Gil Shohat präsentierte sich in der letzten Woche drei Tage auf einer internationalen Bühne. Der Keeper des Bonner SC absolvierte seinen ersten Einsatz für die U21-Auswahl Israels beim freundschaftlichen 4:1-Sieg gegen Moldawien.

Bonn: Sohat absolviert erstes U21-Match für Israel

Zwischen Bonn und Tel Aviv

Oliver Gerulat
15. Februar 2009, 12:17 Uhr

Gil Shohat präsentierte sich in der letzten Woche drei Tage auf einer internationalen Bühne. Der Keeper des Bonner SC absolvierte seinen ersten Einsatz für die U21-Auswahl Israels beim freundschaftlichen 4:1-Sieg gegen Moldawien.

„In Durchgang zwei kam ich zum Einsatz“, freut sich der 20-Jährige. „Das war eine große Ehre für mich.“ Und auch eine Auszeichnung für den BSC, bei dem sein Vertrag am 30. Juni ausläuft. „Das war eine super Erfahrung“, fasst der Ex-Rheinbacher die drei Tage in Tel Aviv zusammen.

Der 1,91-Meter-Mann besitzt die israelische und deutsche Staatsbürgerschaft. Mit 13 Jahren erhielt er auch den Ausweis mit dem Bundesadler. „Israel ist meine Heimat, Deutschland jedoch auch“, bekennt Shohat, der in der ehemaligen Bundeshauptstadt aufwuchs und in der letzten Woche auch seine Familie in Tel Aviv - übersetzt „Hügel des Frühlings“ - sowie Umgebung besuchte.

Vom im Gebiet des Gaza-Streifens herrschenden kriegerischen Auseinandersetzungen „bekommt man außer aus den Medien nicht viel mit“, berichtet Shohat, der einen Waffenstillstand begrüßt. „Ich hoffe, es bleibt ruhig. Das Leben läuft dort eigentlich ziemlich normal.“

Fußball spielen kann man dort - klimatisch gesehen - aktuell sowieso besser. „Wir hatten ein tolles Hotel und super Bedingungen“, hebt Shohat an. Die Einwohner charakterisieren ihre Stadt mit den Worten: „Jerusalem betet, Haifa arbeitet, Tel Aviv feiert.“ In Bonn dürfte es also geruhsamer sein.

Internationalität beschreibt Shohat ziemlich gut. Er ist trilingual, spricht fließend Hebräisch, Deutsch und auch Englisch, da er eine britische Schule besuchte. Diesen Anspruch will er fortführen. „Ich starte ein Fernstudium an der University of London“, lautet seine ambitionierte Ankündigung, „Politik und internationale Beziehungen.“

Der Unterricht findet natürlich in der englischen Sprache statt. Shohat: „Ich weiß noch nicht, was ich damit später einmal machen werde. Aber das sind halt die Themen, die mich beschäftigen - Politik und Ökonomie.“ Internationale Institutionen wie die UNO könnten das Ziel sein, „Unternehmen aber auch“, ist der Torwart zu allen Seiten offen.

Sportlich heißt das Vorhaben, den BSC in der kommenden Saison in der Regionalliga zu platzieren. „Natürlich, wir wollen uns für den enormen Aufwand, den wir betreiben, auch belohnen“, ist die Meisterschaft Shohats Ziel, denn die NRW-Liga soll für ihn nicht der Weisheit letzter Schluss sein. „Ich bin unheimlich ehrgeizig.“ Das Studienziel ebnet den Weg, und auch sportlich würde sich Shohat nicht gegen das Ausland wehren. „Natürlich habe ich den Profitraum. Für mich kommt etwas dann in Frage, wenn es mich als Sportler und als Mensch weiterbringt.“

Eine nächste sportliche Etappe wird im März anstehen, dann holt U21-Coach Moti Ivanir, ein Ex-Profi, die Truppe erneut zusammen. „Bisher habe ich immer ein gutes Feedback erhalten“, baut Shohat auf eine erneute Berufung für das anstehende EM-Quali-Match gegen Kasachstan am 29. März, dem weitere Spiele der Gruppe sechs gegen Bulgarien, Montenegro, Schweden folgen werden. Die Heimspiele für Shohat passend dann wohl wieder in familiärer Nähe in Tel Aviv, außerdem ist die Metropole am Mittelmeer seit 1983 die Partnerstadt Bonns.

Autor: Oliver Gerulat

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