Bodenständig, bescheiden, ruhig und sensibel. Charaktereigenschaften, die scheinbar nicht zu einem Top-Stürmer passen. Doch Ausnahmen bestätigen eben die Regel. Den 29-jährigen Daniel Wiegand von der SG Lütgendortmund zeichnen genau diese Wesenszüge aus. [i]Das Porträt[/i]

Serie: Die Top-Stürmer der Bezirksliga 15 (Folge 3: Daniel Wiegand, SG Lütgendortmund)

Zu bescheiden für den Profifußball

25. November 2006, 13:50 Uhr

Bodenständig, bescheiden, ruhig und sensibel. Charaktereigenschaften, die scheinbar nicht zu einem Top-Stürmer passen. Doch Ausnahmen bestätigen eben die Regel. Den 29-jährigen Daniel Wiegand von der SG Lütgendortmund zeichnen genau diese Wesenszüge aus. [i]Das Porträt[/i]

Wie ein roter Faden ziehen sie sich durch sein Leben und besonders die Bodenständigkeit hat gravierende Auswirkungen für ihn – im Fußballerischen genauso wie im Privaten. „Lolek“, wie ihn seine Freunde nennen, ist nicht nur seiner Jugendfreundin, Claudia, mit der er bereits seit dreizehn Jahren liiert ist und die er am 07.07.07 heiratet, treu, sondern auch sportlich hat er seine Region bisher nicht verlassen.

Der gebürtige Bövinghauser schoss bereits als Minikicker beim ortsansässigen TuS, bei dem auch seine Onkel und der Vater Mitglied waren, die Tore. Dort blieb der talentierten Angreifer bis zur C-Jugend und wurde dann zum Nachbarverein SG Lütgendortmund gelockt. Nach nur einem, jedoch ziemlich unbefriedigendem Jahr B-Jugend bei der SGL, zog es ihn zu seinem Stammverein zurück, wo er den Rest seiner fußballerischen Jugend verbrachte und auch das erste Ausrufungszeichen hinter sein Leistungsvermögen setzte.

Eigentlich noch A-Jugendlicher wurde Wiegand bei Bövinghausen für die Senioren „hoch geschrieben“, erspielte sich dort sofort einen Stammplatz und wurde mit 36 Treffern sogar Torschützenkönig in der Kreisliga A. Damit hatte er einen großen Anteil am Aufstieg seiner Mannschaft in die Bezirksliga.

Vor allem im sportlichen Bereich haben seine Bodenständigkeit und sein Familiensinn ihn aber auch das ein oder andere Mal ausgebremst. Nach dem fulminanten Aufstieg in die Bezirksliga mit Bövinghausen, kehrte seine gesamte Verwandtschaft dem TuS den Rücken zu und auch für Daniel war irgendwie klar, ich gehe mit.

Als Torschützenkönig, Aufsteiger und hoffnungsvolles Talent in die Kreisliga C zu wechseln, sorgte bei den meisten ambitionierten Fußballern nur für Kopfschütteln.[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_171.JPG Ein bescheidener Vertreter seiner Zunft: Daniel Wiegand.[/imgbox]

Glücklicherweise dauerte das Intermezzo bei C-Ligist Dortmund-West dann auch nur ein Jahr – wieder mit dem schussstarken Rechtsfuß als Torschützenkönig und konsequenterweise dem Aufstieg in die Kreisliga B. Danach ging es für Wiegand wieder zum TuS Bövinghausen, mit dem er dann den bitteren Gang zurück in die Kreisliga A antreten musste, nachdem er sich vorher bei den Hallenstadtmeisterschaften seine erste „Hallen-Torjäger-Kanone“ sicherte.

In diese Zeit fallen auch die lukrativsten Angebote an „Lolek“. Nach einem mit 4:5 denkbar knapp verlorenen Pokalspiel gegen Verbandsligisten Vorwärts Kornharpen, bei dem „der Lange“ alle vier Treffer für seine Farben markierte, folgte am nächsten Tag prompt ein Anruf vom Gegner des Vorabends. Dabei blieb es allerdings auch. Wiegand ließ das Angebot genauso verstreichen, wie die Gelegenheit, beim großen S04 sein Leistungsvermögen unter Beweis zu stellen. Zwar nahm er an einem ersten Sichtungstraining teil, war aber von der Atmosphäre bei Schalkes Amateuren total entsetzt: „Die waren so arrogant, haben kein Wort mit uns gesprochen. Da bin ich ohne meine Tasche aus der Kabine zu holen oder noch ein Wort zu sagen einfach abgehauen“.

Weniger Begabte hätten sich wahrscheinlich die Finger nach einer solchen Gelegenheit geleckt, aber für das „Haifischbecken Berufsfußball“ war Wiegand wohl einfach zu sensibel.

Mit dieser Feinfühligkeit hat der Angestellte einer Möbelspedition auch beruflich manchmal zu kämpfen: „Wir machen auch Zwangsräumungen. Dabei kommt es vor, dass manche Familien noch nicht ausgezogen sind, wenn wir anfangen zu räumen. Fangen die kleinen Kinder deswegen an zu weinen, rufe ich meinen Chef an und lasse mich ablösen“.

Da wundert es nicht, dass er sich beruflich gerne verändern würde. Und die Aussichten stehen dafür nicht schlecht, hat ihm doch ein ehemaliger Trainer einen Job bei der EDG in Aussicht gestellt.

Einen Frevel bezüglich der Treue gegenüber seiner Region leistet sich Wiegand aber dann doch: „Ich bin zwar BVB-Fan, gehe aber nicht ins Westfalenstadion, sondern regelmäßig ‚auf Schalke’. Da ist die Atmosphäre einfach besser als in Dortmund“, gibt er als Grund an.

Seine sportliche Zukunft sieht er mehr oder weniger bei seinem derzeitigen Verein SG Lütgendortmund, bei dem er noch „ein, zwei Jahre“ spielen möchte. Zwar sind dort einige Undiszipliniertheiten zu bemängeln, aber das gute Verhältnis zu seinem „wichtigsten Trainer“, Thomas Klukas, lassen ihn schon einmal darüber hinwegsehen „wenn nur vier Mann beim Training sind“.

Dass er dabei – wohl aus Bescheidenheit – nicht die volle Wahrheit erzählt, merkt man allerdings, wenn man ihn auf seinen ehemaligen Verein Mengede 08/20 anspricht. Das verursacht sofort ein Glänzen in seinen Augen und das wohl nicht nur weil er dort seine sportlich erfolgreichste Zeit absolviert hat, sondern auch, weil der Verein vorbildliche Strukturen aufweist. Mit Mengede ist er zweimal aufgestiegen und einmal Sieger bei den Hallen-Stadtmeisterschaften geworden, bei der er sich außerdem die Torjäger-Kanone sichern konnte: „Mengede ist ein super geführter Verein zu dem ich immer noch guten Kontakt habe. Ich könnte mir durchaus vorstellen noch einmal dorthin zu wechseln, um in der Landesliga zu spielen“, hängt sein Herz wohl doch nicht mit letzter Konsequenz an Lütgendortmund.

Um sich für einen Wechsel in die nächst höhere Liga zu empfehlen, würde es daher sicher nicht schaden, wenn er diese Saison noch möglichst häufig ins Schwarze treffen könnte. Bislang stehen für Wiegand, der von sich selbst behauptet, vor dem Tor ein „Ego-Zocker“ zu sein, zehn Tore zu Buche, sein Saisonziel sind 25 Treffer.

Sollte er das erreichen, spricht er wahrscheinlich ein gehöriges Wörtchen um die diesjährige „Torjäger-Krone“ in der BL 15 mit. Seine größten Konkurrenten um diesen Titel stehen nach seiner Meinung fest: Daniel Kristler (VfB Habinghorst), Sebastian Janas (BG Schwerin), Dennis Kroll (Arminia Marten) und Cürsat Can (TuS Eichlinghofen).

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