Kreis Hagen: Dienstältester Schiedsrichter ist mit 80 Jahren noch aktiv

"Gehöre nicht zu der Sorte, die nur im Mittelkreis stehen"

sb
22. November 2006, 18:57 Uhr

Angesichts der aktuellen Gewaltausbrüche auf den Fußballplätzen muss man jedem Respekt zollen, der als Unparteiischer die Spielleitung übernimmt. Ein echtes "Fossil" der Gattung Schiedsrichter aus dem Fußballkreis Hagen hat dabei eine besondere Vorbildfunktion und bringt drei Generationen auf dem Platz zusammen.

Der älteste noch aktive Schiedsrichter im Fußballkreis Hagen feierte vor kurzem Geburtstag. Günter Wanderer vom TuS Wengern ist am 3. November 2006 80 Jahre alt geworden. Im Fußball-Kreis Hagen ist der Senior bekannt, denn Günther Wanderer steht Woche für Woche auf dem Fußballplatz. "Mehr als 3000 Spiele habe ich bisher bestimmt geleitet", blickt Wanderer auf seine 43-jährige Tätigkeit als Schiedsrichter zurück.

Günter Wanderer war zunächst als Fußballer beim TUS Wengern aktiv und dem Verein ist er bis heute treu geblieben. Am 5. März 1963 legte er seine Schiedsrichterprüfung ab. „Aber an meinem ersten Spiel erinnere ich mich nicht mehr, das ist schon so lange her“, sagt der Routinie an der Pfeife. In seiner Karriere leitete er zehn Jahre lang Spiele in der Landesliga. Mit 53 Jahren war es damit vorbei, denn er hatte die Altersgrenze erreicht.
[imgbox-right]http://www.revierkick.de/include/images/gallery/img_thumb_169.jpg Günter Wanderer ist ein "Fossil" der Schiedsrichterzunft im Kreis Hagen.[/imgbox]
Von den Spielklassen her ging es in den folgenden Jahren bergab, "aber der Spaß an der Sache ist geblieben". Und die Jahre an der Pfeife sind noch nicht vorbei. Im Alte Herren- und Damenbereich sowie bei Jugendspielen ist Wanderer noch ein gefragter Mann als Unparteiischer: „Ich bin jede Woche noch im Einsatz und das immer noch sehr gerne“. Besonders gerne leitet er Spiele der Jugend, denn da fühlt sich Wanderer selber noch jung.

Viele hätten ihn schon gefragt, warum er sich in seinem Alter noch diesen Stress antue. "Aber, wenn ich nicht diese Aufgabe hätte und mich nicht bewegen könnte, würde ich ja träge werden. Und solange die Vereine sich nicht über mich beschweren, warum sollte ich da aufhören? Auf dem Platz entgeht mir nur wenig, weil ich nicht zu der Sorte gehöre, die nur im Mittelkreis rum stehen."

Motiviert ist er weiterhin: „Für den letzten Sonntag hatte ich keine Einladung, da habe ich mich direkt beschwert.“ Und so lange die Gesundheit noch mitspielt wird er weiter auf dem Fußballplatz stehen: „Denn solange es geht, möchte ich weiter Fußballspiele pfeifen."

Nicht nur auf dem Platz, sondern auch außerhalb des Platzes war er für den Fußballkreis aktiv. Im Jahr 1989 übernahm Wanderer von Fritz Homeier das Amt des Gruppenleiters in der Gruppe Ruhrtal. Dieses gab nach 10 Jahren an Peter Henes ab. Wanderer war zudem Mitglied des Kreis-Schiedsrichterausschusses und vertrat dort zeitweise den damaligen VKSA Willi Werthmann bei der Ansetzung der Spiele.

So ein erfolgreiches und engagiertes Sportlerleben wurde vom Verband mit Auszeichnungen und Erinnerungszeichen gewürdigt. Der Westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband ehrte ihn mit der Verdienstnadel in Gold. Die Verdienstnadel wird Personen verliehen, die sich ohne Bekleidung eines Amtes im WFLV Verdienste um den Fußballsport bzw. die Leichtathletik erworben haben.

Auch sein Heimatverein hat Wanderer mit der Goldnadel geehrt. Seit fünf Jahren ist dort auch Ehrenmitglied. Das schönste Geschenk machte sich Wanderer allerdings selbst: Jetzt geht es erstmal mit seiner Lebensgefährtin Christa auf große Kreuzfahrt mit der AIDA-Blue durchs Mittelmeer. Eine Woche später aber haben ihn die Fußballplätze in Hagen wieder. Darauf ist Verlass.

Autor: sb

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