Zum Ende des Trainingslagers an der Costa del Sol wird es beim BVB richtig lustig. 
Thorsten Frings schoß eine Mikrofon-Halterung kaputt und Trainer Matthias Sammer singt Lieder für Frieden auf Erden.

BVB: Gute Laune durch Gesang und Rüpelei

tt
17. Januar 2004, 16:29 Uhr

Zum Ende des Trainingslagers an der Costa del Sol wird es beim BVB richtig lustig.
Thorsten Frings schoß eine Mikrofon-Halterung kaputt und Trainer Matthias Sammer singt Lieder für Frieden auf Erden.

Zum Ende des Trainingslagers an der Costa del Sol wird es beim BVB richtig lustig. Gestern stellte sich Sebastian Kehl hinter eine TV-Kamera und rief Mitspieler Thorsten Frings zu: "Ich habe Dich voll im Bild!" Frings, offenbar animiert durch den Witz, antwortete gleich doppelt: Erst drosch er eine Kugel Richtung Kehl, dann rief er: "Verfolge doch Mal diesen Ball!"
Bevor Sebastian Kehl der Anweisung nachkommen konnte, machte es "Zack". Eine Mikrofon-Halterung musste dran glauben. Kosten-Faktor: Rund 80 Euro. Frings sah von einer Entschuldigung ab und meinte lapidar Richtung Kameramann: "Das kann man kleben." Kurz darauf schob er nach: "Sonst zahlen wir es halt aus der Mannschaftskasse."

Bei so viel guter Laune wollte auch Matthias Sammer in nichts nachstehen. Die vom Zaun gebrochene Diskussion um das zähe Entertainment-Aufwärm-Programm vor Heimspielen im Westfalenstadion kommentierte der Dortmunder Fußball-Lehrer mit einer Gesangseinlage, die ihm normalerweise alle Casting-Türen der diversen Motto-Shows öffnen müsste.
Auf die Frage, welches Lied sich Sammer denn zum Kracher gegen Erzrivale Schalke 04 wünschen würde, summte der Schlager-Freund Nicoles Grand-Prix-Siegessong aus dem Jahre 1982: "Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne auf dieser Erde, auf der wir wohnen."

Ohne Liedchen auf den Lippen, aber dafür leicht und locker gibt sich Tomas Rosicky. Der Mittelfeld-Strippenzieher gilt als erster Anwärter für das ungerne benutzte Wort "Notverkauf". Sollte der Uefa-Cup-Finalist von 2002 den Sprung in die "Königsklasse" verpassen, muss der Gürtel rund um das imposante Westfalenstadion enger geschnallt werden. Rosicky selbst lässt durch folgende Aussage auch gar keinen Zweifel daran, dass er eine internationale Trockenperiode strikt ablehnt: "Ich habe keine Lust auf ein weiteres Jahr ohne Königsklasse." Im Positiv-Fall, der vorsieht, einen riesigen Rückstand von zehn Punkten wettzumachen und tabellarisch weit nach vorne zu preschen, verspricht Rosicky: "Ich spiele weiter für Borussia, wenn wir die Champions League erreichen. Eine Chance dazu besteht noch."

Im kommenden Sommer kann sich "Rosi", sofern keine Verletzungs-Auszeit dazwischen kommt, auf dem großen Präsentierteller Europameisterschaft zur Schau stellen. Tschechien gilt aufgrund der hochveranlagten Spieler rund um Pavel Nedved als Mitfavorit auf die "Krone". Tomas Rosicky sieht sich momentan noch nicht in der Verfassung, die er selbst von sich verlangt. "Ich muss ganz klar zulegen", blickt er kritisch auf das verkorkste Halbjahr bei seinen Schwarz-Gelben zurück. Auswärts ein Punktelieferant, im Uefa-Cup von den Talentschürfern aus Sochaux schallend geohrfeigt - so sehen keine Visitenkarten einer deutschen Spitzen-Mannschaft aus. Rosicky, eigentlich mit der Gabe des präzisen Vorbereiters ausgestattet, lieferte nicht eine einzige Beihilfe zu BVB-Toren. Sein letztes Punktspiel-Tor datiert vom 9. August, als er das zwischenzeitlich 2:0 gegen Wolfsburg erzielte.

Mit seinen 23 Jahren und der Erfahrung aus 31 Länderspielen zählt der Ball-Virtuose zu den begehrtesten Mittelfeldspielern überhaupt. Aufgeflammtes Interesse aus Liverpool und Mailand wurde in Dortmund vor wenigen Monaten registriert und im Keim erstickt. Aufgrund der wirtschaftlichen Situation scheint das Tafelsilber inzwischen aber nicht unantastbar. Matthias Sammer: "Wir wollen nicht unvorbereitet sein, wenn etwas passiert." Deswegen düsen die Dortmunder Spieler-Späher quer durch Europa, um für den Fall der Fälle Alternativen parat zu haben.

Autor: tt

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