Kommunikation ist gemeinhin schwer, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie erst einmal schief geht. So beim Nord-Zweitligisten SG Lütgendortmund. Coach Andreas Köhler und der Sportliche Leiter Mark Harwardt gehören der Vergangenheit an.

Lütgendortmund: Coach Köhler weg, Zistler „verhungert“

Eine Kommunikations-Posse

Oliver Gerulat
08. Februar 2009, 16:17 Uhr

Kommunikation ist gemeinhin schwer, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie erst einmal schief geht. So beim Nord-Zweitligisten SG Lütgendortmund. Coach Andreas Köhler und der Sportliche Leiter Mark Harwardt gehören der Vergangenheit an.

„Den Begriff Posse kann ich nicht widerlegen, es war ein Schock“, erklärt Köhler. Der Nachfolger ist da: Ralf Zistler, ehemals SG Wattenscheid (U16/U17) und SSVg Velbert (U19), leitete am Donnerstag-Abend sein erstes Programm. „Ich bin Trainer, nicht mehr und nicht weniger.“

Grund für die im Umfeld als sensationell beschriebene Entscheidung war „ein Vertrauensbruch mir gegenüber“, definiert Abteilungsleiter Rolf Heinbach. Harwardt und Köhler einigten sich, dass Harwardt gleichzeitig Co-Trainer wird. Offenbar ohne Heinbach zu informieren. Köhler: „Wir sprachen bei den kürzlichen Vertragsverhandlungen über diese Position, Rolf teilte mit, dafür sei kein Geld da.“ Köhler und Harwardt sahen die Lösung. Köhler: „Mark sollte es Rolf mitteilen, das geschah nicht. Sicherlich war das nicht richtig. Allerdings keine Absicht.“ Um Kohle soll es nicht gehen. Heinbach, der unter der Woche beruflich immer in Baden-Baden weilt, deshalb immer ein aktuelles Info-Defizit hat, sprach die Entlassung des Duos am 1. Februar aus.

Im Umfeld wird vermutet, es war nur der letzte Reiz knapp zwei Wochen vor dem Auftakt der Restrunde bei der Zweitvertretung des Hamburger SV am Sonntag, 22. Februar, der zu fragwürdiger Selbstdarstellung trieb. Köhlers nachvollziehbares Gegenargument: „Warum sollten wir dann den Vertrag verlängern.“ Was am 17. Januar per Handschlag mit Heinbach passierte - bis 2011. Köhler wollte in dieser Zeit die A-Lizenz machen. „Alle hätten Planungssicherheit.“

Die hat Zistler offensichtlich nicht, das Team stellt sich quer, erklärt sich in großer Mehrheit solidarisch. Zistler begrüßte sechs Mitglieder des Bundesligakaders. Köhler: „Das Verhältnis zum Team war super.“ Zistler landete zwischen den Fronten, jede Spielerin, die bei ihrem Köhler-Schulterschluss bleibt, in einer sechsmonatigen Sperre, weil die Wechselfrist abgelaufen ist. Heinbach: „Wir führen Gespräche mit der Truppe.“

A-Lizenzinhaber Zistler dazu: „Wir arbeiten daran.“
Von Köhler, der die Truppe zurück auf die Bühne Zweite Bundesliga führte, kamen anfänglich Signale, nicht nachtragend zu sein. Eine Umkehrung der Entscheidung ist mit Heinbach nicht machbar. „Ich stünde dann nicht mehr zur Verfügung. Für mich wäre der Trainer dann in der Hand der Spielerinnen.“

Der dann Köhler heißen würde, Zistler lässt man aktuell auch am langen Arm verhungern. Eine verfahrene Situation. „Wir telefonierten“, erklärt Köhler, „über den Schatten kann Rolf nicht springen.“ So dass es für Köhler jetzt auch „kein Zurück“ mehr gibt.

Auf der Seite 2 Kurzinterviews mit Carmen Isralel und Rolf Heinbach

Autor: Oliver Gerulat

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