sollte das letzte Mittel sein. Eine bessere Möglichkeit wäre meines Erachtens der gemeinsame Weg gewesen, nun sind nicht alle Kreise mit eingebunden. Ich weiß aber nicht, ob Gespräche mit anderen Kreisen oder Regionen stattgefunden haben.

Wirkt der Vorstoß übereilt?

Vielleicht! Für solch einen kollektiven Antrag oder Zusammenschluss hätte sich die Tagung mit dem DFB sehr gut angeboten. Auf dieser treffen sich am 6. März in Frankfurt die Vorsitzenden aller Fußballkreise und –bezirke aus West- und Süddeutschland. Die Tagung dient dem Austausch zwischen dem DFB und der Basis. Aber man darf mich auch nicht falsch verstehen, ich habe generell großes Verständnis für die Protestler.

Der Kölner Raum ist auch ein Ballungsgebiet, hat unter anderem mit Bayer Leverkusen und dem 1. FC Köln zwei Bundesligisten. Wie gehen Sie dort mit der Problematik des neuen Spielplans um?

Diese ist für uns ja nicht neu, aber man muss den regionalen Aspekt berücksichtigen. Nehmen wir aus dem Ruhrgebiet das Beispiel Gelsenkirchen. Dort gibt es mit Schalke einen Verein, der in der ersten Bundesliga spielt. Im Kreis Köln haben zum Beispiel die Zweitligajahre des 1. FC Köln dem Amateurfußball enorm geschadet. Die Spiele in der zweiten Liga werden sonntags um 14.00 Uhr angepfiffen. Deshalb gab es Anfang 2008 auf unserem Kölner Kreistag auch eine Art Protestbewegung.

Interessant, wie sah der Aufstand der Kleinen in Köln aus?

Vor unserem Kreistag Anfang 2008 sind mehrere Vereine an mich herangetreten. Antragsteller war der Verein RSV Urbach. Ich habe es in meinem Amt als Pflicht angesehen, die Interessen der Amateurvereine zu verteidigen. Ich habe damals bundesweit Kontakte gesucht und gefunden. Speziell in Norddeutschland und in Hessen gab es viel Resonanz. Es wurde von uns dann eine Resolution gegen die Sonntagsspiele verabschiedet und an die entsprechenden Gremien weitergeleitet. Den Westen, vertreten durch Herrn Korfmacher, haben wir dabei ein wenig ausgenommen.
Wie war daraufhin die Reaktion seitens des DFB und der DFL?

Ich muss sagen, der DFB stand dem Thema relativ offen gegenüber. Seitens des hiesigen Verbands gab es schon eher Stimmen, die gegen eine solche Resolution steuerten. Bei einem Gespräch mit allen hochrangigen Vertretern der Parteien konnten wir unsere Sorgen und Probleme aus dem Amateurbereich darlegen. Anwesend waren unter anderem DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger, DFL-Geschäftsführer Christian Seifert, Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball und Hermann Korfmacher als Vertreter der Amateurvereine.
Gab es seitens der Profivertreter schon erste Zugeständnisse an die Amateure?

Das nicht, aber man hat uns lose zugesichert, dass in Zukunft sonntags generell nicht mehr als maximal sechs Profispiele stattfinden sollen. Ab der kommenden Saison wird es ja dann auch in der zweiten Liga nur noch drei anstatt fünf Spiele geben, dafür aber maximal drei in der ersten Liga.

In Gelsenkirchen und Unna/Hamm erregt vor allem die Ansetzung eines Sonntagsspiels um 15.30 Uhr großen Ärger. Glauben Sie, dass der Protest im Pott Erfolg haben wird?

Da sehe ich leider wenig Hoffnung auf Erfolg, denn die DFL verfolgt knallhart ihre Ziele. Doch meiner Meinung nach muss bundesweit ein trägfähiger Kompromiss gefunden werden, bei dem auch die Interessen der Amateurvereine mehr berücksichtigt werden.

Autor: Sebastian Laing

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