Zufriedene Gesichter sind zur Zeit selten bei den Borussen zu entdecken. Aber einige wenige sind schon auszumachen. So auch Malte Metzelder, der jüngere Bruder von Vize-Weltmeister Christoph.

BVB: Vertauschte Rollen im Hause Metzelder

rk
16. Dezember 2003, 10:49 Uhr

Zufriedene Gesichter sind zur Zeit selten bei den Borussen zu entdecken. Aber einige wenige sind schon auszumachen. So auch Malte Metzelder, der jüngere Bruder von Vize-Weltmeister Christoph.

Zufriedene Gesichter sind zur Zeit selten bei den Borussen zu entdecken, dafür ist der Abstand zur Tabellenspitze zu groß und schmerzt das frühe internationale Aus zu sehr. Aber einige wenige sind schon auszumachen, denn sie haben davon profitiert, dass im Laufe der Saison das Lazarett reichlich gefüllt war und ist, so dass sie plötzlich, schneller als erwartet, aus der zweiten Reihe ins Rampenlicht rückten. "Ich kann jetzt schon sagen, dass das Jahr für mich sehr erfolgreich war", erklärt Malte Metzelder, der auf immerhin neun Pflichtspieleinsätze zurückblicken kann.

So viele hatte er sich zum Saisonstart im August nicht in den kühnsten Träumen vorgestellt: "Natürlich hatte ich nicht gedacht, so oft dabei zu sein, auch wenn ich selbstverständlich sagen muss, dass ich von unseren personellen Problemen profitiert habe und so ins kalte Wasser geschmissen wurde." Das Freischwimmen gelang mit einigen Schwierigkeiten, da die Gegenspieler, die er am Toreschießen hindern sollte, direkt vom feinsten war. "Im großen und ganzen bin ich eigentlich mit meinen Leistungen zufrieden, hatte zudem das Glück, gleich gegen die Spitzenteams ran zu dürfen. In München gegen die Bayern aufzulaufen, das ist schon ein ganz besonderes Gefühl." Auch in Bezug auf die Kontrahenten: "Roy Makaay und Rocce Santa Cruz sind schon exzellente Stürmer, auch wenn ich sagen muss, dass der Leverkusener Franca noch stärker war."

Diese Angreifer hätte eigentlich sein Bruder Christoph in Schutzhaft nehmen sollen, doch der Nationalspieler ist bekanntlich aufgrund seiner Achillessehnenverletzung zum Zuschauen gezwungen. Verkehrte Rollen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch zuhause. Malte Metzelder: "Ich versuche, ihn zu unterstützen, ihm zu helfen, selbst wenn das sehr schwierig ist, da ich nicht viel für ihn tun kann." Doch das Kräfteverhältnis wird sich wieder ändern, davon ist der Jüngere überzeugt: "Wenn Christoph wieder fit ist, dann werde ich sportlich noch eine Menge lernen können."
Doch bis dahin werden noch einige Monate ins Land ziehen und die anstehenden Aufgaben wird "MM" weiterhin ohne familiäre Unterstützung auf dem Rasen bewältigen müssen, schon heute in Mönchengladbach: "Über unsere Auswärtsschwäche mache ich mir überhaupt keine Gedanken, da jede Serie einmal reißt." Er räumt aber ein, dass er selbst mit den Münsteraner Preußen so eine Durststrecke in der Fremde nicht erlebt hat: "Dafür haben wir vor eigenem Publikum zu oft verloren und zwei Jahre gegen den Abstieg gespielt."

Stichwort Publikum, das war den Dortmundern Profis vor Wochenfrist nicht sonderlich gut gesonnen und setzte zum Pfeifkonzert an. "Ich habe mich für die Pfiffe geschämt", war Christoph Metzelder reichlich geschockt, Bruder Malte sieht sie ebenso emotional: "Die gingen ganz schön unter die Haut. Natürlich hätten wir alle gerne einige Punkte mehr auf dem Konto, dann fällt vieles leichter, doch momentan ist nicht mehr drin bei uns."

Mittendrin in der Kabine ist Malte Metzelder nun seit einem halben Jahr und dort geht es wesentlich sympathischer zu, als er es erwartet hatte: "Ich muss klar sagen, dass ich am Anfang etwas andere Erwartungen hatte, doch ich wurde sofort aufgenommen und es ist nicht so, dass ich vor Respekt erstarren muss." Das gilt auch für sein Verhältnis zum Trainer: "Man merkt, dass er noch ein junger Coach ist, da hat man sofort einen besseren Draht, als wenn ein 50 oder 60-Jähriger an seiner Stelle wäre." Doch dem 36-Jährigen huscht in dieser Spielzeit weitaus seltener ein Lächeln über die Lippen, denn seine persönlichen Ansprüche an die Saison waren andere als die des 21jährigen Malte Metzelder, der sich berechtigter Weise über seinen kleinen Erfolg freuen kann.

Autor: rk

Kommentieren