Im Fußball gibt es eventuell bald eine neue Karte. Neben der gelben und roten soll auch eine orangefarbene Karte eingeführt werden. Damit soll der Schiedsrichter Zeitstrafen verhängen können, bevor er einen Spieler mit Gelb-Rot direkt vom Platz schickt. Das neue System wird in Kürze in Italien ausprobiert und kommt dann vielleicht auch bald nach Deutschland. RS hat nachgefragt, was die Vereine im Revier von der Idee halten.

Revier: Bald orangefarbene Karte im Fußball?

Wiedereinführung der Zeitstrafe im Seniorenbereich

Lisa Nohl
25. Februar 2009, 19:38 Uhr

Im Fußball gibt es eventuell bald eine neue Karte. Neben der gelben und roten soll auch eine orangefarbene Karte eingeführt werden. Damit soll der Schiedsrichter Zeitstrafen verhängen können, bevor er einen Spieler mit Gelb-Rot direkt vom Platz schickt. Das neue System wird in Kürze in Italien ausprobiert und kommt dann vielleicht auch bald nach Deutschland. RS hat nachgefragt, was die Vereine im Revier von der Idee halten.

Peter Seifert (1. Vorsitzender des BSV Schüren, Dortmund:
"Gehört habe ich davon schon und ich fände es auf jeden Fall sehr interessant. Der Vorschlag ist sicher nicht schlecht und ich würde die Einführung der neuen Karte begrüßen."

Hans Walter von Oppenkowski (1. Vorsitzender von Westfalia Wickede, Dortmund:
"Ich habe davon noch nichts gehört, das ist mir neu. Aber wir bewegen uns da ja im Seniorenbereich. Bei den Junioren gibt es Zeitstrafen schon und da macht es auch Sinn. Bei den Senioren bin ich der Meinung, dass alle erwachsen genug sein sollten. Die gelbe Karte ist schon eine Verwarnung und das sollte genügen. Die aktuelle Regelung ist absolut ausreichend."

Dieter Sterzl (Jugendleiter der Adler Frintrop, Essen):
"Ich habe von der Idee schon gehört und ich würde die Einführung befürworten. Ganz einfach deshalb, weil viele Spiele sehr hektisch verlaufen. Da setzt sich der Schiedsrichter oft selbst unter Druck. Wenn er schon eine gelbe Karte gegeben hat, muss er bei einem weiteren groben Verstoß direkt die rote hinterher ziehen. Mit einer Zwischenkarte und der damit verbundenen Zeitstrafe könnten sich erhitzte Gemüter aber wieder beruhigen, ohne dass direkt jemand vom Platz geschickt werden muss. Außerdem hat der Schiedsrichter damit ja auch wesentlich mehr Handlungsspielraum."

[infobox-right]Wie funktioniert die orangefarbene Karte?
Diese neue Karte soll ein Mittelweg zwischen der Gelben und der Gelb-Roten Karte sein. Der Schiedsrichter kann damit eine Zeitstrafe verhängen, bevor er einen Spieler endgültig mit der Ampelkarte vom Platz schickt. Eine letzte Verwarnung sozusagen. Die Zeit der Strafe ist dabei bisher nicht festgelegt, wird aber wahrscheinlich zwischen zwei und fünf Minuten liegen. Ausprobiert wird die neue Karte zunächst in Italien.[/infobox]
Dieter Ascher (1. Vorsitzender des BV Langendreer 07, Bochum):
„Dass eine neue Karte geplant ist, war mir noch nicht bekannt. Manchmal ist eine Zeitstrafe sicherlich gut, damit hätte ein übereifriger Akteur vielleicht die Gelegenheit, sich draußen ein wenig abzureagieren. Allerdings weiß ich nicht, ob man dafür auch gleich eine neue Karte einführen muss. Der Schiedsrichter kann auch seinen Arm heben und die Zeitstrafe anzeigen, das ging früher ja auch so. Außerdem ist klar: Greift der Unparteiische nach oben, wird es Gelb, greift er in die so genannte „Arschtasche“, gibt es Rot. Mit der neuen Regelung bräuchte er ja noch eine zusätzliche dritte Tasche. Also, Zeitstrafen halte ich für sinnvoll, eine neuartige Karte dafür nicht.“

Karsten Königer (1. Vorsitzender DJK Lösort Meiderich, Duisburg):
„Ich fände eine orangefarbene Karte sinnvoll, Zeitstrafen gab es ja früher auch schon mal. Es ist auf jeden Fall nicht verkehrt, denn manchmal war die erste gelbe Karte vielleicht zu hart und da wäre eine Zeitstrafe vor der entscheidenden Gelb-Roten Karte ein gutes Mittelmaß.“

[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/010/866-11261_preview.jpeg Dieter Ascher, 1. Vorsitzender des BV Langendreer 07[/imgbox]
Erich Krause (1. Vorsitzender des BV Horst Süd 1962, Gelsenkirchen):
„Bisher habe ich davon gar nichts gehört. Ich bin mir aber unsicher, wie ich es wirklich finden soll. Denn auf der einen Seite wäre es eine gute Lösung, auf der anderen Seite ist es aber auch Auslegungssache. Meistens hat ein Spieler mit einer Gelb-Roten Karte den Platzverweis ja auch verdient. Das ist dann Ansichtssache und eine Frage der Bewertung. Für Bagatellen wie zum Beispiel das unnötige Ballwegschlagen würde ich auch eine Zeitstrafe geben, das wäre in Ordnung. Aber generell finde ich, dass den Schiedsrichtern und Spielern eine gewisse Narrenfreiheit verschafft wird, die nicht positiv ist. Denn wie soll man das Geben der Karte auslegen. Das ist ja bei einer Gelben oft schon schwer genug zu entscheiden.“

Rainer Schönborn (1. Vorsitzender des 1. FC Hirschkamp 1977, Oberhausen):
„Die Schiedsrichter sind doch mit zwei Karten oft schon total überfordert, ich weiß nicht, wie das dann im Endeffekt mit einer Karte mehr aussehen soll. Und die Medaille hat hier auch wieder zwei Seiten: Eine Zeitstrafe ist für einen Kicker in der Regel angenehmer, als gleich vom Platz geschmissen zu werden. Auf der anderen Seite kommt es ja auch auf die Art des Vergehens an. Bei einem groben Foul würde der Spieler fast noch belohnt, wenn er nur eine Zeitstrafe bekäme.“

Herbert Präger (2. Vorsitzender des SC Rheinkamp, Moers):
„Ich denke, die Karte wäre gar keine so schlechte Idee. Manchmal kann eine Zeitstrafe nämlich viel mehr Sinn machen, als wenn der Kicker vom Platz geschmissen wird. In den oberen Klassen ist das Niveau vielleicht hoch genug, aber besonders in den unteren Ligen sind manche Spieler auch immens wichtig und können oft nicht ersetzt werden. Gerade da wäre es sinnvoll, dem Spieler doch noch eine Chance zu geben.“

Autor: Lisa Nohl

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